Riedholz
ETH-Professor: «Würden alle Menschen so viel Energie wie wir konsumieren, bräuchten wir vier Erden»

Anton Gunzinger zeigt in einem Vortrag in Riedholz auf, wie die Energiewende zu schaffen ist.

Lea Reimann
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Anton Gunzinger. (Archiv)

Anton Gunzinger. (Archiv)

Hansjörg Sahli

Die Unterleberberger Umweltkommissionen luden zum Energieanlass ein und konnten dafür einen besonderen Referenten gewinnen. Der renommierte Autor, ETH-Professor und Unternehmer Anton Gunzinger präsentierte seine Visionen, die er in seinem Buch «Kraftwerk Schweiz – Plädoyer für eine Energiewende mit Zukunft» veröffentlicht hatte. Gunzinger, der in Welschenrohr aufgewachsen ist, hat zukunftsweisende Vorstellungen davon entwickelt, wie die Energieversorgung der Schweiz aus erneuerbaren Energien bestritten werden kann.

«Würden alle Menschen so viel Energie konsumieren wie die Schweizer Bevölkerung, bräuchten wir drei bis vier Erden», erklärte der Experte. Er ist aber überzeugt, dass die Schweiz es schaffen kann, ihren ökologischen Fussabdruck zu verkleinern und den Energiebedarf innerhalb einer Generation von derzeit vier Erden auf eine halbe Erde zu reduzieren.

Poleposition nutzen

Ein wichtiger Aspekt sei die Wärme. «Eine Wärmepumpe ist heute günstiger als eine Ölheizung – zwar fallen zunächst höhere Investitionskosten an, doch langfristig lohnt sich dies.» Zudem müsste Automobilität teurer sein, denn das Strassennetz werde heute hauptsächlich vom Steuerzahler, nicht vom eigentlichen Nutzer bezahlt. Da sehr viele Autofahrten kurz sind und auch mit Velo oder E-Bike zurückzulegen wären, würde eine Verhaltensänderung enorm viel bewirken. Zudem plädiert er für den Wechsel zu Elektrofahrzeugen. «Elektrisch fahren braucht 6 bis 8 Mal weniger Energie», so Gunzinger. Am besten mit Strom vom eigenen Solardach: «Mit der Photovoltaikanlage auf meinem Haus könnte ich zehn Elektroautos betreiben», so Gunzinger.

In verschiedenen Rechenmodellen und Diagrammen zeigte Gunzinger auf, wie die Schweiz für sich selber aufkommen könnte, und zwar ohne Kernkraft. «Wir sind dank der existierenden Speicherseen in einer komfortablen Ausgangslage», unterstrich er. «Neben uns können das in Europa nur Österreich, Norwegen und Schweden. Diese Poleposition sollten wir nutzen!»

Ist Ihr Haus ein Energiefresser?

Was kann jeder Einzelne gegen den hohen Energieverbrauch tun, und wie kann man dabei sogar noch Geld sparen? Diesen Fragen widmete sich die Veranstaltung im zweiten Teil. Ein erster Schritt besteht darin, einen Gebäudeenergieausweis (GEAK Plus) anfertigen zu lassen. Damit zeigt ein Energiecoach auf, wie viel Energie ein Wohngebäude für Heizung, Warmwasser, Beleuchtung und andere elektrische Verbraucher benötigt. Andrea Erzer von der AEK/BKW zeigte auf, wie durch das richtige Sanierungskonzept Geld eingespart werden kann. Einerseits sind nämlich Fördergelder abzuholen, andererseits sinken die Energiekosten nach Sanierungen.

Auch Christoph Bläsi, stellvertretender Leiter der kantonalen Energiefachstelle, verdeutlichte, dass die Ausgaben längerfristig betrachtet werden müssen. Bei einer Wärmepumpe zahle man den allergrössten Teil der Energie bereits am ersten Tag – bei der Ölheizung kommen hingegen jedes Jahr hohe Öl- und Unterhaltskosten dazu.
Der Umweltkommission Riedholz ist es gelungen, in Zusammenarbeit mit den anderen Umweltkommissionen des Unterleberbergs ein grosses Publikum von fast hundert Interessierten anzusprechen. «Die Verknüpfung aus Gunzingers Visionen einerseits und sachdienlichen Informationen zur Eigenheimsanierung andererseits veranlasst vielleicht den einen oder anderen zum Umdenken», hofft Sandra Morstein, Präsidentin der Umweltkommission Riedholz. Anlass dazu haben die Riedhölzer momentan umso mehr, weil die Gemeinde ein neues Angebot lancierte: den Energiecoach. Während der Kanton die Erstellung eines Gebäudeenergieausweises (GEAK Plus) bereits zur Hälfte subventioniert, übernimmt die Gemeinde im nächsten Jahr nun weitere 25 Prozent – bis maximal 400 Franken. Interessierte melden sich bei Sandra Morstein. (lrb)