Roth Gerüste AG
Erfolgsgeschichte: In 60 Jahren vom Kleinbetrieb zur «Nummer Eins»

Die vor 60 Jahren gegründete Roth Gerüste AG hat sich vom Kleinbetrieb zum schweizweit grössten Gerüstbauer entwickelt – an 18 Standorten erwirtschaften 470 Angestellte einen Umsatz von über 100 Millionen Franken.

Franz Schaible
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Eine saubere Sache die von der Firma Roth Gerüste AG eingerüstete Kantonsschule Olten.

Eine saubere Sache die von der Firma Roth Gerüste AG eingerüstete Kantonsschule Olten.

Zur Verfügung gestellt

«Wir sind ein reiner Dienstleister. Von uns bleibt nach Abschluss eines Bauprojektes nur die hoffentlich gute Erinnerung zurück.» Walter Fankhauser lacht und sagt weiter: «Daran lassen wir uns mit unseren Konkurrenten messen.» Der 59-Jährige leitet seit 22 Jahren die Roth Gerüste AG mit Hauptsitz in Gerlafingen. In dieser Zeit hat sich das vor 60 Jahren gegründete Unternehmen stark entwickelt. Nach seinen Angaben hat sich der Umsatz auf über 100 Millionen Franken vervierfacht, der Personalbestand auf 470 Mitarbeitende mehr als verdoppelt.

Walter Fankhauser, Geschäftsleiter: «Die Sicherheit ist fundamentaler Bestandteil unserer Dienstleistung»

Walter Fankhauser, Geschäftsleiter: «Die Sicherheit ist fundamentaler Bestandteil unserer Dienstleistung»

Hansjörg Sahli

Ausser im Tessin ist die Firma schweizweit tätig. Neben dem Hauptsitz am Gründungsort Gerlafingen betreibt die Roth Gerüste AG 17 Standorte. Das eingesetzte Gerüstmaterial reicht aus, um drei Millionen Quadratmeter Fassaden einzurüsten. «Wir sind heute mit einem geschätzten Marktanteil von 13 bis 15 Prozent die klare Nummer Eins in der Schweiz», hält Fankhauser nicht ohne Stolz fest.

Von Genf bis St. Gallen

So überrascht es denn auch nicht, dass auf Baustellen der Firmenschriftzug Roth Gerüste – weiss auf rot – quer durch die Deutsch- und Westschweiz zu lesen ist. Dies auch, weil das Unternehmen nicht etwa nur auf Grossprojekte ausgerichtet ist, sondern die Palette vom einfachen Wohnhaus bis zur Grossüberbauung reicht, vom Fassadengerüst bis zur Sanierung von Autobahnbrücken. Das Leistungsspektrum, so Fankhauser, umfasst die Montage, die Vermietung und Planung von Fassadengerüsten, temporären Überdachungen, Hängegerüsten bis hin zu Bühnen und Tribünen und weiteren temporären Bauten. In Zahlen heisst das: «Das Auftragsvolumen je Projekt bewegt sich von 3000 Franken bis auf über eine Million Franken.» Im Durchschnitt kostet ein Auftrag 10'000 Franken.

Entsprechend lang ist die Referenzliste. Ob bei der Sanierung des Landesmuseums in Zürich, des Umbaus des Bürgenstocks in ein Luxus-Resort, bei Grossüberbauungen in Genf oder bei einem spektakuläres Gipfelgebäude auf dem Chäserrugg (Churfirsten) – die Roth Gerüste AG war der Gerüstbauer. Ein anspruchsvoller Auftrag läuft derzeit im Neubau der Biotechfirma Biogen in Luterbach, wo unter der amerikanischen Projektleitung extrem hohe Sicherheitsstandards eingehalten werden müssen. «Für den komplexen Innenausbau sind flexible, sofort umrüstbare Gerüste gefragt», berichtet Fankhauser. Der Gerüstbauer ist ständig mit gut 50 Mitarbeitenden vor Ort.

