Hubersdorf
«Es ist mit wichtig, nicht zu sehr als Polizist wahrgenommen zu werden»

Gemeindepräsident Gregor Schneiter ist seit 101 Tagen im Amt. Im Gespräch zeigt er viel Respekt für die «schöne und grüne Gemeinde», wie er Hubersdorf öfters bezeichnet.

Urs Byland
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«Meine Arbeit bei der Polizei und als Gemeindepräsident haben eine grosseVerwandtschaft», sagt Gregor Schneiter.

«Meine Arbeit bei der Polizei und als Gemeindepräsident haben eine grosseVerwandtschaft», sagt Gregor Schneiter.

Urs Byland

Gregor Schneiter, Sie scheuen die Öffentlichkeit, warum?

Gregor Schneiter: Ich übe sicher eine gewisse Zurückhaltung in der Öffentlichkeit aus, wobei dies mit meinem jetzigen Beruf zu tun hat. Es ist mir wichtig, dass ich in meiner Rolle als neuer Gemeindepräsident und als Einwohner von Hubersdorf wahrgenommen werde und nicht zu sehr als Polizist. Andererseits suche ich natürlich im Dorf den Kontakt zu den Menschen, das ist sehr wichtig. Zudem beende ich meine Arbeit bei der Polizei bald. Danach kann ich mich voll der Gemeinde widmen.

Ende Legislatur sind Sie mit 65 Jahren im besten Alter, eine weitere Legislatur anzuhängen.

Das ist so.

Wir gross ist das Pensum des Gemeindepräsidenten von Hubersdorf offiziell?

Ich bin nach wie vor in der Einarbeitungsphase. Mein Arbeitgeber erlaubt mir neben meiner 100-Prozent-Stelle eine ausserdienstliche Belastung von 10 Prozent. Pro Woche wende ich sicher eineinhalb Tage für mein Amt auf. Die Arbeit verteilt sich auf die Abende. Es bleiben mir zwei Abende, welche ich nicht für die Gemeinde einsetze. Tagsüber besuche ich vor Arbeitsbeginn die Verwaltung. Der rege Austausch mit dem Gemeindepersonal ist mir wichtig. Es verteilt sich also auf die Randstunden, insbesondere am Morgen, aber auch am Mittag und am Abend.

Wie gefällt Ihnen Ihre ausserdienstliche Tätigkeit?

Sie gefällt mir sehr und sie ist anders, als ich mir sie vorgestellt habe. Mit den Aufgaben, die ich erfüllen muss, bearbeite ich ein breites Spektrum, inklusive den Kontakt zu den Einwohnern.

Sie haben gleiche oder zumindest ähnliche Geschäfte wie Gemeindepräsidenten mit grösseren Pensen. Wie ist das möglich?

Es ist hier ruhiger als in grösseren Gemeinden. Wir haben ein sehr gutes Einvernehmen. In heiklen Geschäften gehe ich hinaus und rede mit den Leuten. Ich will den Briefverkehr so klein als möglich halten. Wir haben so bereits einige Geschäfte auf dem «kleinen Dienstweg» regeln können.

Sie müssen aber auch Fachkompetenzen ausweisen können.

Finanzen, Bau und Logistik liegen mir. Da kann ich auf meine Arbeit bei der Polizei zurückgreifen. Die beiden Tätigkeiten haben eine grosse Verwandtschaft. Und die Arbeit mit den Leuten macht mir Freude.

Und die Arbeit im Gemeinderat?

Politisch geht es ruhig zu und her. Wir betreiben Sachpolitik und ich habe hier ein sehr gutes Team. Alle helfen mit. Ich bin beeindruckt, wie hier gearbeitet wird.

Wie?

Die Zusammenarbeit im Gemeinderat und mit der Verwaltung ist sehr gut und vereinfacht vieles.

Warum?

Ich pflege einen kooperativen und situativen Führungsstil und versuche die Gemeinderäte mit einzubeziehen. Das funktioniert. Alleine kann ich nicht entscheiden, ich gebe aber natürlich Empfehlungen ab.

Wie entwickeln sich die Finanzen?

Wie in anderen Gemeinden drücken die Kosten. Aber so wie es aussieht, können wir unseren Steuerfuss von 119 Prozent halten. In diesem Jahr haben wir grosse Investitionen in der Höhe von 260 000 Franken. Die Bachsanierung schwingt obenaus. Für eine kleine Gemeinde ist das viel Geld.

Beunruhigt Sie der Zustand der
Infrastruktur in der Gemeinde?

Es gilt den Wert des Bestehenden
zu erhalten. Aktuell planen wir aber die Wasserversorgung. Eventuell bauen wir ein neues Wasserreservoir. Zuvor müssen wir aber prüfen, wie viel Wasser unsere Quelle in Zukunft erbringt und zu welcher Qualität. Dann müssen wir die Schutzzonen definieren, und der Kanton muss eine Bewilligung
geben.

Eine Knacknuss wird das Räumliche Leitbild, das momentan in der Gemeinde erarbeitet wird.

Wir wollen das Leitbild im Dezember der Gemeindeversammlung vorlegen. Viele Entwicklungsmöglichkeiten haben wir nicht. Im Siedlungsgebiet haben wir einige Parzellen, für eine mögliche moderate bauliche Erweiterung. Also vernünftig, denn Hubersdorf ist eine schöne und grüne Gemeinde.

Die weiterhin Pendlergemeinde bleiben will?

Wir haben nur wenig Kleingewerbe. Die Einwohner schätzen den Ausgleich zum Alltag, die grüne Insel hier. Wenn es aber möglich ist, beabsichtigen wir, für die Jungen und die ältere Bevölkerung ebendiesen neuen Wohnraum zu schaffen.

Wie lange bleibt Hubersdorf eigenständig?

Noch lange. Wenn sich mit anderen Gemeinden eine Zusammenarbeit ergibt, umso besser.

Kammersrohr würden Sie aber schon aufnehmen?

Das ist im Moment kein Thema. Und welche Absichten Kammersrohr hat, weiss ich derzeit nicht.

Sie sind trotz Ihres Alters ein junger Hubersdörfer. Wann kamen Sie in die Gemeinde?

Das war 2006. Mich hat die Liebe zu meiner Partnerin hierher geführt. Aufgewachsen bin ich in Biberist.