Subingen

«Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen»

Mit dem Projekt «schritt:weise» werden Familien mit Kindern zwischen 1,5 und drei Jahren unterstützt. (Symbolbild)

Mit dem Projekt «schritt:weise» werden Familien mit Kindern zwischen 1,5 und drei Jahren unterstützt. (Symbolbild)

Am Samstag trafen sich Vertreter aus Schulen und Behörden zur Weiterbildung und Diskussion über Jugendgewalt. Das Fazit: Jugendgewalt zu mindern braucht Zeit und Ressourcen. Und die Verantwortung liegt nicht bei Einzelnen.

Jugendgewalt hat seit 2008 erfreulicherweise abgenommen. Was dem Thema seine Dringlichkeit aber nicht nimmt, wie das diesjährige Behördenseminar der Schulleiter/innenkonferenz Oberstufe Wasseramt Ost gezeigt hat.

Die Vielfalt jener, die gegen Jugendgewalt aktiv werden, zeigte sich bereits an den Referenten. Deren sechs aus den Bereichen Psychiatrie, Rechtswissenschaft, (Schul-)Sozialarbeit und Bildung stellten ihre Arbeit vor. Sandro Reichen, Schulleiter in Subingen, zeigte dabei, dass Prävention sehr früh ansetzen kann. So werden mit dem Projekt «schritt:weise» Familien mit Kindern zwischen 1,5 und drei Jahren unterstützt. Ein niederschwelliges Angebot, das sich an sozial benachteiligte Familien richtet.

In der Schule selbst vermittle man Schülern ihre Mitverantwortung, damit gemeinsames Lernen gelingt. Dazu arbeite man mit externen Stellen zusammen, etwa Kompass. Ein Verein, der ein vielschichtiges Angebot im Bereich Bildung und Begleitung von Familien hat, das Erwachsenenbildnerin Irma Bachmann vorstellte. Kompass arbeitet mit rund 30 Pflegefamilien zusammen, die Kindern, die nicht in der eigenen Familie leben können, kurz- oder längerfristig ein zu Hause geben.

Agieren statt reagieren

Die meisten Referenten stammten aus Institutionen, die bezüglich Jugendgewalt vornehmlich agieren statt zu reagieren. Auch die Schulsozialarbeit, die aus «Praktikern und Generalisten» bestehe, so Simon Luder. In den Schulen fördere man unter anderem Demokratie, etwa mithilfe von Schülerräten. Für auffällige Schüler existierten Sozialtrainings, so Luder. «Hier werden den Kindern Werte und Normen vermittelt.»

Das Sozialtraining der härteren Art erhalten jene Jugendlichen, die straffällig geworden sind bei der Jugendanwaltschaft. Entsprechenden Einblick gaben Anwältin Barbara Altermatt und Sozialarbeiterin Stephanie Leonhardt. «Das Ziel des Jugendstrafrechts ist es, kriminelle Karrieren zu verhindern», erklärte Altermatt. Daher würden die Jugendlichen nach einer Verurteilung durch Sozialarbeiter betreut. Sechs bis zwölf Wochen daure etwa die Gewaltberatung, die Stephanie Leonhardt vorstellte. Hier lernen die Jugendlichen, ihre Emotionen wahrzunehmen und sich in kritischen Situationen zu beherrschen. Wichtig sei es, Jugendlichen wie Eltern klar zu machen, dass man als Behörde nicht gegen sie arbeite. «Wir suchen Lösungen, die den Jugendlichen helfen sollen.»

Ein gesellschaftliches Anliegen

Dass Zeit, Geld und Arbeitskräfte begrenzt vorhanden sind, wurde in den anschliessenden Diskussionen zwischen Schulleitern und Behördenmitgliedern klar. Dennoch fanden sich einige Bereiche, in denen auch Gemeinden gegen Jugendgewalt vorgehen können. Etwa die Förderung des Vereinslebens, das Schaffen von Angeboten für Jugendliche sowie Infrastruktur, die zur Verfügung gestellt werden können.

Die Anwesenden waren sich letztlich einig: es braucht ein nachhaltiges Agieren und vor allem ausgiebige Netzwerkarbeit. Denn wenn die Beiträge am Samstag eines gezeigt haben, dann dass Jugendgewalt kein Thema ist, das Jugendlichen, Eltern und Schulen vorbehalten ist. Oder, wie es Organisator Matthias Pfeiffer am Schluss treffend zusammenfasste: «Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.»

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