Geplante Fusion

Es gibt keine Garantie für den Raiffeisen-Standort Aeschi

Raiffeisenbank Aeschi

Die Befürchtung ist gross, dass die Raiffeisen-Geschäftsstelle in Aeschi nach einer Fusion aufgegeben wird.

Raiffeisenbank Aeschi

Gegen die geplante Fusion der Raiffeisenbank Wasseramt Mitte und Aeschi-Buchsi erwächst Widerstand.

Gegen 200 Genossenschafter waren am Donnerstagabend nach Etziken gekommen, um sich über die Fusion zu informieren. Geht es nach den Verwaltungsräten, sollen sich die Raiffeisenbanken Aeschi-Buchsi und Wasseramt Mitte 2017 zusammenschliessen. Entscheiden werden die Mitglieder am 12. Mai in Aeschi und am 20. Mai in Zuchwil an den Generalversammlungen.

Eine Stunde lang erklärte Urs Hunziker, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisen Aeschi-Buchsi, warum die Fusion notwendig sei. 2014 erklärte die Nationalbank die Raiffeisen als systemrelevant. In der Folge konnte die kleine Filiale Aeschi-Buchsi gewisse Anforderungen nicht mehr erfüllen. «Wir können die Liquidität nicht mehr sicherstellen, ebenso wenig die Eigenmittelvorgaben», präzisierte Verwaltungsrat Gerhard Kaufmann. Zudem seien die Margen zusammengesunken. 

Ein weiteres Problem: Für wichtige Personen im Betrieb sind keine Stellvertretungen geregelt. Auch seien die Bereiche mit direktem Kundenkontakt und das Backoffice nicht klar voneinander getrennt. Schliesslich müsse der IT-Bereich ausgebaut werden. «Für all dies müssten wir zusätzliches, teueres Kaderpersonal anstellen. Darunter würde die Wirtschaftlichkeit leiden», so Kaufmann. Er sei lange ein vehementer Gegner einer Fusion gewesen. «Heute bin ich überzeugt, dass es der richtige Weg ist.»

Bekenntnis zur Kundennähe

Die anschliessenden Voten aus den Reihen der Genossenschafter zeigten, dass die Fusion auf Opposition stösst. «Ich bin zufrieden mit der Bank und will keine Veränderung», sagte eine Frau. Sie wollte wissen, was passiere, wenn im Mai die Zweidrittelmehrheit für eine Fusion nicht zustande komme? «Dann bleiben wir eine eigenständige Bank», antwortete Hunziker. Das bedeute, dass man entweder «gewaltig» Personal anstellen, oder aber eine neue Fusion aufgleisen müsse.

Die meisten Voten der Fusionsgegner zeigten die Befürchtung vor einer Schliessung der Filiale Aeschi. Ein Mann rief in Erinnerung, dass bei der Fusion zur Raiffeisenbank Wasseramt Mitte versprochen worden sei, den Standort Halten zu erhalten. Per Anfang 2016 wurde die Niederlassung in Halten geschlossen. Viele Genossenschafter vermuten, dass die 110-jährige Banktradition in Aeschi bald der Vergangenheit angehören wird. Wenn zudem die Filiale in Subingen geschlossen werde, so die Befürchtung, hätten jene, die auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind, ein Problem.

Er könne nicht garantieren, dass die Bank in Aeschi bestehen bleibt, sagte Hunziker. Man habe aber letztes Jahr 600 000 Franken in die Geschäftsstelle investiert. «Das war ein Bekenntnis zum Standort.» Andreas Anderegg, Chef der Raiffeisenbank Wasseramt Mitte, schob nach, dass aufgrund der Digitalisierung immer weniger Kunden die Geschäftsstellen besuchten. Am Schluss würden wirtschaftliche Überlegungen über den Fortbestand der Standorte entscheiden.

«Feindliche Übernahme»

Stefan Berger, Gemeindepräsident von Aeschi, forderte vom designierten Verwaltungsratspräsidenten der fusionierten Raiffeisen Wasseramt-Buchsi, Beat Muralt, gar ein Bekenntnis zum Standort Aeschi. «Ich kann angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes kein Versprechen abgeben», legte Muralt dar. Man werde in Aeschi nach der Fusion aber nicht sofort die Schlüssel drehen. Kundennähe sei weiterhin ein Merkmal der Raiffeisenbank.

Eine weitere Stimme warnte vor einer «feindlichen Übernahme» und vor dem zu grossen Gewinnstreben der Bank. Eine andere appellierte an die Genossenschafter, die Fusion abzulehnen. Weitere ablehnende Voten folgten. Einzig eine Frau fand zum Schluss, dass die Fusion wohl unausweichlich sei.

Ihre Frage, ob wenigstens die Öffnungszeiten der Niederlassung in Herzogenbuchsee verbessert würden, wurde indes negativ beantwortet.

Nach zwei Stunden Vortrag und Diskussion wurde das von vielen ersehnte Apéro eröffnet. Immerhin: Auf die reichhaltigen Buffets müssten die Raiffeisen-Mitglieder auch nach einer Fusion nicht verzichten. Sie müssen zur Generalversammlung dafür aber neu nach Zuchwil fahren.

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