Bäckerei Dubach

Es bleibt ein Geheimrezept: Fast 1000 «Lommiswiler Dreikönigskuchen» gehen hier über die Theke

Marlies und Erich Dubach vor dem Ofen, in dem bald Hunderte Königskuchen gebacken werden.

Marlies und Erich Dubach vor dem Ofen, in dem bald Hunderte Königskuchen gebacken werden.

Von Oensingen bis Biel kommen die Leute nach Selzach, um den «Lommiswiler Dreikönigskuchen» in der Bäckerei Dubach zu kaufen. Für das Ehepaar Dubach ist der 6. Januar der umsatzreichste Tag im ganzen Geschäftsjahr. Der Erfolg des Kuchens bleibt aber nach wie vor ein Rätsel.

Die Parkplätze vor dem Geschäft an der Dorfstrasse in Selzach sind leer. Ebenso die Regale vorne im Laden der Bäckerei Dubach; die Gestelle, Ofen und Teigmaschinen hinten in der Backstube. Es ist still und sauber. Noch. Erste Anzeichen gibt es schon dafür, was der Bäckerei bevorsteht: «Lommiswiler Dreikönigskuchen, 6. und 7. Januar» heisst es auf der Website und auf der Anzeigetafel vor dem Laden. Wer bis gestern Mittag anrief, hörte zudem vom automatischen Telefonbeantworter, dass ab Freitagnachmittag, 14 Uhr, Dreikönigskuchen vorbestellt werden können.

Es ist Freitagnachmittag, 14 Uhr. Erich und Marlies Dubach, die das Geschäft seit 1987 leiten, sind zurück aus den Ferien. Acht Minuten dauert es, da klingelt das Telefon zum ersten Mal. Marlies Dubach, 57, nimmt die Bestellung entgegen. Von da an hat sie keine ruhige Sekunde mehr: Praktisch im Minutentakt klingelt das Telefon. Von Oensingen bis Biel rufen die Kunden an, die den «Lommiswiler Dreikönigskuchen» aus der Selzacher Bäckerei haben wollen.

Lommiswiler Geheimrezept in Selzach bewahrt

Er könne sich den Rummel um das Gebäck nicht so recht erklären, meint der 63-jährige Erich Dubach, während Marlies Dubach Bestellung nach Bestellung aufnimmt. 900–950 Dreikönigskuchen verkaufe man jährlich, dazu kommen 100 bis 120 «gewöhnliche Kuchen». Der Unterschied? Im Lommiswiler Kuchen hat es keine Rosinen drin, dafür bedeckt eine zuckersüsse, klebrige Glasur das Gebäck.
Das Rezept hat Walter Sägesser aus Lommiswil entwickelt und damit einen Nerv getroffen. Im kleinen Lommiswil standen die Leute am Dreikönigstag jeweils Schlange, während der mittlerweile verstorbene Bäcker die weitum bekannten Kuchen produzierte. Bis das Geschäft zuging. «Rettet den Lommiswiler Dreikönigskuchen», sei damals über Social Media aufgerufen worden, erinnert sich Marlies Dubach zwischen zwei Bestellungen. Ihre Cousine stammt aus Lommiswil – und hat vom drohenden Verschwinden des Kuchens berichtet. So kam es, dass die Dubachs anboten, das spezielle Rezept weiterzuführen. Unter der Bedingung, dass Sägesser dieses persönlich vorführte. Einen Tag später stand der Lommiswiler Bäckermeister in der Selzacher Backstube und weihte die Dubachs ins Geheimrezept für den bekannten Kuchen ein. Nun verkauft das Ehepaar die Spezialität im neunten Jahr.

Erich Dubach wollte das Rezept gar schützen lassen und telefonierte nach Bern. Die Sekretärin im dortigen Büro kannte den Lommiswiler Kuchen. Schützen lassen konnte Dubach diesen nicht – weil das Gebäck mit Lommiswiler Namen gar nicht mehr in Lommiswil hergestellt wird. Stattdessen haben die Dubachs alle Mitarbeitenden ein Dokument unterschreiben lassen; sie dürfen das Geheimrezept nicht weitergeben.

Alle Mitarbeitenden im Einsatz an diesem Spitzentag

Schon im ersten Verkaufsjahr habe grosser Andrang um den Dreikönigskuchen geherrscht, so Dubach. Er glaubt zudem nicht, dass dieser abflacht. «Es ist den Konsumenten immer wichtiger, dass sie etwas Handgemachtes erhalten; wissen, woher das Produkt kommt.»

Die Zutaten – von der spezielle Mehlmischung bis zum Zucker – stehen bereits in der Bäckerei. Gebacken wird aber erst in der Nacht auf Montag, damit die ersten Bestellungen ab Montagmorgen frisch über die Theke gehen können. Dann sind alle Mitarbeitenden der Bäckerei im Einsatz. Sechs Personen braucht es alleine für den Prozess, der eintritt, wenn der Kuchen aus dem Ofen kommt. «Beim gewöhnlichen Dreikönigskuchen ist die Arbeit dann getan», erklärt Dubach. «Beim Lommiswiler fängt sie erst an.» Denn: Wenn der Kuchen noch heiss ist, muss die Glasur drauf. Eine einzige Person ist zudem verantwortlich dafür, dass in jedem Kuchen ein Königsfigürchen steckt.

Das Rezept aus Lommiswil führt zu den umsatzstärksten Tagen im Geschäftsjahr der Bäckerei in Selzach. «Wenn es ‹Bänze› gibt, geht es jeweils auch ‹strub› und her», erzählt Erich Dubach. «Das ist aber nichts im Vergleich zum Dreikönigstag.»

Während des Gesprächs klingelt das Telefon immer wieder. Marlies Dubach wird es wohl das ganze Wochenende bedienen. «Ein senkrechter Start ins neue Jahr», sagt sie. Auch am Dienstagabend wird es noch zu tun geben. Der Kuchen ist eine klebrige Angelegenheit – entsprechend klebt es nach getaner Arbeit auch in der Backstube.

In den vergangenen Jahren seien jeweils 80 Prozent der Kuchen vorbestellt worden, sagt Marlies Dubach, nachdem sie das Telefon ein weiteres Mal auflegt. So kommt es in Selzach nicht mehr zu denselben, ellenlangen Schlangen wie vor den Türen der damaligen Bäckerei in Lommiswil. Es kann aber trotzdem vorkommen, dass die Kundschaft anstehen muss. Und: Wer ihn nicht im Voraus reserviere, habe keine Garantie, noch einen «Lommiswiler Dreikönigskuchen» zu erwischen.

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