Selzach

Entscheid über den Rückbau der Schiessanlage wurde vertagt

Das Schützenhaus Selzach auf der Rüttenen hat eine 300-Meter-Anlage und im Keller eine 10-Meter-Anlage.

Das Schützenhaus Selzach auf der Rüttenen hat eine 300-Meter-Anlage und im Keller eine 10-Meter-Anlage.

Die verfeindeten Selzacher Schützenvereine dürfen weiterhin 300 Meter schiessen auf der «Rüttenen».

Schiessanlage Rüttenen abreissen oder doch nicht? Im Gemeinderat trafen die Vertreter der verfeindeten Schützenvereine Selzachs aufeinander. Hier Peter Brudermann für die Sportschützen Leberberg, assistiert von Vereinsmitgliedern, dort Lukas Gisiger von den Sportschützen Selzach-Altreu. Die Gewehre hatten sie zuhause gelassen. Aufeinander «geschossen» wurde mit Worten und Zahlen. Zumindest von Brudermann, der die Leistungen seiner Schützinnen und Schützen und ebenso die ungleichen finanziellen Leistungen der Gemeinde an die beiden Schützenvereine aufgelistet dem Gemeinderat vor Augen führte. Zur direkten Konfrontation kam es aber nicht.

Diese wurde im Gemeinderat geführt, der über zwei Varianten diskutierte, die von einer Arbeitsgruppe vorgelegt wurden. Weiter hatte der Gemeinderat über zwei Gesuche und eine Motion Brudermanns zu befinden. Variante A sieht vor, den Schiessbetrieb auf der Rüttenen langfristig aufrechtzuerhalten. Variante B würde die Einstellung des Schiessbetriebs im Zuge der anstehenden Kugelfangsanierung vorsehen. Das Schützenhaus würde abgerissen.

Das «Obligatorische» im Dorf schiessen

Für die FDP ist klar: «Wir wollen uns nicht von der 300-Meter-Anlage verabschieden», so Christoph Scholl. Die Gemeinde soll die Anlage sanieren, damit das Schiessen des «Obligatorischen» weiterhin in der Gemeinde stattfinden kann. Ebenso klar ist ihm, was mit der 10-Meter-Schiessanlage im Keller des Schützenhauses geschehen soll. «Wenn sich die Schützen nicht auf einen gemeinsamen Schiessbetrieb einigen können, ist der Keller zu schliessen», so Scholl. Dieser wird heute von den Sportschützen Selzach-Altreu exklusiv genutzt, was letztlich zum Streit der Schützenvereine führte. Laut Lukas Gisiger sei die Anlage zu klein, dass zwei Vereine dort schiessen könnten.

Aber der mittelfristige Rückbau der Schiessanlage fand fast mehr Befürworter. «Wir müssen uns für eine Strategie entscheiden», so Thomas Studer (CVP). Die Arbeitsgruppe hat bei drei auswärtigen Anlagen nachgefragt und zumindest von der Schützengesellschaft Lommiswil ein brauchbares Angebot erhalten, damit Selzach die gesetzlichen Verpflichtungen («Obligatorisches») erfüllen kann, auch ohne das Schützenhaus Rüttenen.

Gemeindepräsidentin Silvia Spycher (FDP) favorisiert diese Lösung ebenso wie Peter Bichsel (SP). «Wir wollen die rechtlichen Rahmenbedingungen einhalten und das 300-Meter-Schiessen nicht einstellen.» Aber wenn der Kugelfang saniert wird, stelle sich die Frage: «Wollen wir danach weiterschiessen?» Keine Frage für Peter Däster (FDP): «Wir müssen das Schiessen im Dorf behalten. Wir sind doch dafür verantwortlich.» Worauf Spycher erklärte: «Vielleicht gibt es in fünf Jahren regionale Anlagen, auf denen 300 Meter geschossen werden kann.» Und Bichsel ergänzte: «Ich habe von den Selzacher Schützen keinen grossen Druck verspürt, dass das Schiessen unbedingt im Dorf ermöglicht werden müsse.» Es mache keinen Sinn, so Hans-Peter Hadorn (CVP), die sanierungsbedürftige Anlage zu erhalten, zumal viele Auswärtige in den Schützenvereinen schiessen.

Schiessen bis zu einem allfälligen Abriss

Christoph Scholl rettete die Sache in seinem Sinne mit einem Kompromissvorschlag. Die 300 Meter werden weiterhin auf der Rüttenen geschossen, aber im Zuge der Kugelfangsanierung soll ein Abriss der Anlage geprüft werden. Die Anlage darf ab 1. Januar 2021 exklusiv für das 300-Meter-Schiessen genutzt werden. Sollten sich die verfeindeten Vereine auf eine gemeinsame 10-Meter-Anlage einigen, würde die Gemeinde diese darin unterstützen. Bis Ende 2021 erhalten die Leberberger einen Ausgleich von 2000 Franken, weil sie nicht auf der gemeindeeigenen 1o-Meter-Anlage schiessen dürfen. Bei einer Gegenstimme wurde der Kompromiss gutgeheissen.

Abgelehnt hat der Gemeinderat das Gesuch der Leberberger, die Unterhaltsarbeiten auf der 300-Meter-Anlage ausführen zu dürfen. Diese werden weiterhin vom anderen Schützenverein geleistet. Ebenso abgelehnt wurde das Gesuch der Leberberger, die 300-Meter-Schiessanlage im Baurecht übernehmen zu dürfen. Zuhanden der Gemeindeversammlung abgelehnt wurde auch die Motion Brudermanns. Diese verlangt, dass der Gemeindeversammlung ein Reglementsentwurf für die Nutzung der Schiessanlage vorgelegt wird.

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