Gäng wie gäng – aber trotzdem nicht mehr ganz so wie früher: Die Krebskilbi begann wie immer mit den Auftritten der Geislechlöpfer, dem Jodlerchörli, der Trachtengruppe und der Musikgesellschaft. Zum traditionellen Auftakt scharten sich viele Leute auf dem Kriegstetter Dorfplatz, aber rasch lichteten sich die Reihen wieder. Die Krebskilbi ist und bleibt ein schönes Fest, aber sie befindet sich im Krebsgang. Der Rummel ist viel keiner als noch vor ein paar Jahren.

Vor dem über hundert Jahre alten Karussell sorgen die Geislechlöpfer für Ohrensausen bei den Leuten. Seit 1350 lasse man es in Kriegstetten knallen, erzählt Tätschmeister Rafael Schärer. «Damals gab es neue Glocken für die Kirche und in den Geschichtsbüchern steht, dass die jungen Männer durch die Nacht die Glocken bewachten und jede Stunde mit den Geiseln chlöpften, bis diese mit einer feierlichen Kirchweih auf den Kirchturm gehievt werden konnten.»

Seit 1350 lassen es die Geislechlöpfer knallen.

Seit 1350 lassen es die Geislechlöpfer knallen.

Die Geislechlöpfer durften an der Krebskilbi nicht fehlen. 

In den letzten Jahren habe sich die Krebskilbi verändert, findet Schärer, der bereits zum 30. Mal mit der Geisel «chlöpfte». Eine zeitlang sei sie fast zu gross gewesen, der dörfliche Charakter habe gelitten. «In den letzten zwei, drei Jahren wurde sie wieder kleiner. Vermutlich hat die Konkurrenz zugenommen. Aber das ist kein Problem. Die Krebskilbi hat schon viele Hochs und Tiefs erlebt. Es wird sie auch noch lange nach uns weiterhin geben.»

Derweil hallen die panischen Schreie der Teenies auf ihrer Suche nach einem Schleudertrauma vom Lunapark über den Kriegstetter Friedhof hinweg bis weit nach Derendingen. Auf dem Rummelplatz rollt der Rubel, die Bahnen sind immer voll besetzt. «Gut ist eine Crèmeschnitte, das ist gruusig», sagt die Frau, als sie aus der Geisterbahn steigt. Das scheinen also gut investierte vier Franken gewesen zu sein. Derweil trifft der junge Mann an der Schiessbude eine Plastikrose nach der anderen und wird von seiner Freundin sogleich mit einem Kuss belohnt.

Aber entlang der Haltenstrasse und der Oekingenstrasse war das Gedränge auch schon grösser. An den Ständen hier gibt es all das zu kaufen, was eigentlich keiner braucht.

Leinenhosen und Wollmützen, durch Tiffany inspirierte Lampen aus Anatolien, mit Strass besetzte BH-Träger, Didgeridoos neben Indianerstatuen. All das Plastispielzeug ist so schön bunt hier, und der Fünfjährige lässt sich zur Erleichterung seiner Mutter davon überzeugen, dass ein Beutel mit zwölf Dinosauriern viel mehr Spass machen wird als diese fast echt aussehende Plastikpistole.

Die «Flühlingslollen mit salfel Sauce» gehören zur Krebskilbi genauso wie die Raclettestube. Aber Richtung Recherswil, wo früher eine Fressbude an der anderen stand, ist gar nichts mehr los. Auch von der einst wilden Partystimmung ist nicht mehr viel übrig. Beim Pisonikeller vor dem Kreuz, wo vor 25 Jahren der grösste «Heiratsmarkt» der Region abging, sitzt man nun gemütlich auf den Bänken und plaudert mit den Freunden über die guten alten Zeiten, während der DJ auf seinem hohen Gerüst sein Bestes gibt.

Etwas mehr Gedränge gabs in der Bierklinik der Musikgesellschaft und im Zelt des HSV Halten, wo die Fussballer aus dem Wasseramt über die in diesen Tagen beginnende Saison fachsimpelten.

Aus dem riesigen Sangriakübel ragen zwei Dutzend bunte Röhrli, aber nur einer trinkt daraus und der will lieber kein Foto von sich in der Zeitung sehen. Die fast leere Sumpf-Bar der Fasnachtszunft sei zu deprimierend.

Man kann die leichte Enttäuschung in den Gesichtern hinter den Theken lesen, denn die Krebskilbi ist für die Dorfvereine eine der Haupteinnahmequellen.