Gerlafingen

Erfrischend an jedem Trend vorbei: Der Rockabilly Stomp brachte urchigen Rock ’n’ Roll

Der 12. Rockabilly Stomp Gerlafingen wurde trotz starker Einschränkungen durch die Behörden zu einem schönen Fest. Das Festival Rockabilly ist Ausdruck des amerikanischen Lebensstils der 1950er-Jahren, wie es dessen Veranstalter beschreibt.

Am Rockabilly Stomp Festival auf der Lichtung beim Pfadiheim Gerlafingen dürfen starke Männer mit Grease in den Haaren ihre Frauen führen und herumwirbeln, bis die Pettycoats im Kreis durch die Luft fliegen. Der DJ legt Platten aus Vinyl auf, ebenso, wie es früher war. Und wenn hier auf dem Rücken einer Lederjacke die Südstaatenflagge aufgenäht ist, dann ist das Ausdruck eines Lebensgefühls und keiner denkt dabei etwas Schlechtes. Zelebriert wird eine längst vergangene Epoche, erfrischend weit von jedem aktuellen Trend entfernt. «Rockabilly ist Ausdruck der Lebensfreude und des amerikanischen Lebensstils in den 1950er-Jahren», beschreibt Veranstalter Dominic Scheidegger das Feeling, das der «Stomp» vermittelt. «Damals waren alle optimistisch und lebten den amerikanischen Traum.» Derzeit erleben alle Events aber einen Albtraum. Angesichts der Coronakrise und einer Beschränkung auf 300 Besucher kann man finanziell eigentlich nicht auf einen grünen Zweig kommen. Doch Scheidegger ist und bleibt ein Optimist: «Das Ziel ist eine schwarze Null.» Dieses Fest ist keinesfalls eine andere Art Fasnacht, an die man verkleidet geht. Das beweist Beatrix Fahrni, die Coiffeuse aus Recherswil, die am «Stomp» eine Frisur nach der anderen in Schwung bringt. Man trifft sie auch an ganz gewöhnlichen Tagen gekleidet in diesem Stil des frühen Rock ’n’ Rolls. Und auch die vielen ZZ-Top-Bärte, die zur Schau getragen wurden, wachsen nicht über Nacht. Diese sind Ausdruck einer jahrelangen Hinwendung zur charakterbetonenden Gesichtsbehaarung.

Rockabilly Musik, aber nicht aus den USA

Geradliniger Rockabilly, urchiger Rock ’n’ Roll der Vorväter, unverwüstliche Blues-Akkorde gespielt von Musikern, die ihr Handwerk verstehen. Zwar konnte Hauptact Arsen Roulette aus den USA wegen der Coronakrise – die Flugtickets waren schon bezahlt – nicht anreisen, aber dafür sorgten Bands aus dem Schwarzwald, aus Portugal, Spanien, Frankreich, England und Österreich für verschiedene Variationen derselben Musikleidenschaft.

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