Etziken
Etziker gewähren keinen Kredit für einen Dorfladen

Eine Mehrheit der Etziker will nicht, dass die Gemeinde sich als Investorin betätigt. Für 1,2 Mio. Franken hätte ein Laden realisiert werden sollen.

Rahel Meier
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Das Grundstück mitten im Dorf war für den Neubau mit einem Ladenlokal im Erdgeschoss vorgesehen.

Das Grundstück mitten im Dorf war für den Neubau mit einem Ladenlokal im Erdgeschoss vorgesehen.

Hanspeter Bärtschi

Seit bekannt ist, dass die Poststelle in Etziken geschlossen werden soll, ist der Gemeinderat bestrebt, als Ersatz im Dorfzentrum einen Dorfladen mit Postagentur einzurichten. An der Budgetgemeindeversammlung am Montagabend wurde nun der Antrag gestellt, dass ein Kredit von 1,2 Mio. Franken gesprochen werden soll, damit der Laden realisiert werden kann.

Wie Gemeindepräsident Bruno Meyer erklärte, wurden diverse Vorabklärungen getroffen. «Heute geht es nun um einen Grundsatzentscheid. Wollen wir das Projekt weiterverfolgen oder lassen wir es sein?» Man habe einen geeigneten Standort mitten im Dorf gefunden. Die Grundstückbesitzer seien bereit, das Land zu verkaufen. Volg sei interessiert, in Etziken einen Laden zu eröffnen. Es gebe auch Investoren, die sich eine Finanzierung vorstellen können. «Was wir nicht haben, ist ein Investor, der bereit ist, im Erdgeschoss einen Laden einzubauen.» Deshalb schlägt der Gemeinderat vor, dass die Gemeinde als Mitinvestor auftritt und das Ladenlokal im Erdgeschoss finanziert. «Das Geld wird nur ausgegeben, wenn die weitere Planung aufzeigt, dass das Projekt kostenneutral ausgeführt werden kann.»

Stimmung eher negativ

In der anschliessenden Diskussion meldeten sich praktisch nur Einwohnerinnen und Einwohner, die gegen die Beteiligung der Gemeinde waren. Das Betreiben eines Ladens sei keine Gemeindeaufgabe, wurde kritisiert. «Hat man professionelle Hilfe in Anspruch genommen, um einen Investor zu finden», wollten andere wissen. Was denn mit den anderen anstehenden Investitionen, etwa in die sanierungsbedürftige Mehrzweckhalle sei? Wie man das den kantonalen Stellen erkläre, dass man einen Bilanzfehlbetrag ausweise und trotzdem weitere Schulden anhäufe, fragten andere Stimmberechtigte.

Nachdem die Diskussion in Details abzugleiten drohte, wurde ein Antrag aus der Mitte gestellt. «Stimmen wir ab. Die Meinungen sind gemacht.» So geschah es denn auch. Allerdings musste mehrmals abgezählt werden, weil das Abstimmungsergebnis nicht mit den anwesenden 60 Personen übereinstimmte. 22 Personen sprachen sich für den Kredit aus, 30 dagegen und acht Personen enthielten sich der Stimme. «Damit ist das Geschäft vom Tisch», erklärte Bruno Meyer. Und damit dürfte auch die Einführung des Haus-Services der Post schon bald erfolgen.

Ertragsüberschuss budgetiert

Das Budget für 2018 entspricht in etwa dem Budget des vergangenen Jahres. Bei einem Aufwand von 3,793 Mio. und einem Ertrag von 3,845 Mio. Franken ist in der Erfolgsrechnung ein Ertragsüberschuss von 51 100 Franken budgetiert. Die Nettoinvestitionen belaufen sich auf 805 200 Franken. Rund 130 000 Franken werden ins Schulhaus investiert; 400 000 Franken sind für den Ausbau mit Glasfasern vorgesehen und 100 000 Franken im Rahmen der periodischen Flurwegsanierungen.

Abweichungen im Budget ergeben sich durch die Neuorganisation des Bauressorts. Nachdem die bisherige Baukommission praktisch geschlossen zurückgetreten ist, soll das Bausekretariat neu durch die Gemeinde Aeschi geführt werden. Zurzeit gibt es laut Meyer drei Interessenten für die Baukommission. Mit diesen Personen werde man neu starten, hofft aber, dass sich noch mehr Mitglieder finden lassen. Das Bausekretariat soll die Baugesuche prüfen und die Schreibarbeiten übernehmen. Genehmigt wird ein Gesuch aber weiterhin durch die Baukommission.

Etwas teurer wird die Regionalschule. Mit dem neuen Kostenteiler, der per 1. Januar 2018 in Kraft tritt, belaufen sich die Mehrkosten für den Standort Etziken auf rund 25 000 Franken. Der Steuerertrag bei natürlichen Personen hat um rund 60 000 Franken zugenommen, was vor allem auf Neuzuzüger zurückzuführen ist. Gleichzeitig zahlen aber die juristischen Personen nur noch rund 60 000 Franken (Budget 2017: 130 000 Franken).

Etziken weist zurzeit einen Bilanzfehlbetrag von 500 000 Franken auf, der bis Ende 2019 beseitigt werden muss. Der Gemeinderat schlägt vor, dass 300 000 Franken aus der Spezialfinanzierung Wasser in die Erfolgsrechnung übertragen und zur Tilgung des Bilanzfehlbetrages genutzt werden. Deshalb soll der Steuersatz (130 Prozent) für 2018 nicht erhöht werden. «Wir schaffen das», zeigte sich Meyer überzeugt. Gleichzeitig soll auch der Preis für den Bezug von Frischwasser von bisher 3 auf neu 2.50 Franken pro Kubikmeter reduziert werden.

Bei einer Enthaltung wurde auch dem Beitritt zur neuen Zivilschutzorganisation Aare Süd zugestimmt. Weiter wurden Ueli Leuenberger (vier Jahre) und Robert Jakob (16 Jahre) als abtretende Gemeinderäte gewürdigt.