«Die Ortsplanung legt die Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwicklung fest» erklärt Raumplanerin Susanne Asperger. Dies sei aber nicht nur ein rein fachlicher Aspekt, sondern zu einem grossen Bestandteil auch ein politischer Akt. Denn es gebe nicht nur eine richtige Lösung. Vielmehr existiere eine ganze Platte an möglichen Lösungen. Von seinem Mitwirkungsrecht bei der Ortsplanungsrevision machte der Biberister Gemeinderat denn auch ausgiebig Gebrauch, sodass vorgängig eine ganze Reihe an Fragen von den Fraktionen eingegangen sind.

Durchgrünung gewünscht

Diskussionsbedarf lieferte beispielsweise die Umgebungsgestaltung in den Wohnzonen. So ist etwa eine starke Durchgrünung mit standortheimischen, regionstypischen Bäumen und Sträuchern anzustreben. Um dies zu erreichen, sieht das Zonenreglement vor, dass bei Neubauten oder wesentlichen Umbauten pro 250 Quadratmeter Grundstücksfläche mindestens ein hoch- oder mittelstämmiger Baum zu pflanzen sei. Damit soll dem vorherrschenden Trend – Steingärten ohne einen einzigen Grashalm – entgegenwirkt werden. «Es ist ein Versuch einen gewissen Anteil an Grün im Dorf zu behalten», sagt Uriel Kramer, Präsident Baukommission Biberist. Asperger erklärte zudem, dass die Bäume gemäss alten Aufzeichnungen früher ein typisches Merkmal von Biberist gewesen seien. Gegen das Vorhaben regte sich allerdings Widerstand vonseiten der SVP. Woraufhin diese den Antrag stellte, dass pro 500 Quadratmeter ein Baum gepflanzt werden muss. Markus Dick sieht insbesondere in der Vorgabe, verdichtet zu bauen und der Weisung, alle 250 Quadratmeter einen Baum zu pflanzen, einen klaren Widerspruch. Albert Wittwer (CVP) wiederum beantragte eine Bepflanzung pro 300 Quadratmetern. Zvezdan Sataric (SVP) schliesslich stellte eine Kompromisslösung vor: Bis 250 Quadratmeter sollen keine Vorgaben gemacht werden und erst ab dann soll in 250er-Schritten verfahren werden. Die beiden anderen Anträge wurden daraufhin zurückgezogen und der Vorschlag von Sataric schliesslich mit 7 zu 4 Stimmen angenommen. Auch der Anpflanzung von nicht heimischem Gewächs wurde ein Riegel vorgeschoben – allerdings nur, wenn es sich um eine invasive Art handelt. «Niemand muss Angst um seine Palme im Garten haben», beschwichtigt Kramer.

Eine grössere Diskussion löste zudem das Biberena-Areal aus. Dieses ist zukünftig als Standort eines möglichen Vorzeigeprojektes für Biberist vorgesehen. Um diesem Umstand auch in energiepolitischer Sicht gerecht zu werden, sollen die dortigen Gebäude das von der Gesetzgebung geforderte Mass an Energieeffizienz um 100 Prozent überschreiten. Ein Antrag der SVP, auf diese einschränkenden Massnahmen zu verzichten, wurde mit vier zu sechs Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt. Gegen den Willen der Ratslinken wurde hingegen die Vorgabe abgeschwächt, dass alle Autoabstellplätze unterirdisch zu realisieren seien. Durch die neue Formulierung, dass die Autoabstellplätze grundsätzlich unterirdisch zu realisieren seien, wird den zukünftigen Besitzern ein wenig mehr Spielraum eingeräumt.
Vonseiten der Bevölkerung sind rund 60 Einzonungsbegehren bei der Bauverwaltung eingegangen. Diese sind nicht alle frisch eingereicht worden, wie Asperger erklärte, sondern von der Bauverwaltung in den vergangenen Jahren gesammelt worden. Grund dafür ist, dass Einzonungsbegehren eigentlich nur im Rahmen einer Ortsplanung angegangen werden. Grundsätzlich sind Umzonungen, aufgrund des neuen Raumplanungsgesetzes sowie des kantonalen Richtplanes, nur noch stark eingeschränkt realisierbar. «Es sind nur noch Einzonungen möglich, die in einem übergeordneten Interesse sind.»

Nur überregionale Begehren

Das bedeutet konkret, dass sie im Richtplan aufgezeigt worden sein müssen. Als solches zählt beispielsweise das Schwerzimoos. Da das Gebiet im kantonalen Richtplan festgehalten ist, wurden rund 2.5 Hektare neu zur Bauzone hinzugefügt. Im Gegensatz dazu steht das Fällimoos, welches nach heutigem Stand nicht für Einzonungen in Frage kommt. Auch Einzonungsbegehren von Landwirtschafts- oder Reserveland konnten praktisch nicht berücksichtigt werden, da die Kompensationsgrundlage dafür fehlt. Grundsätzlich aufgenommen wurden aber Begehren um Abtretungen von Strassen sowie Umzonungen von Gewerbezonen in Wohnzonen.
In zwei Wochen befasst sich der Gemeinderat in einer zweiten Lesung mit dem Erschliessungs- sowie dem Gesamtplan. Weiter wird dann auch das Papieri-Areal zusammen mit Vertretern der HIAG im Rat thematisiert werden.