Marienkirche Oberdorf
Engel, Madonna und Co.: 85 Objekte in der Kirche suchen einen Paten

Die Verantwortlichen der Kirchgemeinde Oberdorf suchen Sponsoren für 85 Objekte, die den Innenraum der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt zieren und dringend restauriert werden müssen.

Rahel Meier
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Blick in die Marienkirche in Oberdorf Der Kirchenraum
17 Bilder
 Die Gnadenkapelle
Marienkirche Oberdorf
 Engel im Sims der Gnadenkapelle
 Das Allianzwappen der Greder-Grissach oberhalb des Greder-Altars
 Das Wappen der Familie Aregger (links) über dem westlichen Seitenaltar.
 Deckenmedaillon mit dem Familienwappen der Schwaller-Tscharandi im linken Seitenschiff
 Bilder an der Decke beim Eingang zur Gnadenkapelle
Marienkirche Oberdorf
 Apostelkreuz an der Wand des Hauptschiffes
Marienkirche Oberdorf
Marienkirche Oberdorf
Marienkirche Oberdorf
 Der Engel auf dem Dach der Kanzel hat bereits eine Patin oder einen Paten gefunden
Marienkirche Oberdorf

Blick in die Marienkirche in Oberdorf Der Kirchenraum

michelluethi.ch

Kirchgemeinderat Urban Fink hat eine klare Meinung: «Unsere Marienkirche ist nicht nur eine lokale Angelegenheit. Sie ist ein wichtiger Bezugspunkt für die Region und darüber hinaus.» Fink ist Historiker und Theologe und hat am Jahrbuch für Solothurnische Geschichte, das im Jahr 2015 der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Oberdorf gewidmet wurde, mitgeschrieben. Nicht umsonst steht die Kirche seit 1943 unter kantonalem Schutz und ist im Kulturgüterschutz-Inventar des Bundes als Objekt von nationaler Bedeutung eingestuft.

Weitere 1,2 Mio. Franken

Seit 2006 wurde im Oberdörfer Kirchenbezirk einiges renoviert. 2009 begann man mit der Sakristei. 2012 folgte die Heizung. 2017 wurden das Dach und die Aussenfassade restauriert und die Entwässerung erneuert. Bisher konnte die Kirchgemeinde mit ihren rund 2000 Gemeindemitgliedern die Investitionen alleine tragen. Rund 1,5 Mio. Franken sind es und ein schöner Teil an Beiträgen kam auch vonseiten der kantonalen und der eidgenössische Denkmalpflege. Die letzte Innensanierung fand vor gut 60 Jahren statt. Die Kirche muss nicht nur gründliche gereinigt werden, es stehen auch dringend nötige Konservierungs- und zudem Restaurierungsmassnahmen an. Weiter ist die komplette Erneuerung der Elektro-, Licht- und Akkustikanlagen vorgesehen. Die Kosten sind mit 1,225 Mio. Franken veranschlagt. Rund 725'000 Franken sind bereits gesprochen worden.

Schönster Hochbarock

Die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt zu Oberdorf ist für die ganze Region ein wichtiger spiritueller und kunsthistorischer Bezugspunkt. Die Grösse und die reiche Ausstattung der 1615 eingeweihten Kirche, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit der Stuckierung ihr heutiges Aussehen erhielt, entsprach nicht den geringen Möglichkeiten der kleinen Oberdörfer Dorfgemeinschaft, sondern ist im Wesentlichen auf die Spendenfreudigkeit der Stadtsolothurner Obrigkeit und Bevölkerung der damaligen Zeit zurückzuführen.

Ausgrabungen deuten darauf hin, dass bereits im 8. Jahrhundert an Stelle der heutigen Gnadenkappelle eine kleine Saalkirche bestand. Für 1420 ist ein stark vergrösserter, der Jungfrau Maria geweihter Neubau bezeugt. Das heutige Gnadenbild, eine sitzende Muttergottes mit Kind, dürfte auf diese Zeit des Kirchenneubaus zurückgehen. Die Kirche, wie sie heute dasteht, wurde im Jahr 1604 vom lombardischen Baumeister Antonio Gallo erbaut. Die vorher bestehende alte Kirche wurde dabei in den Neubau integriert und wurde zur Gnadenkapelle. Ursprünglich war die Kirche von Gallo nur mit einer flachen Decke ausgestattet. Erst das Wirken der Gebrüder Schmutzer, der Genies des süddeutschen Wessobrunner Barocks, brachte 1676 die entscheidende Veränderung in der Ausstattung des Inneren. Die Stuckaturen, welche Michael Schmutzer mit seiner Equipe in Oberdorf vollbracht hat, gehören zum schönsten Hochbarock der Schweiz. Sowohl die Gnadenkapelle wie auch der Chor der Kirche sind reich ausgeschmückt. Die Kirche ist mit einer eindrücklichen Kanzel, reich mit Altären und mit vielen Bildern ausgestattet, liegt in einem ummauerten Bezirk und ist umgeben von Friedhof, St. Michaelskappelle und Pfarrhaus.

