Horriwil
«Es muss einfach stimmen»: Es dauert lange, bis er die Metallteile zusammenschweisst

Der in Horriwil lebende Franz Josef Bobst zaubert aus Metallteilen Skulpturen, die seine Welt in Balance halten.

Urs Byland
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Metallskulpturen sind das Lebenselixier von Franz Josef Bobst. Sie beschäftigen den 87-jährigen Horriwiler tagein, tagaus und lassen ihn gedanklich auch in der Nacht nicht los. Beim Garteneingang zu seiner Werkstatt an der Subingerstrasse 33 liegen angehäuft Metallteile aus rohem Eisen: runde und eckige Platten, Stangen, Profile, Winkel, Radreifen oder Bänder in verschiedensten Grössen. Das Eisen kommt aus verschiedenen Quellen. Meist kauft er es aber in einem Betrieb in der Nähe ein.

«Das Schweissen ist das wenigste», erklärt Franz Josef Bobst in seinem Garten, in dem Eisenskulpturen mit halbhohen Obstbäumen um Aufmerksamkeit heischen. Wenn er schweisst, hat er die für eine Skulptur ausgewählten Metallteile bereits mit Hilfsmitteln in der richtigen Lage fixiert. Das Schwierige sei das «Luege», das Schauen und Abschätzen, das Platzieren der Teile, sie ins richtige Verhältnis zueinander bringen. «Es muss einfach stimmen.»

Dabei verlässt sich Bobst nicht nur auf sein Bauchgefühl. Fortwährend nähert er sich in Skizzen den Skulpturen an. Andauernd befestigt er provisorisch die Metallteile der Skulptur, probiert aus, stundenlang und versucht auch die letzten Zweifel auszuräumen. Es würde jeweils sehr lange dauern, bis es passe, und er Schweissen könne. «Es ist nicht einfach, es sieht nur einfach aus.»

Das Geheimnis von Metallschlössern zeigen

Als er, der gelernte Mechaniker in der damaligen «Viktor Glutz-Blotzheim Nachfolger AG, Schlossfabrik» eine Stelle erhielt, konnte er sich jeweils kaum von den übrig gebliebenen Metallteilen trennen. «Ich habe sie angeschaut und konnte sie nicht in den Abfall werfen. Das wäre schade gewesen. Das ist Kunst», habe er für sich gedacht. Anfänglich wollte er sichtbar machen, was sich Geordnetes und Schönes in einem Schloss versteckt. In der Wohnung sind die ersten Kleinskulpturen aufgestellt, die er damals zu gestalten begann.

Autodidaktisch bildete er sich weiter und saugt alle Kunst ein, der er begegnet und die ihn fasziniert. Er besuchte Ausstellungen, versuchte sich zu Hause am Küchentisch in Skizzen und mit Farben. Er lernte Ruedi Butz aus Solothurn kennen und begann, sich bei ihm intensiver mit der Malerei und kleinen Plastiken auseinanderzusetzen.

Im Malen wie auch in der Arbeit an Skulpturen blieb es nicht beim Kopieren anderer Künstler. Er habe jeweils eine Antwort auf die Arbeiten berühmter Künstler gefunden, beschreibt es sein Freund und Förderer Albert Arnold. Er habe das Spiel der Farben (in seinen Bildern) und der Formen weiterentwickelt. «Ich habe immer gemalt, was mich beschäftigt hat», erklärt dazu Bobst.

Um Anerkennung musste Franz Josef Bobst kämpfen. 1988 ist er in die Künstlervereinigung aufgenommen worden. Mutig packte er Bilder und kleine Skulpturen unter den Arm, reiste nach Olten und präsentierte sein Schaffen einer Fachjury, schreibt Arnold in einem Text über ihn. Seine Bilder, Holz- und Metallplastiken fanden Eingang in vielen Ausstellungen. Er beteiligte sich auch an Wettbewerben. «Ab und zu konnte ich eine Figur liefern.»

Im Bezirk Olten habe er sich beispielsweise bei einem Kunstwettbewerb für ein Schulzentrum beteiligt. «Ich erhielt 5000 oder 6000 Franken für meinen Vorschlag, aber meine Skulptur haben sie nicht aufgestellt.» Ein anderer machte das Rennen, der daraufhin einige Klötze kreisartig aufgestellt habe. «Die Lehrkräfte hätten eigentlich lieber meine Giraffe gehabt.» Ein anderes Beispiel sei seine Skulptur «Der Tanz der Quadrille», die er in Olten im Stadthaus im Rahmen einer Ausstellung zeigen durfte. «Die Fotografen haben sich darum herum auf den Boden gelegt, um eine besondere Perspektive zu fotografieren», erzählt er stolz.

Draussen im Garten stehen unzählige Grossskulpturen. «Es fällt mir schwer, mich von einer Skulptur zu trennen», erklärt er auf dem Rundgang. Drinnen in der Wohnung sind alle Wände voll bedeckt mit seinen Bildern. Im Atelier stehen unzählige weitere Bilder, die er vor allem in der Winterzeit malt, wenn er draussen nicht arbeiten kann. Platz ist absolute Mangelware. Ordner voller Skizzen verstellen die Arbeitsflächen. Die Arbeit an den Bildern und den Skulpturen sind sein Ein und Alles. «Ohne diese Beschäftigung würde mir wahrscheinlich der Wille zum Leben fehlen.»

Franz Josef Bobst

Franz Josef Bobst ist am 5. Juli 1933 in Horriwil geboren, als erstes der zehn Geschwister. Seine Kindheit ist von äusserster Armut geprägt. Franz wird mit Hilfe des Seraphischen Liebeswerks in Andermatt platziert, wo er die dritte Klasse besucht. «Jetzt erinnere ich mich wieder», erzählt er beim Treffen, «dass

ich in der dritten Klasse im Hosensack immer einen Nuggi, nur noch einen Stumpen, hatte, an dem ich manchmal saugte.» In Andermatt gefällt es ihm. Später erlebt er in einer Sägerei im Luzernischen das harte Leben eines Verdingkindes, besucht aber die Sekundarschule. In der Firma Guldimann in Horriwil absolviert er eine vierjährige Lehre als Mechaniker. Ab 1961 arbeitet er in der heutigen Glutz AG in Solothurn. 1960 heiratet er Lina. Gemeinsam ziehen sie einen Sohn auf. Infolge einer schweren Erkrankung geht er mit 62 Jahren frühzeitig in Rente.

Hinweis: Franz Josef Bobst ist in der Ausstellung «überleben» der Visarte im Schlösschen Vorder-Bleichenberg vertreten. 21. November–13. Dezember

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