Deitingen
Ende August wird das Dorf zur Festhütte

Nach 25 Jahren wird in Deitingen wieder ein Dorffest gefeiert. Darin integriert wurden auch wieder die Jahrgängertreffen.

Rahel Meier
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Die Bahnhofstrasse in Deitingen wird für das Dorffest gesperrt.

Die Bahnhofstrasse in Deitingen wird für das Dorffest gesperrt.

zvg

Am letzten Augustwochenende wird Deitingen zur Festhütte. Die Bahnhofstrasse wird gesperrt und stattdessen finden dort Stüblis und ein grosses Festzelt ihren Platz. Zwar gab es einige die fanden, statt 775 Jahre Deitingen würde man besser 777 Jahre feiern. Aber am Schluss blieb man doch bei der halbrunden Zahl. Immerhin ist es auch genau 25 Jahre her, dass das letzte Dorffest stattfand.

«Als Allererstes haben wir unsere Dorfvereine angefragt, ob sie uns bei einem Dorffest unterstützen würden. Denn ohne Vereine könnten wir das Fest nicht auf die Beine stellen», erklärt Stefan Stüdi (Präsident Organisationskomitee, OK). Erst als klar war, dass dies klappt, hat man mit Planen und Organisieren begonnen.

Jahrgängertreffen

Schon am letzten Dorffest in Deitingen fand ein Jahrgängertreffen statt. Obwohl es ein beträchtlicher Aufwand ist, alle ehemaligen Schülerinnen und Schüler aufzuspüren, hat man im Dorffest-OK entschieden, die Treffen wieder durchzuführen. «Viele Deitinger, die nicht mehr hier wohnen, freuen sich, ihre Klassenkollegen wiederzusehen», meint OK-Präsident Stefan Stüdi.

Und tatsächlich sind auch Anmeldungen aus dem Ausland eingetroffen. Die weiteste Anreise haben: Maurizio Novello aus Candelo (Piemont, Italien, 334 Kilometer), Hanni Reiser-Flury aus Stuttgart (Deutschland, 279 Kilometer) und Liliane Knappich aus Tettnang (Deutschland, 253 Kilometer). Die beiden ältesten Festteilnehmer haben einen weniger langen Weg. Es sind Beda Kofmel aus Deitingen und Emma Kohler aus Zuchwil. Beide haben Jahrgang 1923 und sind stolze 96 Jahre alt.

Freude macht dem OK, dass sich auch die Kirchgemeinden und die Bürgergemeinde engagieren. Letztere tritt als Sponsor für die Grundinfrastruktur auf, wofür die Einwohnergemeinde mehr als dankbar ist. Unterstützt wird das Dorffest zudem von der Schule und der Musikschule. Am Samstag werden rund 1000 Leute erwartet. Denn für die Klassentreffen musste man sich anmelden und auch die Anzahl der geladenen Gäste kennt man.

Offizieller Akt am Samstagnachmittag

Wie üblich an einem solchen Fest engagieren sich die Vereine vor allem in den kleinen Stübli. Egal ob Fleisch- und Käseplätzli, Kaffee und Kuchen, Glacé oder Bierschwemme: In einem der 13 Stüblis wird sich für jeden etwas finden.

Dazu kommen diverse Veranstaltungen. Angefangen bei den Auftritten der Musikschule, der Feuerwehrchallenge, Bastelangeboten für die Kinder, einem ökumenischen Gottesdienst, einem Töfflitreffen, einer Ausstellung in der Kirche mit offenen Kirchturm, bis hin zu einem Fallschirm Demosprung mit einem Damenzielteam. Nicht vergessen werden darf sicher auch die Fotoausstellung der Archivkommission, die sich quer über die ganze Bahnhofstrasse erstreckt.

Dazu kann man sich beim Dartspiel, am 10m-Schiesstand oder auf dem antiken Rösslispiel vergnügen. Auch für die Kinderbetreuung ist gesorgt – diese wird von der Jubla übernommen. Speziell freut sich Stefan Stüdi zudem auf das Original Chäswiler-Bier, das am Dorffest zum ersten Mal ausgeschenkt wird.

Nicht fehlen darf der offizielle Akt am Samstagnachmittag mit Landammann Roland Fürst, der Moderation des gebürtigen Deitingers Dani Fohrler und der Begleitung durch Slampoet Valerio Moser. Vorgängig findet «die Schnäüschte vo Deitige» statt. Die Laufstrecke liegt mitten auf der Bahnhofstrasse, sodass die Laufenden sicher auch genügend Unterstützung erhalten. An beiden Abenden gibt es zudem Livemusik und Party bis um 3 Uhr morgens.

Festführer mit der jüngeren Dorfgeschichte

Für das Dorffest wird ein Festführer gedruckt, in dem alle wichtigen Informationen enthalten sind. Dieser wird nicht nur in Deitingen, sondern auch in Subingen, Luterbach und Wangen an der Aare verteilt. Im Festführer ist eine Dorfchronik enthalten, in der vorwiegend die jüngere Deitinger Geschichte aufgearbeitet wurde. Verfasst hat diese alt Gemeindepräsident Anton Kofmel.

Nicht nur die Bürgergemeinde tritt als Sponsor für das Dorffest auf. Auch diverse Gewerbe- und Industriebetriebe haben grosszügige Beiträge geleistet. «So sind beispielsweise auch unsere Helfershirts durch einen Sponsor bezahlt worden», erklärt Stefan Stüdi.

Der Gewinn aus dem Fest wird übrigens solidarisch verteilt. «Es arbeiten alle für alle», so Stüdi. Heisst: Alle Einnahmen aus den Beizlis kommen in einen grossen, gemeinsamen Topf und werden anschliessend anteilmässig an die einzelnen Vereine verteilt.

www.deitingen.ch

Die letzten 50 Jahre aufgearbeitet

Die letzten 50 Jahre Anton Kofmel hat in der Dorfgeschichte, die im Festführer abgedruckt wird, bewusst nur die letzten 50 Jahre aufgearbeitet. Und auch dies ohne Anspruch auf Vollständigkeit, wie er selbst betont.

So erinnert er sich beispielsweise an die «parteipolitisch angehauchten Auseinandersetzungen», mit denen um den heutigen Standort des Friedhofes gestritten wurde. Auch in die jüngere Geschichte der Gemeinde gehört der Auf- und Ausbau des Golfplatzes Wylihof. Rund 100 Hektaren Land, die seinerzeit von der Landwirtschaftszone in die Spezialzone Golfplatz umgezont wurden. Etwas, das heute wohl kaum mehr möglich wäre. Der Bau der Zweienhalle wurde erst im Dezember 1991 beschlossen und es wurde seinerzeit heftig darum gerungen. Und im Jahr 2006 ging es um die Realisierung eines Dorfzentrums mit Alterswohnungen, das dann 2012 auch offiziell eingeweiht wurde. Schön beschreibt Kofmel weiter das Auf und Ab der Industriebetriebe und der grössten Arbeitgeber in Deitingen.

Ein Detail am Rande ist in der Dorfgeschichte auch erwähnt: Willi Ritschard, wurde 1918 geboren und lebte, bis er 26 Jahre alt war, in Deitingen. Seine politische Laufbahn begann 1943 als Gemeinderat in Luterbach und fand ihren Höhepunkt 1980 mit seiner Wahl als Bundesrat. 1985 wurde Ritschard zum Ehrenbürger Deitingens ernannt.