Neue Wege gehen

Eine halbe Million Franken fehlt noch, die durch Drittmittel gedeckt werden muss. Deshalb gehen die Verantwortlichen nun neue Wege. Insgesamt 50'000 Franken möchte die Kirchgemeinde durch kleine und mittlere Spenden abdecken. Das können Patenschaften für bestimmte Objekte sein, aber auch sonstige Geldbeträge. Der Kirchgemeinderat hat eine spezielle Homepage erstellen lassen, auf der alles Wissenswerte über die Kirchensanierung nachzulesen ist.

Auch die 85 Objekte, für die Paten gesucht werden, sind mit Bild aufgelistet. Die Auswahl ist vielfältig und die Beträge für die Patenschaft bewegen sich zwischen 50 und 2000 Franken. Dazu kommen zwei spezielle Objekte die mehr kosten: Ein Mal 5000 und ein Mal 10'000 Franken. Letzterer Betrag ist für die Madonna und deren Umgebung im Gnadenaltar bestimmt. Jene Madonna, die ihren Platz in der Gnadenkapelle hat und heute noch das Ziel von Wallfahrtsgruppen ist, die die Kirche besuchen, und Maria um Fürbitte bei ihrem Sohn Jesus Christus bitten.

Während der Fastenzeit wird in der Gesamtausgabe des Kirchenblattes zudem ein Flyer mit Einzahlungsschein beigelegt, mit dem ebenfalls für die Sanierung gespendet werden kann. Und natürlich werden auch Grossgönner und Stiftungen angeschrieben.

«Wir wollen uns nicht allzu stark verschulden», erklärt Kirchgemeindepräsident Robert Christen. Neben der Kirche in Oberdorf gehören die Kirche in Langendorf, deren Dach dringend saniert werden muss, und die Kirche in Lommiswil ebenfalls zu den Gebäuden, die die Kirchgemeinde unterhalten muss. «Wir hoffen, dass wir bis Ende Sommer so viel an Spenden haben, dass wir die Detailplanung an die Hand nehmen und im April 2020 mit den Sanierungsarbeiten starten können», so Christen weiter.

Immer noch Wallfahrtsort

Seit letzten Herbst ist Hans Zünd als leitender Priester im mittleren Leberberg tätig und hat in dieser Funktion im Pfarrhaus in Oberdorf Wohnsitz genommen. Sein Dialekt weist auf seine Herkunft aus dem Kanton St. Gallen hin. «Ich lerne die Kirche und die Kirchgemeindemitglieder jeden Tag ein bisschen besser kennen», meint er.

Heute noch staune er, wie oft in der Gnadenkapelle gebetete werde. Auch in das Buch, dem man seine Sorgen anvertrauen kann, werde oft hineingeschrieben. Speziell erwähnt er zudem den Ad-Hoc-Chor, bestehend aus 35 Personen aus der ganzen Region, der sich extra gebildet hat, um Spenden für die Sanierung der Kirche zu sammeln. An vier Konzerten seien so rund 7500 Franken zusammengekommen, freut er sich.

Die Kirche Maria Himmelfahrt in Selzach

Die Kirche Maria Himmelfahrt in Selzach

Urs Byland

Auch die Selzacher sammeln Spenden

Nicht nur in Oberdorf gibt es eine Marienkirche, sondern auch in Selzach. Während es sich in Oberdorf um eine Barockkirche handelt, ist diejenige in Selzach neugotisch.

Das Bauwerk in Selzach aus dem 19. Jahrhundert muss dringend restauriert werden. Die ehemalige neugotische Raumqualität soll wieder hergestellt und zahlreiche Mängel müssen behoben werden. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 2,93 Mio. Franken. Für die komplette Umsetzung des Projektes fehlen zurzeit noch 1,3 Mio. Franken, wie das Regionaljournal Aargau-Solothurn berichtete.

Um das Renovationsprojekt umsetzen zu können, ist die Kirchgemeinde auf Spendenbeiträge angewiesen. Sie versucht, diese via Crowdfounding zusammenzubringen, und hat eine Homepage dafür eingerichtet. Die Spenden können für eines der Teilprojekte, beispielsweise die Sanierung des Glockenturms oder die Sanierung des Innenraums, erfolgen. Es kann aber auch für die Sanierung als Ganzes gespendet werden. In Selzach ist es zudem möglich, via SMS zu spenden.

Die Marienkirche Selzach steht seit 1966 unter kantonalem Schutz. Auch heute noch verfügt das Dorf über ein aktives kirchliches Leben, das sich vielfältig ausdrückt. Dazu gehören unter anderem das Pfarreilager, die Kinder- sowie die Frauengottesdienste und der Gesangsverein, der regelmässig in der Kirche auftritt. Die Gemeinde lebt zudem eine gute Ökumene. Auch den Reformierten steht die katholische Kirche offen.