Das Management ist beteiligt

Den Grundstein für das heutige Unternehmen Roth Gerüste AG legte 1958 Wolfgang Roth. Er startete in Gerlafingen einen Malerbetrieb, welchen er später mit dem Gerüstbau ergänzte. Das ehemalige Kleinstunternehmen wuchs bis Anfang der 90er Jahre rasch an, bis der boomende Wohnungsbau national in einen Immobiliencrash führte. Das Unternehmen geriet in finanzielle Turbulenzen. Die Firma wurde aufgesplittet in eine Roth Malerei AG (heute die Roth-Gruppe) und die Roth Gerüste AG. Letztere wurde 1993 vom deutschen Baudienstleister Plettac übernommen. Nach dessen Insolvenz gelangte die Roth Gerüste AG 2003 wieder in Schweizer Besitz. 2015 hat die Baarer Beteiligungsgesellschaft Keystone Constructions AG als Ankeraktionär die Mehrheit übernommen. Die Minderheit wird vom Management der Roth Gerüste AG gehalten. (FS)

«Sicherheit ist fundamental»

Die Firma bezieht ihr Gerüstmaterial aus Stahl und Aluminium ausschliesslich von drei Produzenten in Deutschland. «Es ist die beste Qualität», sagt Fankhauser. Das Gerüstmaterial sei zwar etwas leichter geworden. Aber im Vergleich zu einer Hightech-Branche seien die Veränderungen am «Rohstoff Gerüstteile» eher marginal. Derweil steht die Branche vor Umwälzungen. «Die Robotik wird auch in der Baubranche Einzug halten, und zwar zuerst dort, wo die Arbeit unattraktiv, gefährlich und schmutzig ist», ist Fankhauser überzeugt.
Die Qualität des eingesetzten Materials sei sehr wichtig, um ein sicheres, zuverlässiges und effizientes Gerüst für die Benutzer aufzustellen. «Noch entscheidender sind aber die Mitarbeitenden, welche das Gerüst bauen», wie Fankhauser betont. Deshalb investiere das Unternehmen sehr viel in die permanente Schulung und Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden, insbesondere bezüglich Sicherheit auf dem Bau. «Die Sicherheit ist fundamentaler Bestandteil unserer Dienstleistung.» Das Unternehmen sei als einziger Schweizer Anbieter nach dem europäischen Sicherheitsmanagementsystem (OHSAS 18001) zertifiziert. Zum Thema Sicherheit zählt auch die Ausbildung junger Berufsleute. «Wir bilden innerhalb der Gruppe derzeit 24 Lernende zu Gerüstbauer und Kaufleuten aus.» Mit der Ausbildung will das Unternehmen auch das teilweise vorherrschende schlechte Image der Branche verbessern. Dazu brauche es einen sauberen, korrekten Auftritt auf den Baustellen verbunden mit hoher Qualität und Dienstleistungsbereitschaft. «Daran arbeiten wir stetig.»

Optimistischer Ausblick

Dank des Baubooms in vergangenen Jahren sei die Roth Gerüste AG geschäftlich gut unterwegs. Und daran werde sich vorerst nichts ändern, gibt sich Fankhauser optimistisch. Der Wohnungsbau bleibe ein Treiber, von der Zinsfront komme wenig Gefahr. «Wir gehen deshalb nicht von einem raschen Einbruch des Wohnungsmarktes aus.» Der Bau sei ein lokaler Markt, die Regionen entwickelten sich unterschiedlich. Auch das Volumen im Industriebau sei angesichts der konjunkturellen Erholung nach einer Flaute tendenziell wieder am Steigen. 70 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Wohnungsbau, 30 Prozent auf den Wirtschafts- und Tiefbau. Problematischer sei die Entwicklung der Marge, welche mit dem Volumen nicht schritthalten könne. Die hohe Anzahl an Gerüstbaufirmen führe zu einem stetigen Preisdruck. Fankhauser spricht von «einer tiefen Eintrittsschwelle in den Markt». Heute könne jeder Gerüstbau anbieten – auch ohne Ausbildung.

Der erwähnte Firmenschriftzug auf den Gerüstbrettern ist ergänzt mit dem Slogan «wenn Schönes entsteht». Für Walter Fankhauser zählt auch das Gerüst dazu. Kann ein Baugerüst denn ästhetisch sein? «Ja», sagt er ohne Umschweife. «Ein gut montiertes Gerüst kommt optisch schön daher.» Selbst ein Laie sehe sofort, ob ein Gerüst einen zuverlässigen, vertrauenswürdigen und sauberen Eindruck macht oder nicht. «Ich bin ein Ästhet und auch ein wenig eitel», sagt er schmunzelnd. Deshalb sei der Auftritt des Unternehmens und der Mitarbeitenden Teil der Firmenphilosophie. «Wir können uns damit auch von den Mitbewerbern differenzieren.»