Luterbach

«Es war fantastisch»: Werbung brachte 22 neue Jodler – das überraschte den Dirigenten

Der Jodlerklub Bärgblueme bei seinem Auftritt im Januar 2019.

Der Jodlerklub Bärgblueme bei seinem Auftritt im Januar 2019.

Der Jodlerklub Bärgblueme Luterbach bereichert sein Jubiläum mit einem Projektchor. Dafür machte der Club Werbung.

«Machsch ou mit? Chumm doch eifach cho luege!». So fragte der Jodlerklub «Bärgblueme» Luterbach in einer breit angelegten Werbung für einen Projektchor, der zusammen mit dem Jodlerklub den Festakt zum 75-jährigen Bestehen umrahmen sollte. Überwältigend zeigte sich das Resultat: Gemeldet hatten sich 22 Personen, davon 10 Frauen. «Ich war sehr überrascht, es war fantastisch», blickte der Dirigent Beat Flury auf die erste gemeinsame Probe mit dem Klub zurück. Nicht minder zufrieden zeigte er sich nach dem zweiten Übungsabend. Nach Herzenslust und wohlklingend sang die grosse Schar das Jodellied «Häb Freud am Läbe» von Ernst Sommer. Die Worte «S’Jutze isch fasch Doktorruschtig, isch guet z’näh und choschtet nüt» schienen, den Gesichtern zu entnehmen, etwas Wahres zu haben.

Nachwuchssuche ist für den Jodlerklub kein Fremdwort. Die vorherigen Bemühungen mit Flyer, Inseraten sowie Banden am Dorfeingang und in den umliegenden Gemeinden brachten wenig bis keinen Erfolg. Am vergangenen Jahreskonzert am ersten Neujahrstag standen noch 15 Jodler auf der Bühne. Auf die mahnenden Worte des Präsidenten Ueli Mühlemann, «Wenn wir jetzt nichts unternehmen, gibt es uns in fünf Jahren nicht mehr», startete der Klub diese Werbung.

Frauen waren vor 75 Jahren nicht erwünscht

«Neun Männer gründeten am 12. August 1945 im Restaurant Kreuz den Jodlerklub», erzählt Josef von Arx, der in alten Akten gestöbert hat. Den fehlenden Solojodler fanden die Männer mittels Inserat im Wallis. Der Klub suchte dem versierten Jodler Leo Zeitter eine Arbeitsstelle und bezahlte ihm den Umzug nach Luterbach. Gemeldet hatte sich auch eine Jodlerin. Diese war den Männern vor 75 Jahren jedoch nicht genehm, weil sie zu viel redete. «Ein weiblicher Regent geht nicht in einem Jodlerklub», so das Zitat im Protokoll. Im Gründungsjahr einigten sich die Jodler, nach langem Hin und Her, auf den Namen «Bärgblueme». Im Jahr darauf erfreute der Klub die Besucher – in ihren neuen eigenen Trachten – an der ersten Abendunterhaltung unter dem Motto «Alpufzug». Im Klub herrschte Ordnung. So wurde nicht nur die Abwesenheit in den Proben gerügt, sondern auch der Jodler, der sein «Mutzli» samt «Käppi» an der Krebskilbi trug.

Ansehnliches Jahresprogramm

Über all die Jahre erfreuten die Jodler mit ihren Aktivitäten die Bevölkerung. Singen in der Kirche und im Altersheim, Teilnahme am Luterbacher Dorffest mit einem Imbissstand, singen am ökumenischen Gottesdienst auf dem Dorfplatz sowie Platzkonzert zusammen mit der Musikgesellschaft gehören zum festen Programm. Einen der Höhepunkte bedeutete sicherlich die CD-Taufe anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums am 1. Juli 1995. Nicht wegzudenken sind die Abendunterhaltungen, die selbst am 1. Januar die Fans in die Turnhalle locken. Ganz klar, dass auch die Nordwestschweizerischen und Eidgenössischen Jodlerfeste zum Programm gehören. Wenn die Jodler in ihrem Jubiläumslied singen «Mir wüsse, d’Wält isch andersch worde, mänge schöne Bruuch stirbt us», hoffen sie natürlich fest, dass einige Mitsingende des Projektchors im Klub verbleiben und somit der Jodelgesang in Luterbach noch lange zum Brauchtum gehört.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1