Ueli Sterchi, wieso haben Sie vor 23 Jahren Ihr Büro aufgegeben und sind Bauverwalter geworden?

Ueli Sterchi: Die Aufgaben des Bauverwalters sind extrem vielfältig. Ich war vor meinem Stellenantritt im Gemeinderat und dadurch schon eng an den Geschäften dran. Als die Stelle dann frei wurde, hat es mich gereizt, die Aufgaben auch von der anderen Seite her kennen zu lernen. Allerdings wusste ich damals nicht, dass ich bis zur Pensionierung bleibe.

Was hat Sie so fasziniert?

Die Stelle deckt unzählige Bereiche ab. Raumplanung, Hochbau, Tiefbau, Umweltschutz, Verkehr. Es ist eine grossartige Arbeit und man bekommt fast nicht genug davon.

Aber als Bauverwalter müssen Sie doch sicher auch noch Ämtli ausüben?

Sicher. Ämtli gehören auch dazu. Mitarbeiten in der Repla beispielsweise. Ich bin Langsamverkehrsbeauftragter, BfU-Sicherheitsdelegierter, Mitglied im Katastrophenstab und vertrete die Gemeinde in der Wohnbau- und Siedlungsgenossenschaft, um einige Beispiele zu nennen. Aber auch hier ist die Bandbreite riesig, und oft ergeben sich spannende Diskussionen.

Und dann führen Sie auch noch die Bauverwaltung.

Das ist richtig. Genau genommen führe ich die fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Büro der Bauverwaltung. Die Arbeit im gesamten Team war immer sehr gut. Alle haben am gleichen Strick gezogen, und so konnten wir auch die Bautätigkeit der letzten Jahre gut bewältigen. Immerhin haben wir 900 neue Einwohner bekommen.

Vor 20 Jahren wurde der Bauverwalter noch vom Volk gewählt. Heute ist er ein normaler Angestellter, der vom Gemeinderat eingesetzt wird. Hat sich damit der Stellenwert der Arbeit verändert?

Für mich hat das keinen Unterschied gemacht. Sicher war die Wahrnehmung in der Bevölkerung anders, wenn man an der Urne gewählt wurde. Die Aufgaben sind aber immer die gleichen geblieben. Auch die enge Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat war immer nötig.

Was sich allerdings stark verändert hat, ist das Kommissionswesen. Zu Beginn meiner Tätigkeit hatte ich mit fast zehn Kommissionen zu tun. Da gab es die Wasserkommission, die Elektrakommission, die Friedhofkommission, die Gemeinschaftsantennenkommission, die Kommission für den Gebäudeunterhalt, die Umweltschutzkommission und die Planungskommission. Heute ist das alles in einer einzigen Kommission vereint. Viele der Arbeiten, die in den Kommissionen geleistet wurden, gingen in die Verwaltung.

Wie hat sich die Arbeit sonst noch verändert?

Es ist wie überall. Die Regeldichte hat extrem zugenommen. Im Bauwesen müssen viele neue Gesetze und Verordnungen umgesetzt werden. Auch in der Planung und mit dem neuen Raumplanungsgesetz sind wir gefordert. Es ist alles intensiver, aber auch langatmiger geworden. Für eine Ortsplanung beispielsweise muss man heute in Biberist einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren einrechnen.

Ortsplanung ist ein gutes Stichwort. Wie hat sich Biberist in den letzten 20 Jahren verändert?

Das sind meiner Meinung nach ganz spannende Geschichten. Biberist ist aus mehreren Dorfteilen zusammengewachsen. Da haben wir Unterbiberist, Oberbiberist oder den Kirchenbezirk. Das Zusammenwachsen dieser Ortsteile ist die grösste Veränderung im Dorf. Allerdings sieht man die einzelnen Dorfteile teilweise auch heute noch. Speziell sind natürlich die Aussenquartiere erhalten geblieben. Denken wir nur an das Schöngrünquartier. Biberist ist 12 Quadratkilometer gross und geht bis an die Aare und hügelaufwärts bis zum Hoberg.

Das heisst, dass auch viele Baugesuche bewilligt wurden?

Das ist so. Ich habe in meiner Amtszeit rund 3'500 Baugesuche bewilligt.

Neubauten, mehr Einwohner. Das heisst auch mehr Verkehr?

