Gemeindepräsidiumswahlen

Entweder Spirig oder Kölliker: Die Zweite Runde im Oberdorfer Wahl-Krimi steht bevor

Marc Spirig und Ueli Kölliker (v.l.) wollen Gemeindepräsident von Oberdorf werden.

Marc Spirig und Ueli Kölliker (v.l.) wollen Gemeindepräsident von Oberdorf werden.

Im ersten Wahlgang der Gemeindepräsidiumswahlen in Oberdorf erreichte niemand das absolute Mehr. Jetzt kommt es zur Entscheidung.

Spannender hätte der Wahlgang vom 27. September nicht sein können: 475 Oberdörfer stimmten für Marc Spirig. Nur gerade fünf Stimmen weniger erhielt Ueli Kölliker, 14 Wahlzettel gingen leer ein. So verpasste Spirig das absolute Mehr haarscharf, um nur 5 Stimmen.

In gut einer Woche, am Sonntag 29. November, kommt es zur definitiven Entscheidung. Wer jetzt auch nur eine Stimme mehr als der andere Kandidat haben wird, ist der neue Gemeindepräsident von Oberdorf.

Eine Wahl der politischen Schwergewichte

2005 wurde Patrick Schlatter zum Gemeindepräsident gewählt. Im März diesen Jahres kündigte er an, dass nach 15 Jahren an der Gemeindespitze genug sei.

Ungewöhnlich für die Kommunalpolitik in der sich je länger je weniger Leute engagieren, stellen sich hier gerade zwei gestandene Politiker zur Wahl. Der 62-jährige Ueli Kölliker ist seit 11 Jahren Vize-Gemeindepräsident. Seit 23 Jahren ist der Amtsgerichtspräsident als Vertreter von «Forum Oberdorf» im Gemeinderat. Der 49-jährige Marc Spirig ist seit acht Jahren für die FDP im Gemeinderat. Zudem ist der Architekt Präsident der Baukommission.

Die Kandidaten erklären hier, wie sie die Zeit seit September genutzt haben, um unentschlossene Oberdorfer zu überzeugen und wie sie den Wahlsonntag verbringen werden.

Waren Sie über den knappen Wahlgang erstaunt?

Kölliker: Ja, das Resultat hat mich sehr erstaunt. Ich denke, mit diesem Ausgang hat niemand gerechnet. Die hohe Stimmbeteiligung hat mich beeindruckt und ich war sehr berührt darüber, dass ich so viele Stimmen erhalten habe.

Spirig: Ich habe geahnt, dass es knapp wird. Ich war aber davon ausgegangen, dass es im September, im ersten Wahlgang, eine Entscheidung gibt. Dass es aber zu dieser Patt-Situation kam, war wirklich unglaublich.

Was haben Sie seit September gemacht, um unentschlossene Wähler zu überzeugen?

Kölliker: Wegen der Coronapandemie waren unsere Möglichkeiten eingeschränkt: So wollten wir eine Podiumsdiskussion durchführen. Dabei hätten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger beide Kandidaten für das Gemeindepräsidium hautnah erleben und befragen können. Wenigstens kamen wir an der Rechnungsgemeindeversammlung kurz zu Wort aber ohne Austausch mit den Anwesenden.

Spirig: Wir haben eigentlich vorwiegend auf den sozialen Medien noch einen Wahlkampf geführt. Anlässe in dieser Zeit zu organisieren, wäre verantwortungslos gewesen. Ich hätte aber noch gerne den persönlichen Kontakt gesucht – so wollten wir eigentlich einen Marroni-Stand aufstellen, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Ich denke, es wird aber schwierig, bei dieser hohen Wahlbeteiligung noch mehr Leute an die Urne zu bringen.

Sie sind jetzt schon lange im Wahlkampf. Haben Sie genug?

Kölliker: Für mich ist das nicht Wahlkampf, sondern Wahlkampagne. Es war mir eine Freude mit meinem tollen Komitee zu arbeiten und originelle Ideen zu entwickeln. Wir haben zum Beispiel ein Interview für die Website des Forums Oberdorf gemacht, in dem ich über Oberdorf und meine Politik spreche. Ich bin aber froh, dass die definitive Entscheidung endlich fällt.

Spirig: Der Wahlkampf hat mir eigentlich immer Spass gemacht, und ich habe auch das Gefühl, dass er sehr fair war. Ich dachte im September, dass die Entscheidung fallen wird. Das war dann aber nicht der Fall. Da hatte ich schon für ein paar Tage einen Motivationseinbruch. Ich denke, es ist jetzt auch mal gut, wenn Klarheit geschaffen wird.

Was muss in Oberdorf noch verbessert werden? 

Kölliker: Unser Dorf ist in einer komfortablen Lage, zwischen Solothurn mit ihren kulturellen und sportlichen Angeboten und dem Naherholungsraum Weissenstein. Wir müssen aber aufpassen, dass wir das Leben in der Gemeinde, unsere Vereine, die kulturellen Angebote und das eigene Gewerbe nicht vernachlässigen.

Spirig: Wir sind wirklich gut aufgestellt. Die Infrastruktur ist in einem guten Zustand – also das Gemeindehaus und das Schulhaus. Mir fällt spontan nichts Augenfälliges ein, es gilt aber die gut aufgestellte Gemeinde Oberdorf auf allen Ebenen für die Zukunft fit und agil zu halten.

Was sind die grossen Herausforderungen, die sich Oberdorf stellen muss?

Kölliker: Nach der Wahl muss der Graben, der leider während der Wahlkampagne entstanden ist, wieder zugeschüttet werden. Wir haben seit langem ein gutes politisches Klima in Oberdorf und das soll auch so bleiben, hilft es uns doch, die grossen Herausforderungen gemeinsam anzupacken.

Spirig: Die Ortsplanung muss jetzt abgeschlossen werden. Aber ich denke, in der nächsten Zeit müssen wir unsere Finanzen genau anschauen. Wir wissen nicht, wie sich Corona genau auf unsere Finanzen auswirken wird. Da muss man dann mit Augenmass budgetieren und investieren.

Wie werden Sie den Wahlsonntag verbringen?

Kölliker: Zuerst werde ich von zu Hause aus noch eine Runde frische Luft schnappen. Später werde ich dann in der Kächschür mit den Leuten anstossen, die mich unterstützt haben, oder mich treffen wollen. Egal wie das Resultat herauskommt.

Spirig: Ich werde im Verlauf des Tages in den «Engel» gehen und dort mit den Leuten anstossen, die im Wahlkampf involviert waren. Leider können wir nicht wie normalerweise einen grossen Apéro machen.

Autorin

Judith Frei

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