Manchen Menschen begegnet man im Leben mehr als zweimal. Rolf Bircher beispielsweise. Der Gerlafinger Pensionär meldet sich regelmässig persönlich auf der Redaktion. Dann muss er wieder mal Dampf ablassen. Gegen die bösen Behörden, trägen Beamten oder gegen die allgemeine Ignoranz seinem Anliegen gegenüber. Dieses ist eigentlich keine grosse Sache. Rolf Bircher kämpft für besseres Licht an einem bestimmten Fussgängerstreifen in Gerlafingen.

Inzwischen ist der schnauzbärtige 73-Jährige abgehärtet und kompromisslos. Er werde gemobbt, rückwärts zur Türe hinauskomplimentiert und mit Schlötterlis überhäuft. Dabei ist oft nicht klar, wer wem an die Gurgel geht. Aber keine Angst, er ist nicht unbeherrscht oder gar gefährlich. Nur seine Worte sind es manchmal. «Wie würdest Du reagieren, wenn Dein Kind auf dem Fussgängerstreifen sterben würde», frage er inzwischen ungeniert seine jeweiligen Gesprächspartner, wenn er wieder mal mit seinem Anliegen «nervt».

«Das geht mir zu langsam»

Etwa den Bauverwalter von Gerlafingen Ewald Kaiser. «Er müsste es doch besser wissen, sass jahrelang in der Baukommission, zusammen mit mir. Er weiss, wie der Dienstweg funktioniert», berichtet Ewald Kaiser. Der Einsitz in der Baukommission war vor 20 Jahren. Auf den Dienstweg verzichtet Bircher. «Das geht mir zu langsam.» Dann steht er wieder vor der Türe des Bauverwalters oder sagt Kaiser zwischen Tür und Angel, was dieser zu tun hätte. «Ich habe ihm schon oft gesagt, er soll seine Anliegen schriftlich formulieren. So bekomme er wenigstens mit Sicherheit eine Antwort», sagt Kaiser.

Rolf Bircher sass nicht nur in der Baukommission. Er wirkte 13 Jahre lang als Sicherheitsdelegierter der Gemeinde Gerlafingen. «Licht ist nicht einfach Licht», sagt er. Und das weisse Licht der LED-Lampen sei beispielsweise bei Nebel gegenüber dem früheren gelben Licht im Nachteil. Telefonisch hat sich Bircher schon bei diversen Stellen erkundigt. So beider BfU (Beratungsstelle für Unfallverhütung) oder beim Astra (Bundesamt für Strassen): «Alle bestätigen mir, dass es bei Fussgängerstreifen zwei Lampen braucht.»

Nicht erste Priorität

Dass die Beleuchtung der Fussgängerstreifen nicht erste Priorität hat, gibt der Bauverwalter unumwunden zu. «Das ist gar nicht möglich. Wir fahren im Moment mit einem Drittel vom Etat für die Belegschaft. Das kann nicht erste Priorität haben.» Zudem habe der Kanton die Fussgängerstreifen evaluiert. «Ich will jetzt zuerst die Berichte zu den Fussgängerstreifen in Gerlafingen sehen und dann werden wir punktuell schauen, was verbessert werden muss.»

Beispielsweise die Leuchtmittel ersetzen oder zusätzliche Kandelaber setzen, denn die Beleuchtung ist im Gegensatz zur Gestaltung der Fussgängerstreifen Sache der Gemeinde. «Rolf Bircher kann nicht diktieren, wo wir was machen müssen. Die Sicherheit hat höchste Priorität, aber wir schätzen diese ein.» Finanziell stosse man schnell an Grenzen. Die Gemeinde besitzt zirka 650 Kandelaber. Der Ersatz des Leuchtmittels kostet pro Kandelaber 500 bis 1000 Franken. Geld, das nicht einfach vorhanden ist. «Bircher hat oft das Gefühl, man nehme ihn nicht ernst und wir würden das Thema nicht aufgreifen. Aber das stimmt nicht, im Gegenteil», sagt abschliessend der Bauverwalter.

Der Gemeindepräsident mag inzwischen nicht mehr wegen jedem Anliegen von Rolf Bircher springen. «Ich akzeptiere, dass es in jedem Dorf kritische Bürger gibt, die das Gefühl haben, die Behörden machten alles falsch», erklärt Peter Jordi und sagt damit, dass für ihn Bircher die Grenze manchmal überschreitet. Und er ergänzt: «Damit muss man leben. Ich gestehe den Leuten dieses Recht zu.»

Das stört den umtriebigen Rolf Bircher wenig. Er findet es total daneben, was Gerlafingen in dieser Sache tue. Inzwischen ist er überzeugt, dass Gerlafingen falsch geplant hat und im schlimmsten Fall belangt werden könne.