Richtig. Bei Verkehrsmessungen haben wir gemerkt, dass rund 50 Prozent des Verkehrs in Biberist Eigenverkehr ist. Weiter kommt dazu, dass sich eine Verkehrsachse in Form eines Y durch die Gemeinde zieht. All die nach Lohn-Ammannsegg, in den Bucheggberg oder Richtung Gerlafingen wollen durch unser Dorf fahren. Deswegen wurde die Zusammenarbeit in der Region verstärkt. Gerade die Agglomerationsprogramme haben viel geholfen, dass der Verkehr nicht mehr nur in den Gemeindegrenzen betrachtet wird. Ich bin zudem überzeugt, dass die geplanten Pförtneranlagen den Verkehr im Zentrum verflüssigen werden. Wegzaubern kann man den Verkehr allerdings nicht.

Als Gemeinde haben wir mit den Tempo-30-Zonen in den Quartieren die Verkehrssituation beruhigt. Der Fluchtverkehr konnte damit stark eingeschränkt werden. Mit der anstehenden Ortsplanung soll versucht werden, den Langsamverkehr nochmals zu verbessern. Fussgänger und Velofahrer sollen wo möglich getrennte Bereiche erhalten. Damit ist allen gedient, den Autofahrern, den Velofahrern und den Fussgängern.

Sie wohnen selbst in Biberist und kennen die Situation darum speziell gut. Ist das ein Vorteil für Ihre Arbeit?

Für mich schon. Man identifiziert sich mehr mit seiner Arbeit, weil man selbst auch von den Ergebnissen betroffen ist.

Auf welches dieser Ergebnisse sind Sie besonders stolz?

Es gibt einiges, das uns gelungen ist. Wirklich stolz bin ich darauf, dass wir aus den verschiedenen Dorfteilen eine Ortschaft haben wachsen lassen. Das Zusammenwachsen wurde aktiv gefördert. Wir haben heute auch nicht mehr viel Bauland.

Was ist nicht so gut gelungen?

Was uns noch fehlt, ist ein Dorfzentrum, das man als ein solches erkennt und erlebt. Einzelne Mosaiksteinchen dazu haben wir gesetzt. Das Coop-Gebäude ist sicher eine Visitenkarte gleich beim Dorfeingang von Gerlafingen her. Ich bin zuversichtlich, dass das Zentrum in den kommenden Jahren noch weiterentwickelt wird. So etwas braucht Jahrzehnte.

Das geben Sie also als Pendenz an Ihren Nachfolger weiter?

Pendenz ist das falsche Wort. Im Bauwesen und in der Planung gibt es immer Projekte, die einen über einen längeren Zeitraum beschäftigen. Und wir haben zurzeit spannende Projekte. Die Entwicklung im Schöngrün beispielsweise. Ich denke, es ist ein toller Einstieg, wenn man bei solchen Entwicklungen mithelfen darf.

Was steht denn sonst noch an?

Rund um die Blümlisalpstrasse sind zwei Gestaltungspläne genehmigt worden, die Planung auf dem Areal des St. Urs ist einen Schritt weiter, auch rund um die Post wird es eine Weiterentwicklung geben. Die Biberister Wohnbaugenossenschaft will im Giriz Mehrfamilienhäuser bauen, der Hechtring wird fertig gebaut. Und nicht vergessen darf man die Entwicklung des Papieri-Areales.

Und was passiert rund um den RBS-Bahnhof?

Dort wurde eine Testplanung durchgeführt. Das Gebiet Schwerzimoos ist im Richtplan des Kantons als Entwicklungsgebiet enthalten. Mit der Ortsplanung wird man entscheiden, was weiter passiert.

Ziehen Sie sich nach der Pensionierung komplett zurück, oder gibt es noch Aufgaben, die Sie weiterhin in und für die Öffentlichkeit erfüllen?

Ich bin Präsident der Denkmalpflegekommission und würde diese Arbeit gerne weiterführen. Weiter bin ich Präsident des Verkehrs- und Verschönerungsvereins, der sich ebenfalls stark in der Gemeinde einsetzt. Bekannt sind vor allem die rund 90 Bänkli, die der Verein unterhält. Und wer weiss, vielleicht kommen noch neue und weitere interessante Aufgaben dazu.