Oberdorf

Er ist Herr über die Wasserversorgung

Seit kurzem wird das Wasser für die Gemeinden Langendorf und Oberdorf zentral vom Pumpwerk Schützenstrasse aus gesteuert. Simon Adam ist dafür zuständig.

Die lang anhaltende Trockenheit im letzten Jahr hat vielerorts Sorgen bereitet. Nicht in Oberdorf. Brunnenmeister Simon Adam konnte auf zuverlässige Quellen zählen. Und auf den Wasserverbund mit den Gemeinden Langendorf und Lommiswil.

Der löchrige Kalk des Juras liesse anderes vermuten. «Es hat Karstquellen, die relativ sensibel auf Niederschläge reagieren, aber unsere Quellen reagieren nur sehr langsam auf das aktuelle Wetter», berichtet Brunnenmeister Simon Adam.

So liefere eine Quelle noch gleich viel Wasser wie im letzten Oktober, obwohl inzwischen einige Regenfälle zu verzeichnen waren. In der Not hätte der Verbund aber noch eine weitere Möglichkeit, und könnte Wasser von Solothurn beziehen.

Der 46-jährige Adam leitet den Oberdörfer Werkhof. Etwa 25 Stellenprozente wendet er für das Amt des Brunnenmeisters auf. Zusätzlich führt Adam die Brunnenmeisterarbeiten für die Gemeinde Langendorf aus. Dort gehört die Wasserversorgung der Bürgergemeinde.

Zwischen Oberdorf und Langendorf hat sich eine Zusammenarbeit entwickelt. Die Steuerung der beiden Wasserversorgungen wurde zusammengelegt. Im zentralen Pumpwerk Schützenstrasse kann auf zwei Bildschirmen der gesamte Produktionsprozess verfolgt werden. Füllmengen der Reservoire, laufende Qualitätskontrollen oder Störungen sind ablesbar. So misst der Trübungsmesser bei der Quelle Obermatt automatisch die Lichtdurchlässigkeit des Wassers. Bei Regenfällen nimmt das Wasser Mineralien oder Sand auf, die während des Sickerprozesses im Boden herausgefiltert werden. Regnet es stark, kann die Trübung stärker werden. «Hat es mehr Schwemmmaterialien im Wasser, können diese stärker mit Keimen behaftet sein.»

«Qualität muss stimmen»

Die gemeinsame Steuerung hat zur Folge, dass in kritischen Situationen nur noch ein Alarm und nicht wie früher zweimal in den beiden Dörfern erfolgt. Zirka 20 dringende Alarme zählt Simon Adam im Jahr. «Das kann eine Pumpenstörung sein, ein Rohrbruch oder sonst etwas. Mit Langendorf zusammen hat sich das Gebiet verdreifacht. Da müssen wir immer bereit sein.»

Die Belastung steigt, auch die psychische. «Wer am Hahn dreht, erwartet sauberes Wasser. Die Qualität muss stimmen, und das erlaubt keinerlei Kompromisse.» Deshalb sei er auch froh, wenn immer wieder marode Leitungen ersetzt werden. «Und nicht die Augen verschlossen werden, wegen der anfallenden Kosten.» Hier stelle sich ihm eine besondere Herausforderung.

Das höchst gelegene Reservoir

Adam spricht von einer normalen Wasserversorgung für die 1700 Oberdörfer. Aber das täuscht. «Wir überbrücken die grösste Höhe im Kanton, weil wir noch den Weissenstein versorgen», erklärt er. Das höchst gelegene Reservoir, 1350 Meter über Meer auf der Röti, gehört zur Wasserversorgung Oberdorf. Dort wird Wasser für Kurhaus, zwei Berghöfe sowie die Seilbahn gelagert.

Wie ist nun der Weg des Wassers in Oberdorf? Müsste Oberdorf Wasser von Solothurn beziehen, wird die Leitung beim Deltaareal angezapft. Von dort wird das Wasser ins Langendörfer Netz gepumpt und fliesst hoch ins Reservoir Heissacker.

Im freien Gefälle wird das Wasser ins Pumpwerk Schützenstrasse geleitet. Im Pumpwerk erfolgt der Wasseraustausch zwischen dem Netz von Oberdorf und Langendorf. «Heute können wir diesen Wasseraustausch mit der zentralen Steuerung viel genauer managen.»

Seit letztem Juni bezog Oberdorf zirka 20 000 Kubikmeter Wasser von Langendorf. Aktuell liefern die eigenen Quellen wieder genug Wasser für die Eigenversorgung. Vom Pumpwerk wird das Wasser hochgepumpt ins Reservoir Leewald, die untere Zone in Oberdorf, und von dort hoch ins Reservoir Weberhüsli, in die obere Zone von Oberdorf. Hier wird das Wasser nochmals in den Nesselboden und von dort hoch in die Röti
gepumpt.

Wasser von Gänsbrunnen

Im Normalfall fliesst das Wasser von der höchst gelegenen Quelle ins Reservoir Leewald. «Bis Ende Juni können wir diese Quelle nutzen und müssen so kein Wasser pumpen, mit Ausnahme auf den Weissenstein.» Früher wurde eine Quelle im Nesselboden genutzt, die aber qualitativ nicht optimal sei. «Wir haben uns entschieden, statt das Wasser teuer aufzubereiten, gleich eine neue Leitung zu legen.»

Auch der Weg des Lommiswiler Wassers in das Wassernetz von Oberdorf ist speziell. Das Lommiswiler Wasser wird in Gänsbrunnen gefasst, fliesst durch den Tunnel nach Lommiswil, wird dort gefiltert und kann ohne Pumpe auch ins Oberdörfer Reservoir Weberhüsli geführt werden. «So können Pumpkosten gespart werden.»

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