Buchegg

Er begab sich auf Spurensuche für eine Abenteurer-Biographie

Benno Affolter hat sein dickleibiges Werk akribisch recherchiert.

Benno Affolter hat sein dickleibiges Werk akribisch recherchiert.

Benno Affolter war schon als junger Mann beeindruckt von Felix.A Tschiffeley dem Schweizer, der einen Ritt von Buenos Aires bis nach New York zurück. Nach langer Recherche hat Affolter nun die Biographie über den Abenteurer verfasst.

Als junger Mann las Benno Affolter das «10 000 Meilen im Sattel» betitelte Buch des Schweizer Abenteurers Tschiffely. Es beeindruckte ihn so tief, dass er sich schon 1962 und 1967 auf dessen Spuren begab und nach Argentinien reiste. Im Buch beschrieben wird das ausserordentliche Ereignis des Ritts von Buenos Aires nach New York zwischen 1925 und 1928, das die amerikanische Öffentlichkeit damals zu Begeisterungsstürmen hinriss. Felix A. Tschiffely, der diese gewaltige Distanz allein bewältigte, vertraute dabei auf Geduld und Belastbarkeit der beiden Pferde Mancha und Gato.

Schon in den 1960er-Jahren beschäftigte sich Benno Affolter mit dieser besonderen Rasse, die sich als sogenannte «Kreolen»-Pferde bis zur spanischen Eroberung des südlichen Kontinents zurückverfolgen lässt. Die Besiedlung Argentiniens ist eng verflochten mit der Kraft dieser Tiere. Durch glückliche Zufälle lernte Affolter damals schon den in Argentinien wichtigen Veterinär und Hochschullehrer Emilio Solanet kennen, der Geschichte und Weiterzucht der «Criollos» dokumentierte und seinerzeit Tschiffely mit diesen beiden Pferden ausrüstete. In Argentinien sind Tschiffely und seine grossartige Leistung unvergessen, wie sich Armin Ritz, ehemaliger Schweizer Botschafter in Argentinien bis 2004, im Vorwort zum Affolter-Buch erinnert.

«Spinner und Verrückter»

«Ein Mann, zwei Pferde und ein Dutzend Bücher», so hat Autor Affolter seine Biografie über das interessante, unglaublich vielfältige Leben von Felix Aimé Tschiffely genannt. Als 17-Jähriger war der aus einer verzweigten, hierzulande bekannten Familie stammende junge Mann nach Abschluss eines Kurses der Hotelfachschule Lausanne ausgewandert. Zu seinen Vorfahren zählt übrigens Johann Rudolf Tschiffeli (1716–1780), der Reformer der Schweizer Landwirtschaft, der in Kirchberg ein Mustergut mit Landsitz erbaute, der heute «Kleehof» genannt wird. In England glückte es dem mutigen jungen Auswanderer, nach kurzer Zeit eine Lehrbefähigung für Sprach- und Sportunterricht zu erlangen.

Die Sehnsucht nach Unbekanntem und vor allem nach Unabhängigkeit trieb ihn weiter nach Argentinien, wo er 1917 landete. Auch hier unterrichtete er an einer englischsprachigen Schule, wandte sich aber dem Reiten als seiner wahren Liebhaberei und Leidenschaft zu. Als «Spinner und Verrückten» habe man ihn in Buenos Aires bezeichnet, ist der Biografie zu entnehmen, als er 1925 mit dem Ziel USA mit den beiden Pferden aufbricht. Diese entbehrungsreiche und auch gefahrvolle Zeit hat er in seinem in viele Sprachen übersetzten Buch «Tschiffely’s Ride», auf Deutsch «10 000 Meilen im Sattel», lebendig festgehalten. Noch viele weitere Publikationen zu unterschiedlichsten Themen folgten dieser Erstausgabe. Tschiffely verlegte später seinen Wohnsitz wieder nach London, wo er als erst 59-Jähriger 1954 verstarb.

Hierzulande fast unbekannt

Benno Affolter hat in seiner akribisch genauen Recherche die Winkelzüge dieses abenteuerlichen Lebens in allen Verästelungen nachverfolgt. Gesammelt hat er die Unterlagen in fast detektivischer Weitsicht in Argentinien, wo Tschiffely immer noch eine berühmte Persönlichkeit ist, in England und auch hier in der Schweiz, die ihn fast gänzlich vergessen hat. Die Sichtung der wie in einer Schatzsuche entdeckten Dokumente sowie Berichte von Zeitzeugen haben ihn fast ein Jahrzehnt in Bewegung gehalten. Sechs Jahre verbrachte er nochmals in Argentinien.

Entstanden ist ein reich bebildertes Buch, das als Grundlage eines Films dienen könnte. Denn Affolter hat den Tschiffely-Lebenslauf in ausführlichen und literarisch ansprechenden Schilderungen in das gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Umfeld seiner Zeit eingebettet und vermittelt damit eine Fülle unterhaltsamer Informationen.

Faszinierende Spurensuche

Er komme sich vor wie ein Hindernisläufer, der nun endlich «doch etwas stolz» die Ziellinie erreicht habe, sagt ein erleichtert und zufrieden wirkender Benno Affolter. «Die Spurensuche gestaltete sich immer wieder faszinierend.» Neben dem privat investierten Geld griffen ihm für die schliesslich in Berlin mit Layout seiner Tochter Judith gedruckten 250 Exemplare Sponsoren wie die Lotteriefonds der Kantone Solothurn und Bern, der Azeiger-Verband Bucheggberg-Wasseramt, die Stadt Zofingen und ungenannt bleibende Unterstützer unter die Arme. Erschienen ist die Ausgabe in der «Edition de Penthes» innerhalb des «Musée des Suisses dans le Monde» in Genf. Diese Institution hat sich zur Aufgabe gemacht, dafür zu sorgen, dass herausragende Leistungen von Schweizerinnen und Schweizern in aller Welt nicht vergessen werden.

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