Die Einweihung des Hauses «Wohnen am Dorfbrunnen» war für die Gemeinde Grund genug, ein dreitägiges Fest zu veranstalten, auch wenn der Umbau noch nicht ganz fertig ist. «Das letzte Dorffest fand vor 17 Jahren statt», rief OK-Präsident Martin Rufer dem Publikum am offiziellen Festakt in Erinnerung. Er freut sich, dass er bei der Organisation des Anlasses überall auf offene Arme gestossen ist. «Vereine, Gemeinde, Schule, die Kirschblütler, alle haben mitgemacht».

Die Wohnbaugenossenschaft am Dorfbrunnen hat das alte Bauernhaus von der Gemeinde im Baurecht gekauft. Unter dem ausladenden Dach wurden zwölf Mietwohnungen auf vier Stockwerken boxenartig eingebaut. Von aussen sieht man kaum etwas, denn die Gebäudehülle blieb bestehen.

Eine Herausforderung war es, genügend Licht hinein zu bringen und gleichzeitig dem Denkmalschutz gerecht zu werden, erklärte Ernst Hürlimann, Präsident der Genossenschaft. Dem Architekten Guido Kummer hatte es Spass gemacht, aus etwas Traditionellem etwas Neues zu schaffen, und dabei den alten Charakter zu bewahren. Der Verband «Wohnen Schweiz» verlieh dem Objekt einen Anerkennungspreis für die Bereitstellung von Seniorenwohnungen in einem denkmalgeschützten Bauernhaus.

Objekt wird rentieren

Rufer hielt dem Gemeindepräsidenten Herbert Schluep scherzhaft vor, er hätte sich mit dem Umbau des Hauses gegen Ende seiner Amtszeit ein architektonisches Denkmal setzen wollen, wie dies bei den französischen Präsidenten üblich war. Schluep konterte, dass hier im Gegensatz zu den französischen Bauten kein Geld von der Gemeinde gebraucht wurde. «Wir haben ein Objekt geschaffen, das rentiert», stellte er klar.

Schluep blickte in die Vergangenheit des altehrwürdigen Hauses zurück, das bereits 300 Jahre auf dem Buckel hat. «Als ich zur Schule ging, war hier der Gemeindemuni stationiert», erinnerte er sich. «Das war jeweils ein Spektakel, wenn die Kühe aus dem ganzen Dorf zum Muni getrieben wurden!».

Alt und Neu vereint

Im Innern des Hauses riecht es nach Holz. In der Mitte führt das Treppenhaus rund um den Lift in die oberen Geschosse. Im ehemaligen Ökonomieteil stehen überall noch Gerüste herum. Keine Wohnung ist wie die andere. Schwerpunkte sind aber bei allen hell getäferte Wände und Decken, helle Küchen und ausladende Lauben, zu welchen grosse Glastüren Zutritt gewähren. Von den Zimmern blickt man auf die Dachuntersicht mit den alten Balken. Durch die Dachfenster sieht man den Jura oder bis nach Solothurn.

Im ehemaligen Wohnhaus sind die Räume niedriger und nicht für grosse Leute geeignet. Die ursprünglichen Deckenbalken wurden belassen. Das ganze Gebäude ist altersgerecht ausgebaut und rollstuhltauglich. Fünf Wohnungen sind bereits vermietet.

Traditionelles Handwerk live

Den zahlreichen Festbesuchern bot sich bei bestem Wetter ein vielfältiges kulinarisches Angebot und überall Interessantes zum Motto «Heute – Früher – Morgen» zu sehen. Eine alte Dreschmaschine, angetrieben von einem Einachser, klapperte und ächzte. Oben füllten geschäftige Hände Garben ein, unten kamen fertige Strohballen heraus. Das Korn wurde direkt in Säcke abgefüllt. Beherzte versuchten sich beim Dreschen mit dem Dreschflegel.

Etwas ruhiger ging es bei den Korbflechterinnen zu. Bei Drechsler und Tischler fielen die Späne. Daneben bearbeitete der «Dängelima» fachgerecht stumpfe Sensen. Die Landfrauen hobelten Chabis, was das Zeug hielt und füllten ihn in Gläser ab. Beim Woodchopping-Wettkampf nahmen Mannschaften aus ganz Europa teil. Sie massen sich unter anderem beim Sägen mit der Zweihandsäge oder beim Entzweihacken von Baumstämmen mit dem Beil.

Auf dem vom Turnverein eigens für das Fest zusammengeschweissten Riesengrill brutzelten appetitliche Schweinehalsbraten an langen Spiessen, die es mit selbst gemachtem Rotkraut und Knöpfli zu geniessen gab. Die Kirschblütler verkauften Pitabrote und Ingwerlimonade. Crêpes, Waffeln, Kuchen, Raclette oder Fisch liessen niemanden hungrig von dannen ziehen.

Markt vor malerischer Kulisse

Entlang der Dorfstrasse reihten sich vor dem Hintergrund der alten Bauernhäuser die Stände der Marktfahrer auf. Nützliches und Unnützes, Praktisches und Rares war auf dem Flohmarkt zu finden. Allerlei Handwerkskunst gab es an den anderen Ständen.

Die Primarschülerinnen und -schüler boten farbig bemalte Steine, Untersetzer oder Tassen an. Beim Schulhaus konnten sich die Kinder im Fahren mit Pedalo und Swingrollern und im Stelzenlaufen üben. An der Farbtrommel kreierten sie originelle Zauberbilder.