Schülertransporte

Erfolgreiche Petition: Kanton finanziert Zusatzbusse für Bucheggberger Schüler

Der Postbus unterwegs im Bucheggberg.

Der Postbus unterwegs im Bucheggberg.

Der Druck von über 600 Petitionsunterzeichnern und des Schulverbandes Bucheggberg in Sachen Schülertransporte bringt Erfolg. Der Kanton will die Kosten für bis zu den Sommerferien benötigte Zusatzbusse übernehmen. Ab Montag können alle Schüler zur Schule.

Vor fünf Tagen, am Samstag um Mitternacht, startete Lorenz Probst auf Anregung betroffener Eltern die Petition «Schluss mit ÖV für Primarschüler im Bucheggberg». Am Montagmorgen um 7.30 Uhr war das Ziel mit 500 Unterschriften erreicht. Die Unterschriftenlisten wurde am Dienstag in den Kanzleien der Regierungsräte Ankli und Fürst abgegeben. Am Mittwoch Nachmittag waren es bereits 666 Unterschriften – die Zustimmung wächst weiter. Das Thema brennt unter den Nägeln.

Der Transport der Schülerinnen und Schüler an die verschiedenen Schulstandorte ist im Bucheggberg seit Jahren ein Thema. Mit der Coronakrise hat sich die Problematik verschärft. Zu normalen Zeiten haben nicht alle Schüler einen Sitzplatz mit Gurt, zu gross ist das Gedränge. Dann fahren die Busse mit grosser Geschwindigkeit durch den Bucheggberg und transportieren die Schüler zu den Schulen und manche Eltern bangen zu Hause und hoffen, dass nichts passiert. Die IG Schülertransporte, in deren Namen Probst die Petition lancierte, malt in ihren Erklärungstexten zur Petition den Schrecken an die Wand, wenn sie auf einen TCS-Crash-Test hinweist, der die fatalen Folgen bei einem Busunfall und nicht angeschnallten Passagieren zeigt.

Die Petition fordert, dass der Schülertransport im Schulverband Bucheggberg bis mindestens Ende Primarschulzeit nicht via öffentlichen Verkehr, sondern mit Schulbussen, in denen es nach geltenden eidgenössischen Vorschriften für jedes Kind einen Sitzplatz mit Gurt haben muss, erfolgen soll. «Auch künftig und nach Corona», so der Petitionstext.

Einen Teil der Schüler ins Homeschooling verbannt

Der Schulverband diskutiert seit Jahren dieses Thema, wie Präsidentin Verena Meyer erklärt. Im Hinblick auf die Wiederaufnahme der Schule mit Präsenzunterricht habe das Krisenteam dem Regierungsrat Mitte April geschrieben: «Bitte, denkt beim Ausarbeiten von Schutzkonzepten an den Schülertransport der Kreisschulen.» Dies sei zur Kenntnis genommen worden, so Meyer. Aber zum Schulstart am 11. Mai gab es noch keine befriedigende Lösung, weshalb der Schulverband die Kindergartenkinder, die 5.- und 6.-Klässler sowie die 9.-Klässler weiterhin ins Homeschooling verbannte. Für die IG Schülertransporte ein «No-Go». «Einem Teil der Schüler wird der Präsenzunterricht verwehrt, das ist nicht in Ordnung», sagt Lorenz Probst.

Aber schon nächsten Montag soll es nun klappen, wie der Schulverband auf seiner Website schreibt. Die Bemühungen des Krisenteams, in Gesprächen mit den Regierungsräten Remo Ankli und Roland Fürst eine Lösung zu finden, haben Früchte getragen. Laut Berechnungen des Schulverbandes kostet der Mehraufwand für Zusatzbusse, um allen Schülern einen Sitzplatz mit Gurt zu garantieren, bis in die Sommerferien 250'000 Franken. Eigentlich sind sich Behörden und Eltern einig, dass dieser Mehraufwand vom Kanton übernommen werden müsste.

Am Dienstag gab der Kanton dann seine Zustimmung. «Der Kanton will auch nicht, so denke ich, dass nur ein Teil der Schüler Präsenzunterricht geniesst. Gestern haben wir die Eltern informiert, und ich habe bereits mit Transportunternehmen an Verträgen gearbeitet. Abgerechnet wird nach effektiven Leistungen. Das macht Sinn, denn zwischendurch gibt es auch Feiertage», erklärt Meyer.

Zusatzbusse kosten jährlich über 1 Million Franken

Wie der Schülertransport dann nach den Sommerferien aussehen wird, soll noch ausgehandelt werden. «Es gibt wahrscheinlich nochmals eine andere Lösung.» Und für das Jahr 2021 will der Schulverband in Verhandlungen mit dem Kanton und dem Transporteur (Post) die Sache ganzheitlich anschauen. Stimmen die Berechnungen, dann müssten 1 bis 1,25 Mio. Franken Zusatzkosten finanziert werden. «Wir wollen nicht, wie die Petitionäre, dass reine Schulbusse eingesetzt werden. Unser Ziel ist es nach wie vor, mit dem öffentlichen Verkehr den Schülertransport abzuwickeln», sagt Verena Meyer. Sie ist der Meinung, dass die Finanzierung von reinen Schulbussen problematisch ist und auch der ÖV im Bucheggberg zum Erliegen kommt. Sie hofft deshalb, dass sich die IG Schülertransporte flexibel zeigt und nicht auf den Petitionstext beharrt.

Lorenz Probst weist darauf hin, dass die Petition nur reine Schulbusse für die Primarschüler (inklusive Kindergartenkinder) fordert. «Schüler der Sekundarstufe 1 sollen weiterhin den öffentlichen Verkehr nutzen.» Er sehe die Petition nicht als Killer des ÖV im Bucheggberg, wie manche behaupten würden. «Die Schulkinder sind der Hauptgrund, dass wir ÖV haben, der vom Kanton finanziert wird. Das darf nicht missbraucht werden.»

Aber er schöpfe nun ebenfalls Hoffnung, dass der Kanton einlenkt und den Schülertransport im Sinne der IG löst, mit genügend Bussen, die jedem Kind (erster Kindergarten bis 6. Klasse) einen Sitzplatz mit Gurt garantiert. «Unsere Petition soll eigentlich dem Schulverband den Rücken stärken in seinen Verhandlungen mit dem Kanton.» Wenn der ÖV genügend Sitzplätze für alle anbietet, dann sei die Forderung der Petition in seinen Augen erfüllt.

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