Naturheilmittel

Erzählrunde zum Thema Gesundheit auf dem Museumsgelände beim Turm von Halten

In der Erzählrunde sprechen Senioren über Heilpflanzen.

In der Erzählrunde sprechen Senioren über Heilpflanzen.

Seniorinnen und Senioren erzählen von Wunderheilmitteln aus ihrer Vergangenheit. Dabei wurden über die verschiedenen Naturheilmitteln gesprochen, die ihnen zu Genesung geholfen haben.

Die Antworten kamen spontan auf die Frage nach zentralen Hausmittelchen: Lindenblüten, Holunder, Kamille, Wacholder, «Zytröseli», «Chäslichrut», Biberister Salbe, Honig, Lebertran. 24 Seniorinnen und Senioren erinnerten sich lebhaft an frühere Zeiten und lauschten gespannt den Fragen der Moderatorin Claudia Sollberger. Sie hatte zusammen mit Pia Imbach die zweite Erzählrunde zum Thema Gesundheit auf dem Museumsgelände in Halten organisiert. Eines zeigte sich klar, der Besuch des Hausarztes wurde lange hinausgezögert, aber – man durfte noch krank sein. Angewendet wurden einfache Naturmittel, ob umwickelt, eingestrichen, eingenommen oder zum Desinfizieren. Wickel mit Zwiebeln, Kartoffeln, Essig, Anken, Hundsschmalz waren gängige Mittel bei Halsweh, Kopfweh, Husten. Ein Anwesender schilderte die Wirksamkeit des Sauerkrauts, welches ihm seine Mutter bei Unwohlsein kochte. Ein Herr erzählte, dass seine Tante ihre Rheumaschmerzen mit Farn linderte.

Schnaps als Allerweltsmittel

Dabei sorgten humorvolle Geschichten für Schmunzeln und Gelächter. Ein Herr berichtete, dass er wegen der gedämpften Zwiebeln, die ihm seine Mutter bei Kopfweh auf die Stirn gebunden habe, in der Folge nicht einmal mehr die Zwiebelschweize auf der Bratwurst essen konnte. «Aber gewirkt haben sie immer», hielt er fest. Eine Lehrerin erzählte, dass einem Buben im Klassenlager wegen Unwohlseins Zuckerchen mit Schnaps gereicht wurde. Im Handumdrehen habe plötzlich die ganze Klasse über Unwohlsein geklagt. «Bätzi war ein Allerweltsmittel», bestätigte ein 89-jähriger Senior. Der ehemalige Hausarzt, Max Schreier von Kriegstetten, erwähnte, wie er einmal einen Patienten wegen Alkoholvergiftung ins Spital einweisen musste. Dieser habe, anstatt seine Zahnlücke nur zu spülen, den Schnaps jedes Mal hinuntergeschluckt. «Nelkenköpfchen helfen bei Zahnweh», riet darauf eine ehemalige Arztgehilfin. 

Am Samstag ins Badehaus

Zur Sprache kam auch die gesunde Ernährung. «Früher ass man, was man hatte, von Vitaminpräparaten wussten wir nichts», sagte eine Frau. «Das wäre heute noch das Gesündeste», erwiderte prompt ein Herr. Die Hygiene angesprochen, erzählten die Anwesenden vom öffentlichen Badehaus, – mangels fliessenden Wassers zu Hause – das jedoch höchstens einmal pro Woche besucht wurde. Sie erwähnten die Toilette über dem Jaucheloch, wo Telefonbücher, Stimmzettel und Zeitungen anstelle von WC-Papier auflagen.

Die Anwesenden veranschaulichten auch Erinnerungen mit dem Tod. Ganz normal sei es gewesen, die Verstorbenen zu Hause aufzubahren. «Zahlreiche Leute sind zum Kondolieren erschienen. Man betete gemeinsam und spendete Weihwasser, es war ein natürliches, positives Abschiednehmen», hielt eine Frau fest, die in einem kleinen Wasserämter Dorf aufgewachsen ist. Mit Ross und Wagen sei der Leichnam im Haus abgeholt worden, und dem Leichenzug hätten sich Personen aus dem ganzen Dorf angeschlossen.

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