Über zwölf Jahre hinweg arbeitete Martin Flury auf dem väterlichen Hof in der Milchproduktion, den er nach dem Tod des Vaters 2009 übernahm. Laufend waren sie bemüht, die Leistung der 27 Milchkühe zu optimieren, beispielsweise durch die Fütterung. Vor drei Jahren entschloss er sich, aus der Milchproduktion auszusteigen.

«Mitte 2012 war das Optimierungspotenzial ausgeschöpft. Zu diesem Zeitpunkt begann der Milchpreis zu sinken. Ausserdem sah die Agrarpolitik eine Änderung bezüglich der Direktzahlungen vor, die für mich negative Folgen gehabt hätte. Ich sah in naher Zukunft weniger Einnahmen bei gleichbleibenden Kosten auf mich zukommen», so Flury.

Ausserdem vermisste er die Wertschätzung seiner Arbeit. «Für die Bauern macht ein 10 Rappen höherer Milchpreis viel aus, für den Konsumenten fast nichts. Und trotzdem werden die Preise tief gehalten.» Als ihn seine Frau darauf aufmerksam machte, dass er mit weniger Freude bei der Sache war, merkte er, dass es so nicht weitergehen konnte. Aus all diesen Gründen beschloss er, sich Alternativen zu überlegen.

Umstieg auf Aufzucht

Im Herbst 2013 war es so weit: Flury hörte mit dem Melkbetrieb auf. Die Kühe verkaufte er teils privat, teils auf einer Viehauktion. Seinen Betrieb richtete er auf die Aufzucht aus: Von einem befreundeten Milchbauern übernimmt er jeweils die weiblichen Kälber mit 4 Monaten und gibt sie ab, wenn sie mit etwa zwei Jahren alt genug für ein erstes Kalb und somit für die Milchproduktion sind. Der Vorteil: Er hat einen Vertrag mit einem fest definierten Preis, der nicht so schnell ändern kann wie der Milchpreis. Das Risiko ist geringer. Als einen grossen Mehrwert erachtet er die um einiges flexibleren Arbeitszeiten.

Momentan nutzt Flury für den Nachwuchs nur seinen Jungviehstall. Er will aber auch in den Hauptstall investieren, um mehr Tiere aufnehmen zu können. Daneben hat er verschiedene Ackerkulturen wie Sonnenblumen, Zuckerrüben, Weizen, Saatkartoffeln und Mais. Im Unterschied zu früher kann er aber keinen Lehrling mehr ausbilden, da er in den Wintermonaten nicht genügend Arbeit hätte.

Entscheidung nicht bereut

«Meine Entscheidung auszusteigen haben damals viele nicht verstanden», sagt er. «Wir hatten auf dem Hof viele gute Kühe und überdurchschnittliche Leistungen von mehr als 10 000 Kilo Milch pro Jahr und Kuh.» Der Milchpreis lag noch bei über 60 Rappen pro Kilo. Im Nachhinein ist er froh, diesen Schritt gewagt zu haben. «Es muss schlussendlich jeder Milchbauer für sich entscheiden, ob er im Geschäft bleibt oder nicht. Für mich stimmt es so.»