Recherswil

Erhöhte Gefahr für Schüler – doch Tempo 60 statt 80 will der Kanton nicht

Auf der Tempo-80-Strecke weist ein Schild auf den Schulweg hin, auf dem im Hintergrund Schülerinnen und Schüler die Strasse kreuzen.

Auf der Tempo-80-Strecke weist ein Schild auf den Schulweg hin, auf dem im Hintergrund Schülerinnen und Schüler die Strasse kreuzen.

Eine dauerhafte Geschwindigkeitsreduktion auf der Gerlafingenstrasse in Recherswil könnte ein Präjudiz sein.

In Recherswil sei er «etwas» als Querulant verschrien, sagt Willy von Ins über sich. Deshalb möchte er nicht zu sehr in den Vordergrund treten. Aber sein Anliegen hat es durchaus in sich. Auch der Gemeinderat hat das Thema schon in seinem Sinne behandelt. Dabei geht es um die gut einen Kilometer lange Kantonsstrasse zwischen Obergerlafingen und Recherswil. Die Verbindung quert mit einer Brücke die Autobahn. In Recherswil heisst die Strasse Gerlafingenstrasse.

Temporeduktion wegen Umleitung

Als in Gerlafingen die Strasse nach Kriegstetten saniert wurde, wurde der Verkehr teilweise über die Gerlafingenstrasse in Recherswil umgeleitet. Dabei wurde weit vor Recherswil, beim Grüttbach, die Höchstgeschwindigkeit von 80 auf 60 Kilometer pro Stunde herabgesetzt. «Dies hatte den angenehmen Effekt, dass die Fahrzeuge bei der Ortseinfahrt die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Kilometer grösstenteils einhielten», erklärt Willy von Ins.

Zudem hat es auf diesem Abschnitt fünf Ein- und Ausfahrten, darunter auch den Schulweg von Obergerlafingen und Recherswil zum Oberstufenzentrum in Gerlafingen. Der Gemeinderat hat ebenfalls eine verkehrsberuhigende Wirkung bemerkt und den Antrag ans Amt für Verkehr und Tiefbau gestellt, Tempo 60 statt Tempo 80 in diesem Abschnitt definitiv einzuführen, denn die Schülerinnen und Schüler seien wieder einer erhöhten Gefahr ausgesetzt. Gemeindepräsident Hardy Jäggi erklärt dazu: «Wir haben im Gemeinderat gesagt, dass es nicht negativ wäre, wenn auf dem Abschnitt, der von den Schülerinnen und Schülern genutzt wird, Tempo 60 definitiv eingeführt würde.»

«Die Strasse ist breit und übersichtlich»

Doch die Kantonale Verkehrskommission hat das Begehren für eine dauerhafte Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit abgelehnt. Grundsätzlich werde einer Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit nur zugestimmt, wenn das Erscheinungsbild der Strasse dies rechtfertige. Das treffe aber nicht zu. «Die Strasse ist breit und übersichtlich», so die Erwägungen. Die Strasse ist pro Richtung 4 Meter breit, inklusive einem Radstreifen von 1,25 Meter Breite.

Auch die Unfallstatistik zeige keine Anhaltspunkte, die eine Reduktion rechtfertige. In den letzten fünf Jahren bis Ende 2018 ereigneten sich fünf Unfälle. «Es waren keine Velofahrer oder Kinder involviert.» Ein Selbstunfall auf dieser Strecke dürfte den Dorfbewohnern noch in Erinnerung sein, weil der Autolenker tödlich verunfallte. Dabei kam der Lenker von der Fahrbahn ab und fuhr über die Gegenfahrbahn in die Böschung. Doch der Lenker hatte ein akutes, gesundheitliches Problem, das jederzeit, überall auftreten kann.

«Weitere Begehren könnten folgen»

Weiter erwog die Verkehrskommission bei der Diskussion des Antrags von Recherswil, dass die Genehmigung für eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit ein Präjudizfall wäre, da in vielen Gemeinden ähnliche Situationen bestünden. «Weitere Begehren könnten folgen», so der Protokollauszug der Sitzung.

Willy von Ins hat als besorgter Bürger, wie er schreibt, Anfang August ebenfalls einen Antrag beim Kanton gestellt. Aber auch er erhielt eine Absage. «Wir halten an diesem Entscheid fest», so die Antwort. An der nächsten Sitzung wird der Gemeinderat von Recherswil die Antwort des Kantons zur Kenntnis nehmen. Da es sich um eine Kantonsstrasse handelt, wird der Gemeinderat kaum weiter insistieren.

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