Gerlafingen

Ende Jahr wird der Schlüssel im Restaurant «Frohsinn» gedreht

Veronika und Alois Nussbaumer geben den "Frohsinn" in Raten auf.

Veronika und Alois Nussbaumer werden das Restaurant nur noch für spezielle Anlässe, Generalversammlungen von Vereinen oder grössere Gesellschaften öffnen.

«Nur übergangsweise» haben Veronika und Alois Nussbaumer vor 32 Jahren den «Frohsinn» in Gerlafingen als Pächter übernommen. Im Jahr 2002 haben sie die Liegenschaft dann gekauft. Kennengelernt haben sich der Österreicher und die Bayerin in St. Moritz, wo sie beide in Saisonstellen arbeiteten. «Zu Beginn waren wir nicht glücklich hier in Gerlafingen», blickt Veronika Nussbaumer zurück. Der «Frohsinn» war längere Zeit geschlossen und es dauerte, bis die Gerlafinger wieder ins Restaurant kamen. «Dank der Vereine zog es dann an.»

Mit 16 Gault-Millau-Punkten dekoriert

Nussbaumers sind gerne Gastgeber. So legten sie immer Wert darauf, dass das Restaurant für alle auch «Dorfbeiz» sein kann. Ein Ort, an dem man sich nicht nur zum Essen, oder auf ein Bier, sondern ebenso zum Gespräch oder zum Politisieren trifft. Gleichzeitig haben sie in ihrem «Gourmetstübli» jahrelang auf höchstem Niveau gekocht. Sie wurden mit 16 Gault Millau-Punkte und einen Michelin-Stern ausgezeichnet. Und haben diese Auszeichnung irgendwann freiwillig wieder abgegeben.

«Der Stress wurde zu gross. Wir haben zudem gemerkt, dass die Ansprüche der Gäste immer höher und komplizierter werden. Irgendwann hat das nicht mehr gepasst. Es war schliesslich eine Erleichterung für uns, wieder einen ganz normalen Restaurantbetrieb führen zu können.»
Die Küche im «Frohsinn» ist trotzdem hochstehend geblieben. Nussbaumers servieren heute viele österreichische Spezialitäten: Bauernsalat, Tafelspitz, Knödel oder Kaiserschmarrn stehen auf der Speisekarte. Dazu kommen auch Weine aus der Heimat von Alois Nussbaumer. Und natürlich das Wiener Schnitzel. «Diese sind zum Renner geworden», so Veronika Nussbaumer.
32 Jahre lang nicht nur zusammen leben, sondern auch zusammen arbeiten? «Das war nie ein Problem für uns.» Nur weil sich die beiden so gut kennen und beide genau wissen, was das jeweils andere gerade macht, können sie den «Frohsinn» nach wie vor nur zu zweit führen.

Das Restaurant wird in Raten geschlossen

Trotzdem mache sich das Alter langsam bemerkbar. «Es zwickt ab und zu irgendwo», lacht Veronika Nussbaumer, die mit ihren 64 Jahren ins Pensionsalter kommt. Genau wie ihr ein Jahr älterer Ehemann. Nussbaumers haben sich darum entschieden, den «Frohsinn» zu schliessen. Allerdings nicht ganz. «Wir geben den täglichen à-la-Carte-Betrieb auf.» Das Restaurant werde aber auch künftig für Vereine oder Gesellschaften ab zehn Personen geöffnet. Auch die Spezialevents: Spargel-, Fisch-, Tatar-, Kutteln- oder Wildabend werden weiterhin stattfinden.

«Wir freuen uns, darauf etwas mehr Zeit zu haben. Zum Reisen, aber auch für unsere drei Enkelkinder.» Hinter dem Restaurant stehe weit mehr, als nur das Kochen und Servieren von Essen. Unzählige weitere Stunden Arbeit, die von den Gästen unbemerkt geleistet werden, gehören mit dazu, wenn ein Betrieb erfolgreich sein soll. «Das beginnt beim Waschen und Glätten der Tischwäsche und hört bei der Buchhaltung auf.»

Gerlafingen ist längst Heimat geworden

Gerlafingen ist Veronika und Alois Nussbaumer zur Heimat geworden. Sie haben hier viele gute Freunde gefunden. Gerne erinnern sie sich auch an die vielen Fasnachtsanlässe zurück. An die Büttenreden, die Veronika Nussbaumer an Hilari hielt. «Ich weiss heute gar nicht mehr, wie es dazu kam», meint sie lachend. Speziell verbunden sind sie zudem mit dem Kulturkeller und dem Kulturausschuss.

Sollte sich ein ernsthafter Käufer finden, der den «Frohsinn» in der gewohnten Form, auch als Dorfbeiz, weiterführt, dann würden Nussbaumers wohl auch verkaufen. «Aber bisher haben wir keine geeignete Person gefunden.» Und so blicken die Beiden mit dem berühmten «lachenden und weinenden Auge» in Richtung Jahresende.

Meistgesehen

Artboard 1