Schlösschen Vorder-Bleichenberg
Entdeckt: Die wundersame Bildwelt eines unbekannten Zuchwiler Malers

Eine reiche Auswahl aus dem künstlerischen Nachlass des Zuchwilers Peter Schneider im Schlösschen Vorder-Bleichenberg in Biberist eröffnet ein facettenreiches Schaffen.

Eva Buhrfeind
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Roman Candio und Roswitha Schild haben Peter Schneiders Werk gesichtet und präsentieren die Ausstellung im Schlössli Biberist.
7 Bilder
Die «rote Badewanne», 1990er-Jahre.
Ausstellung im Schlössli Vorder-Bleichenberg zu Peter Schneider
«Die Frau des Malers», 1963.

Roman Candio und Roswitha Schild haben Peter Schneiders Werk gesichtet und präsentieren die Ausstellung im Schlössli Biberist.

michelluethi.ch

Welch variantenreiche, künstlerische Ambitionen manchmal im Verborgenen wachsen und blühen, und erst aus dem Nachlass heraus erkannt werden, das offenbart die neueste Ausstellung im Schlösschen Vorder-Bleichenberg. Es erstaunt, dass der gebürtige Biberister Peter Schneider (1931–2014) mit seinem in Jahrzehnten geschaffenen Werk nicht bekannt wurde. Zu Lebzeiten gab es wenige, nicht sehr erfolgreiche Ausstellungen: 1963 im Restaurant Fuchsenhöhle, Solothurn und 1988 in der Galerie Brechbühl, Grenchen.

Vielleicht, weil er mit seinem eindeutig gegenständlichen Ausdruck nicht dem abstrakten Kunstanspruch seiner Zeit entsprach. Vielleicht auch, weil Peter Schneider eine introvertierte Persönlichkeit war. Einer, der in der Nacht malte und tagsüber als gelernter Hochbauzeichner zuerst in Olten und ab 1972 in der Baudirektion Grenchen bis zu seiner Pensionierung als Planungszeichner tätig war. Aber sein Leben war die Kunst, die er privat auslebte, inspiriert in einer engen Symbiose mit seiner Ehefrau Lilian Schneider, Muse und Model zugleich. 1953 absolvierte er einen Kunststudienaufenthalt in Florenz.

An das Seraphische Liebeswerk

Jetzt also wird Peter Schneiders malerisches, zeichnerisches und gestalterisches Schaffen postum präsentiert. Denn der Künstler hat sein Erbe und damit auch das gesamte künstlerische Werk dem Seraphischen Liebeswerk Solothurn SLS vermacht: Eine Vielfalt an Bildern in Öl, Collagen, Zeichnungen, Illustrationen, Gebrauchsgrafiken. 2016 haben sich der Kunstmaler Roman Candio, die Kunsthistorikerin Roswitha Schild sowie Otmar Hersche und Willy Hafner, die Peter Schneider noch persönlich kannten, im Auftrag des SLS mit Engagement und Respekt an die Sichtung des Nachlasses und an die Vorbereitung einer Ausstellung herangewagt.

Die Chronologie der durchaus reichhaltigen, sorgfältig ausgewählten Werkschau ist eher hypothetisch, wie es Roswitha Schild umschreibt, da Peter Schneider sein Werk nicht datiert hat. Die Zeitangaben lassen sich vor allem über Geburtstagskarten für seine Frau und über Neujahrskarten nachvollziehen. Wichtig war für Roswitha Schild und Roman Candio, das zusammen zu bringen «was zusammen passt in Farb- und emotionalen Stimmungen». Und doch lässt sich in dieser Bilderschau ein künstlerischer Weg ausmachen. Das Frühwerk vor der Hochzeit, von dem nur noch weniges erhalten ist, da Schneider etliches vernichtet hat, zeigt sich expressiv. Man wird an Edvard Munch oder van Gogh erinnert, von Peter Schneider mit pastösem Pinselstrich energisch austariert.

Schon bald danach entwickelt sich die ihm eigene Handschrift, der Farbauftrag ist weicher, flächiger. Die Farben, Tonalitäten und Kontraste der Figurationen und Motive sind klarer konzipiert, manches ist subtil schablonenartig komponiert.

Zirkusszenarien

Peter Schneiders Inhalte entwickeln sich mal illustrativ, dann wieder anekdotisch. Es sind raffinierte Karikaturen, die erzählen oder allegorisieren. Und sie bleiben selbst im Plakativ-Grafischen stets künstlerisch angedacht. Ein wichtiges Thema bei Peter Schneider war der Zirkus. In den variationsreichen Zirkusszenarien konfrontiert er sinnbildhaft die Magie der Artisten mit der Alltags-Gegenwelt der fratzenhaften Zuschauer. Schneider schätzte Film und Theater. Die jeweiligen Atmosphären durchziehen als filmisch anmutende Momente und theatralische Dramaturgien, als architektonische Spannungsmomente und kulissenartige Aussenorte seine Bilderwelten mit den Menschen als wichtigen Akteuren.

Oftmals verschieben sich die Stimmungen zwischen real und irreal, traum- und märchenhaft. Oder man findet abstrahierte Elemente im Kontrast zur figurativen Komposition. In den geklebten Collagen, zu Texten seiner Frau entstanden, zeigt sich der fantasievolle Illustrator, in Zeichnungen der raffinierte Karikaturist – man denkt an George Grosz.

Überhaupt finden sich in seinem Werk viele Vorbilder und Inspirationen: Kubistisches, Surreales, die Neue Sachlichkeit, Pop-Art, das Traumhafte eines Marc Chagall, die poetische Formensprache Paul Klees, die Verlorenheit eines Edward Hopper, die Spannungen eines Félix Vallotton. Formalen und elementaren Bausteinen und Perspektiven gleich, die sich hier ineinander verschieben zu ganz eigenen Ansichten – stets akkurat ausgelotet. Hin und wieder ist der verhinderte Werbegrafiker angedeutet.

Bilder aus der Erinnerung

Viele Themen fand Peter Schneider in seinen persönlichen Erkenntnissen und Eindrücken, die er meist aus der Erinnerung heraus malte. Während das frühere Werk bis in die 1980er-Jahre sich noch mit aktuellen Dingen befasste, trat ab den 1990er-Jahren das Erinnern und Betrachten seiner frühen Jahre, seine Biberister Heimat hervor. Entsprechend wird er in der dazugehörigen Publikation zitiert: «Ich versuche Erinnerungen, Begegnungen und Räume in Farbe und Zeichnung darzustellen».

Bis 18. März. Geöffnet: Mi + Do 16–19 Uhr, Sa + So 14–18 Uhr. Führungen mit anschliessendem Apéro Do, 1. März, 18.30 Uhr, So 18. März, 11 Uhr. Es erscheint eine Publikation, herausgegeben vom Seraphischen Liebeswerk Solothurn, mit Texten von u. a. Roswitha Schild und Roman Candio mit zahlreichen farbigen Abbildungen.