Kunst

Er spezialisierte sich auf Figuren junger Mädchen: «Warum sollte ich etwas anderes machen?»

Der in Gerlafingen aufgewachsene Künstler Heinz Schwarz (1920–1994) würde heute seinen 100. Geburtstag feiern. Seine Karriere startete er mit einem Atelier in Genf. Noch heute sind seine Werke im Raum Solothurn zu sehen.

«Ich bin 1920 geboren, in Gerlafingen bei Solothurn aufgewachsen, seit 1943 in Genf wohnhaft. Ich mache fast ausschliesslich Figuren von jungen Mädchen. Es gibt Leute, die das nicht sehr aktuell finden, andere, dass das mit Kunst nichts mehr zu tun habe. Mir gefällt es, warum sollte ich etwas anderes machen?», schreibt Heinz Schwarz 1976 in der Zeitschrift der Gesellschaft Schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten GSMBA. Heute wäre Heinz Schwarz 100 Jahre alt geworden.

Der Bildhauer, Zeichner und Maler gilt als Solothurner Künstler, auch wenn er im Alter von 23 Jahren Gerlafingen verlassen hat. Die Verbindung zu Solothurn hat er zeitlebens aufrechterhalten. Regelmässig nahm er an der Weihnachtsausstellung des Kunstvereins teil, und er pflegte Freundschaften und Briefwechsel, die bis heute Zeugnis seiner Person ablegen.

Start mit einem Atelier in Genf

Als Sechsjähriger zieht Schwarz mit seiner Familie von Arbon nach Gerlafingen. Er ist das älteste von fünf Kindern, sein Vater Ernst ist als Arbeiter in der Von Roll tätig. Nach der Schulzeit in Gerlafingen beginnt er 1936 eine Lehre als Lithograf in Aarau. Bereits in dieser Zeit ist die Malerei in seinem Leben präsent. Später wechselt er vom Steinzeichnen zum Steinhauen. Noch während des Zweiten Weltkriegs zieht ihn die Bildhauerei nach Genf. «1943, zwischen zwei Einsätzen im Militärdienst, mietete ich eine Arkade am Boulevard Carl-Vogt in Genf, um Skulpturen zu machen», schreibt Schwarz rückblickend über diese Zeit. Und weiter: «Was für hoffnungsvolle Jahre!» Nach einem Praktikum im selben Jahr bei Karl Geiser in Zürich, das er selber später als Fehler beurteilen wird, kehrt er nach Genf zurück.

Jahre des Zweifelns und Hoffens

«Die Stadt scheint eine Faszination auf ihn ausgeübt zu haben», sagt Anna Bürkli, Registrarin im Kunstmuseum Solothurn. Anlässlich seines 100. Geburtstages ist ihm dort mit einer Ausstellung eine Hommage gewidmet. Genf, wo zwanzig Jahre zuvor der junge Alberto Giacometti für eine kurze Zeit Bildhauerkunst studierte, mag zu dieser Zeit als kleines Paris gegolten haben. Nach dem Krieg folgen für Schwarz Reisen nach Italien, genauer Florenz, Orvieto, Rom und Pompeji, Frankreich und Ägypten. 1948, während eines Paris-Aufenthalts, entdeckt er voller Enthusiasmus, was er nur aus Büchern gekannt habe, schreibt er 1982 im Ausstellungskatalog des Musée des Beaux-Arts in Neuchâtel: bedeutende Werke der Kunstgeschichte.

1950 bis 1960 seien für ihn dann Jahre «des Zweifels und der Hoffnung» gewesen. Es war aber auch die Zeit der eidgenössischen Preise, der Auszeichnungen und Stipendien. «Der Kunstverein Solothurn kauft bereits 1951 die Zeichnung «Gizeh» an, die der Künstler im selben Jahr auf seiner Reise nach Ägypten angefertigt hat, sowie weitere Werke im Verlaufe der 1950er-Jahre», sagt Bürkli. 1958 wird er für das Bild «Die Strasse» (1957) mit dem Genfer Prix Calame ausgezeichnet. Der Kunstverein Solothurn erwirbt es im gleichen Jahr.

In Gottfried Wyss einen Freund gefunden

In Genf lebt und arbeitet Schwarz zu dieser Zeit in einem Haus mit grossem, verwildertem Garten und vielen Bäumen darin. Auch im französischen Châteauneuf-Grasse, zwischen Nizza und Cannes gelegen, hatte Schwarz laut seinem Grossneffen Hans Schwarz ein Haus, in dem er gern malte.

So sind denn Schwarz’ Bilder vorwiegend Landschaften im mediterranen Licht jener Gegend. Bis 1968 arbeitet er im ehemaligen Atelier von Max Weber, an der «Rue du Stand». Von da an entstehen die feingliedrigen Mädchen seines Spätwerks, die als Titel den Namen des jeweiligen Modells tragen. Eine solche Bronze stand auch im Garten seines Freundes Toni Brechbühl, Grenchner Galerist und Kunstförderer (1920–2018). «Heinz Schwarz war weit he-rum bekannt, persönlich aber hat er sich ungreifbar gemacht», erinnert sich Arnold Bader aus Leuzigen, der damals eng mit Brechbühl zusammenarbeitete.

Aufschlussreich ist die Brieffreundschaft zu alt Regierungsrat Gottfried Wyss. Es sind künstlerische Themen, die er in seinen Briefen reflektiert, wie etwa Authentizität oder ganz praktisch die Entstehung eines Katalogs, aber auch ganz persönliche und menschliche. So schreibt er in einem undatierten Brief an Wyss, der sich heute in dessen Teilnachlass in der Zentralbibliothek Solothurn befindet: «Gottlob habe ich einen Freund in Dir, mit dem ich mich nicht genieren muss.»

Dass sich sein künstlerisches Schaffen entgegen dem Strom der Zeit entwickelt, war dem Autodidakten Schwarz bewusst. So schreibt er in einem weiteren Brief (ZB Solothurn) an Wyss: «Du weisst ja, wie sehr ich in den letzten Jahren, dadurch, dass ich fortfahre, eine Plastik zu machen, die auch Uneingeweihte und einfache Leute erfreuen kann, in Ungnade und Misskredit bei ‹kompetenten Personen› geraten bin.»

Seine Statuen im öffentlichen Raum

Heute sind Werke von Heinz Schwarz beim Solothurner Schulhaus Fegetz, im Hof des Stadtpräsidiums in Solothurn, aber auch vor dem Oberstufenschulhaus Langendorf zu sehen. Eines der grössten Werke im öffentlichen Raum ist «L’adolescent et le cheval» von 1976, das an der Seepromenade in Genf steht. Das bekannteste aber steht unweit davon in der Genfer Altstadt auf der Place du Bourg-de-Four: «Clémentine» von 1974. Sie ist bis heute ein Symbol der Solidarität mit Frauen und Kindern, insbesondere jener Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1