Biberist
«Es war viel lockerer als erwartet»: Zum ersten Mal am Vorstellungsgespräch

Schüler der Kreisschule Biberist Lohn-Ammannsegg üben sich anlässlich der Wirtschaftswoche in der Praxis. Dabei standen auch Vorstellungsgespräche auf dem Programm.

Morena Adimari
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Vorstellungsgespräch für eine Lehrstelle im Detailhandel
14 Bilder
Der Schüler stellt sich vor
Fabienne Böhni (Migros) und ein Schüler im Gespräch vertieft
Fabienne Böhni (Migros) am interviewen
Notizen machen und Fragen stellen
Abschluss des Vorstellungsgesprächs
Am Beurteilen:Fabienne Böhni (Migros)
Im Warteraum ist die Anspannung gross
Anspannung und Nervosität vor dem Gespräch
Wirtschaftswoche in Biberist: Schüler üben Vorstellungsgespräche
Die Schülerin wird zur Rede gestellt
Richard Hausmann (Biber Optik Hausmann) gibt ein Feedback.
Nach dem Vorstellungsgespräch wird eine Reflexion geschrieben
Gemeinsames Reflektieren

Vorstellungsgespräch für eine Lehrstelle im Detailhandel

Michel Lüthi

In der Kreisschule Biberist Lohn-Ammannsegg fand bereits zum dritten Mal die Wirtschaftswoche statt. Die Jugendlichen der 8. Klasse lernten, sich aufs Berufsleben vorzubereiten. Sie fertigten Bewerbungsdossiers an und konnten verschiedene lokale Betriebe kennen lernen. Die Neuheit der diesjährigen Wirtschaftswoche war der krönende Abschluss am Freitag: ein reales Bewerbungsgespräch mit einer Personalverantwortlichen aus einer Firma.

Von Montag bis Donnerstag konnten die 90 Schülerinnen und Schüler ihre Bewerbungsunterlagen mithilfe von Lehrpersonen und Workshops vorbereiten. Am Donnerstag waren die Schüler in verschiedenen Betrieben, während die Lehrpersonen «90 Bewerbungen durchgelesen und korrigiert und 82 Schülerinnen und Schüler selektiert haben», so Julie Balmer, Lehrkraft und Mitorganisatorin. «Einige konnten nicht ausgewählt werden, aber alle waren wirklich gut. Leider mussten wir Entscheidungen treffen», sagt Balmer.

Die Schüler konnten sich auf fiktive Lehrstellen in unterschiedlichen Firmen (Rohn AG, Glöckner AG, Restaurant Baseltor, Schulverwaltung, Blanc Partner Architekten, Raiffeisen, Gebrüder Dubach AG) bewerben und sich so spezifisch vorbereiten. «Die Wirtschaftsvertreter waren sehr kooperativ und haben sofort zugesagt», erklärt Balmer. Die Lehrpersonen, die Schüler und die Firmenvertreter zeigen sich begeistert: «Das Gelernte kann direkt in die Praxis umgesetzt werden», sagt Julie Balmer. Auch Ueli Wüthrich vom Restaurant Baseltor erklärt: «Es ist wie eine Fallstudie – ein ausgezeichneter Pilotversuch.» Am Ende des Tages wird noch deklariert, wer im Ernstfall die Lehrstelle bekommen hätte.

«Ich bin total nervös»

Zusammen mit Joel Schär (13) sind wir bei einem Vorstellungsgespräch. Sofort wird er von Fabienne Böhni, Personalverantwortliche der Migros Aare Genossenschaft, freundlich empfangen. Sie spielen die Bewerbungssituation durch, dabei muss sich der Schüler vorstellen und seine Schwächen und Stärken preisgeben. Böhni hört gespannt zu und stellt immer wieder Fragen, so beispielsweise: «Warum möchtest du für Migros und nicht für Coop arbeiten?» Über fast alles kann der junge Kandidat gut Auskunft geben.

Nach dem zirka viertelstündigen Gespräch bekommt der Schüler ein direktes Feedback: Pünktlichkeit, Händedruck, Augenkontakt, gepflegtes Erscheinungsbild, korrekte Haltung – alles war dabei und noch viel mehr. «Es ist toll, dass du dir Notizen gemacht und Fragen notiert hast», so Böhni. Joel berichtet: «Ich war sehr nervös, aber es wurde im Verlauf des Gesprächs besser.» Er habe viel gelernt in dieser Woche und könne die Ratschläge gut gebrauchen.

Auch mit Chiara Sasso (13) können wir am Vorstellungsgespräch teilnehmen. «Ich bin total nervös», sagt die Schülerin kurz vor Gesprächsanfang. Richard Hausmann von der Biberoptik Hausmann interviewt die Schülerin gekonnt. Es wird über Betrieb und Lehre gesprochen, auch fragt Hausmann, was denn die langfristigen Ziele der Schülerin seien. Auch hier kommt am Schluss noch ein direktes Feedback. Hausmann lobt die Schülerin: «Die Unterlagen sind sauber und übersichtlich geordnet», inhaltlich sei der Bewerbungsbrief gut auf die Firma ausgerichtet.

Nach dem Vorstellungsgespräch begleiten wir die Schüler in den Warteraum, wo sie eine kurze Reflexion schreiben. Hier begegnen wir einer Vielzahl stattlich gekleideter Jugendlichen mit sowohl entspannten als auch nervösen Gesichtern. Elena Zöll (15) hat ihr Gespräch schon durch, sie ist froh: «Es war viel lockerer als erwartet.» Alina Osipova (14) und Chelsea Oberthaler (14) sind sehr zuversichtlich: «Wir sind nicht so aufgeregt, das kommt bestimmt noch», sie seien aber sehr gut vorbereitet.

Die Personalverantwortlichen zeigten sich positiv überrascht. «Die Gespräche waren alle sehr gut», sagt Fabienne Böhni. Einige immer wiederkehrende Kritikpunkte lassen sich trotzdem finden. So erklärt Richard Hausmann zum Beispiel, dass «man laut genug sprechen sollte» und Ueli Wüthrich berichtet: «Sich schlecht über den Betrieb zu informieren, ist die grösste Fehlerquelle, auch bei Erwachsenen.» Insgesamt sind aber Schüler, Lehrer und Personalverantwortliche zufrieden: Es gibt viel Lob für alle.

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