Die Empörung war gross: Ende Januar wurde publik, dass die Stahl Gerlafingen AG ihre Lehrwerkstatt schliessen muss. 14 Lernende waren betroffen, mittlerweile haben offenbar alle wieder eine Lehrstelle. Für Unverständnis sorgte vor allem eines: Das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) äusserte sich abschlägig zu einem Gesuch um temporäre Teilfinanzierung der Lehrwerkstatt.

Für den Solothurner Regierungsrat ist klar: «Eine Unterstützung des Gesuchs wäre widerrechtlich gewesen.» Das AWA sollte für den Bund beurteilen, ob die Lernenden von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Und das war laut dem Amt eben nicht der Fall. Die Unterstützung des Gesuchs hätte den Behörden zur Last gelegt werden können, warnte die Regierung. Davon abgesehen dürfe man die Berufsbildung gar nicht wie gefordert über die Arbeitslosenversicherung finanzieren. Darauf verwies Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler (FDP) gestern im Kantonsrat. Das Parlament diskutierte über eine Interpellation der SP-Fraktion. Die Debatte glich einer «Chropfleerete».

Unverständnis äusserte besonders SP-Kantonsrat Markus Baumann (Derendingen), der auch den Gewerkschaftsbund präsidiert. Die Behörden hätten den «breiten Interpretationsspielaum» des Gesetzes schlicht nicht genutzt. Man sei zögerlich vorgegangen, habe die Symbolwirkung unterschätzt und so den ganzen Wirtschaftsstandort geschwächt. «Für das AWA ist die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen offenbar kaum von Bedeutung», sagte Baumann. Ähnlicher Meinung war Barbara Wyss Flück (Solothurn) von den Grünen. Der Kanton hat in ihren Augen allzu defensiv agiert. «Man hätte auch über unkonventionelle Lösungen diskutieren sollen.»

Derweil stellten sich CVP-Frau Sandra Kolly (Neuendorf) und ihre FDP-Ratskollegin Marianne Meister (Messen) hinter die Regierung. Der Verlust von Lehrstellen schmerze, sagte Meister. «Aber eine Unterstützung in der geforderten Form wäre eben nicht erlaubt.»

Wie verzwickt die Sache ist, machte SVP-Sprecher Beat Blaser (Obergerlafingen) nochmals deutlich. Einerseits seien wohl alle Beteiligten nicht wirklich lösungsorientiert vorgegangen. Andererseits habe er Verständnis dafür, dass man keinen Präzedenzfall schaffen wolle. Blasers Fazit: «In dieser Angelegenheit gibt es nur Verlierer. Der Kanton, der keine Lösung fand. Das Stahlwerk, das seine Lernende fallen liess. Und vor allem die Lernenden selbst.»