Für das Geld, das steht schnell einmal fest, macht es Ray Gantenbein nicht. Er hat es einfach nicht nötig. Nicht als Inhaber einer bekannten Firma, die sich schweizweit um Wasserschäden kümmert. Nicht als Mäzen, der mit Millionenbeträgen ein aufstrebendes Rennsporttalent aufgebaut hat. «Nein, wirtschaftliche Gründe interessieren mich bei diesem Engagement nicht.»

Entspannt sitzt Gantenbein mit getönter Sonnenbrille, Jeans und knallroten Loafers im Biergarten des «Bad Kyburg» und zieht an einer dicken Zigarre. Weltgewandt ist er, der Rainer getauft wurde, aber von allen Ray genannt wird.

Ihn reizt die Herausforderung, aus einer regionalen Marke ein bekanntes Gütesiegel zu machen. «Es ist die Challenge, die mich interessiert.» Und es ist der Bucheggberg, an dessen Fuss er seit zehn Jahren lebt, den er gern bekommen hat. «Es ist ruhig hier, und doch ist man schnell in der Stadt.» Jetzt will er seiner Wahlheimat vermehrt Zeit widmen. Obwohl, schiebt der Unternehmer nach, «eigentlich habe ich nie Zeit.»

Eine Grosse unter Kleinen

Seit Anfang Juli ist Rainer Gantenbein Chef des Buechibärger Biers. Jener Marke, die sich innerhalb weniger Jahre vom sympathischen Hinterhofgebräu zum bewährten Getränk mit respektablem Absatz entwickelt hat. Liebhaber schwärmen vom hellen Blonden aus Kyburg-Buchegg. Ob ein Lager gegen den Feierabenddurst oder ein Indian Pale Ale zum bewussten Genuss – das Bucheggberger Bier hat viele Anhänger gefunden.

Gezapft wird es in Solothurn etwa in der «Hafebar» oder der «Aarebar», in der Landi Lohn geht es regelmässig über die Theke. Und natürlich im «Bad Kyburg». Dort, wo seit über drei Jahren die Brauerei direkt in den Gasthof integriert ist. Bis 60'000 Liter pro Jahr produziert Braumeister Patric Gross, der sein Handwerk im deutschen Saarland lernte. Damit ist das Buechibärger Bier unter den Mikrobrauereien eine feste Grösse geworden.

Rudolf Schnorf zieht sich zurück

Gegründet wurde das Buechibärger Bier 2009 von Adolf Kipfer und Urs Aebi aus Aetingen. Später, als Rudolf Schnorf den Gasthof Bad Kyburg renovierte und das Hotelgeschäft ausbaute, fügte er die Brauerei in seinen Betrieb ein. Anfang 2013 hatte er die Aktiengesellschaft gegründet. Nun zieht sich der Unternehmer vom operativen Geschäft zurück. Den Golfplatz Limpachtal verkaufte er bereits vor einem Jahr an die Migros. Jetzt geht das Buechibärger Bier an seinen Freund Ray Gantenbein.

Vorerst bleibt Schnorf noch im Besitz der Liegenschaft und der Brauanlagen, tritt aber Schritt für Schritt in den Hintergrund. Gantenbein übernimmt das Biergeschäft inklusive Vertrieb und Personal und zahlt dem Eigentümer einen Mietzins. Es scheint aber ausgemacht zu sein, dass später auch die Immobilien an ihn übergehen. Das Kaufrecht hat er sich bereits gesichert. Das operative Geschäft seiner Firma Bautro ging vor einigen Jahren an die Stieftochter über.

Interessiert an einer Teilhabe ist auch «Bad-Kyburg»-Pächter Markus Krell. Komplettiert wird die neue Equipe durch Jörg Fluri, der für den Verkauf zuständig ist. Sie alle sind überzeugt: «Das Buechibärger Bier hat Potenzial.» Dieses sei aber bisher zu wenig ausgeschöpft worden. Die neue Führungsriege will alles dafür geben, um den Gerstensaft besser im Markt zu positionieren. Eine neue Homepage inklusive Webshop wird schon bald aufgeschaltet.

Den regionalen Leader ärgern

Gibts das «Buechibärger» also demnächst im Coop zu kaufen? Das könnte gut sein, meint Gantenbein. Zumal die Qualität nicht mehr schwankt, sondern konstant garantiert werden kann. Um die Kapazität zu erhöhen, denkt der neue Chef laut über einen Ausbau der Kühlanlagen nach. Damit würde sich das Fassungsvermögen der Brautanks erhöhen, weil das Bier darin mehrere Tage gelagert werden muss.

Es gibt noch viel Luft nach oben, bemerkt der 62-Jährige. Als regelmässiger Gast im «Bad Kyburg» weiss er das. Er erzählt von Bauern aus der Gegend, die auf das industriell gefertigte «Feldschlösschen» schwörten. Inzwischen hat er sie vom Geschmack des «Biers vom Land» – so der Werbespruch – überzeugt. Der erfolgreiche Geschäftsmann kann es gut mit der lokalen Bevölkerung. «Die Region bleibt auch in Zukunft unser Kerngebiet.»

Hier will er die Nummer eins werden und dabei durchaus den Solothurner Lokalleader «Öufi»-Bier etwas ärgern. Aber auch ausserhalb der Komfortzone sieht er Wachstumschancen, etwa im Bernbiet. Sogar in einer Bar in Zürich wird «Buechibärger» bereits angeboten.

«Ich bin sehr bierig»

Anders als der Konkurrent in Solothurn denkt Ray Gantenbein aber nicht im Traum daran, eine eigene Abfüllanlage einzurichten. «Das wirtschaftliche Risiko wäre zu gross.» Abgefüllt werden die konventionellen Buechibärger Biere in der Berner Brauerei Felsenau. Die Spezialbiere dagegen werden komplett im Bucheggberg hergestellt. Dafür verarbeitet Braumeister Gross schon mal den Hopfen, der vor der Haustüre des «Bad Kyburg» wächst.

Zum Schluss des Gesprächs räumt Gantenbein ein, dass es ihn freuen würde, «wenn beim neuen Engagement etwas mehr als eine schwarze Null herausschaut». Es wäre auch merkwürdig, wenn der vermögende «Chairman», wie er sich auf seiner Visitenkarte bezeichnet, nicht doch kalkuliert. Zur Erfolgsgeschichte trägt Ray Gantenbein schliesslich ganz persönlich bei: «Ja, ich bin sehr bierig», sagt er und streicht sich lachend über die Bauchrundung.

Selbstverständlich trinke er seit Anfang Juli nur noch «Buechibärger». Am liebsten das Weizen nach bayrischer Brauart. Dafür macht Ray Gantenbein nicht einmal für die Fotoaufnahmen unserer Serie «Auf einen Kaffee mit …» eine Ausnahme.