Feldbrunnen

Eintauchen in einen «Sommernachtstraum» auf dem Schloss Waldegg

Mit seiner Atmosphäre und geschichtsträchtiger Ausstattung ist das Schloss Waldegg der ideale Aufführungsort für die Oper «Fairy Queen».

Mit seiner Atmosphäre und geschichtsträchtiger Ausstattung ist das Schloss Waldegg der ideale Aufführungsort für die Oper «Fairy Queen».

Die Vorbereitungen für die Oper «Fairy Queen» - nach Shakespeares «Ein Sommernachtstraum» - laufen auf Hochtouren. Unterstützt durch die idyllische Atmosphäre auf dem Schloss Waldegg zaubert dieses Schauspiel mit Musik und Tanz magische Stimmung.

Keine Freiluftbühne könnte passender sein: Zwar rauschen diesmal kräftige Winde in den Bäumen im Innenhof von Schloss Waldegg, als wollten sie das Publikum auf das kommende Geschehen einstimmen. Schon bei diesen ersten Proben zu «Fairy Queen» (Die Feenkönigin) von Henry Purcell (1658–1695) nach William Shakespeares 1594 uraufgeführter Dichtung «Ein Sommernachtstraum» fühlt man sich als Zuschauer mitten hineinversetzt in ein Reich von Feen und Waldgeistern.

75 Mitwirkende, darunter zehn sprachgewandte Bühnen-Schauspieler, sieben mit der Szenerie von Waldegg-Sommer-Aufführungen der letzten Jahre vertraute Vokalisten, die erprobten Instrumentalisten von Cantus Firmus Consort und etliche Mitglieder der von Andreas Reize geleiteten Gesangsgruppen schlüpfen in ihre unterschiedlichen Rollen. Denn neben den Solothurner Singknaben führt Reize den Bach-, den Gabrieli- und den Cantus-Firmus-Kammerchor. Als Regisseur will Georg Rootering mit seiner Dramaturgie die märchenhafte Charakteristik dieses poetischen Werks voller Mythen und Allegorien hervorheben. «Sprachlich zwischen Deutsch und wenigen Passagen in Englisch wechselnd gibt das Bühnenspiel den gut verständlichen roten Faden vor, dem die Musik von Henry Purcell als gefühlvolle Überhöhung dient», sagt Rootering.

Die Probe des heiteren Bühnenstoffs nimmt Fahrt auf.

Die Probe des heiteren Bühnenstoffs nimmt Fahrt auf.

Hier in Solothurn realisierte er schon mehrere künstlerische Aufgaben und begleitet in Schloss Waldegg diesmal die mittlerweile fünfte Opernproduktion. Eröffnet wird das Spiel um das Elfenkönigspaar Titania und Oberon wie auch etliche Verliebte vor der Schlossfassade. Vom offenen Seitenflügel aus wird das Orchester auf seinen eigens für die Aufführung von Barockmusik geschaffenen historischen Instrumenten die Ouvertüre spielen und überleiten zum «Stück im Stück». Diese Einstudierung des Dramas von «Pyramus und Thisbe» nämlich bereitet im Schauspiel eine Truppe von Handwerkern für eine bevorstehende Hochzeit an einem adeligen Hof in Athen vor. Das eigentliche Spiel entwickelt sich danach im geschützten Innenhof, wo der Blondschopf Puck, Poltergeist und Diener von Oberon, mit einem Zauberkraut für spukhafte Irrungen und Wirrungen der Verliebtheit und mancherlei Abgründe sorgt.

«Wir hatten die ‹Fairy Queen› schon lange im Köcher», bekennt Andreas Reize, musikalischer Leiter und Initiant der Sommeropern auf Schloss Waldegg. «Die Vorbereitungen dazu laufen seit fast zwei Jahren und nicht etwa erst seit der brillanten Aufführung von Purcells
‹König Arthur› im Städtebundtheater», schmunzelt er. Kaum ein Aufführungsort sei aber so passend und ideal für dieses literarisch und musikalisch pralle Bühnenspiel wie das Schloss mit seiner Atmosphäre und geschichtsträchtigen Ausstattung. Wesentlich aber sei, dass die Oper mit eigenen Kräften – in tragenden Aufgaben beteiligt sind neben ihm sechs Solothurner – erarbeitet werde. «Eine Produktion irgendwo einzukaufen, käme für uns nicht infrage», so Reize. Bekanntlich dient ein Förderverein unter dem Präsidium des ehemaligen Regierungsrats Klaus Fischer der Unterstützung und einer vermehrten Verankerung in der Bevölkerung.

Darüber ist auch Tobias Nussbaumer glücklich, der als Geschäftsführer von Cantus Firmus und vor allem als Produktionsleiter der Sommeroper alle Fäden in der Hand behält. Neben der Aufstellung detaillierter Spielpläne und unendlich viel Kleinarbeit gelang es ihm, der früher jahrelang auch zu den Singknaben gehörte, viele der Mitwirkenden von auswärts hier in der Region überwiegend privat für fünf Wochen Beherbergung unterzubringen. «Wir unterliegen den Vorgaben eines ‹low budget›», betont Nussbaumer. «Purcell ging nach seiner Komödie ‹Ein Sommernachtstraum› wegen des enormen Aufwands in Konkurs. Uns soll das nicht passieren.» Als freie Produktion lebe die Sommeroper vom Enthusiasmus und der Begeisterung aller Beteiligten. «Wunderbar für uns ist aber auch die grosszügige Nutzung des Schlosskomplexes und seiner Infrastruktur sowie die Unterstützung durch Sponsoren.»

Dank stets präsenter E-Piano-Begleitung durch Martin Müller, normalerweise der Cembalist im Cantus-Firmus-Orchester, nimmt die Probe des heiteren Bühnenstoffs Fahrt auf. Reize mahnt kurz bei Ensembleeinsätzen wegen des Sturmbrausens zu mehr Stimmvolumen: «Nicht wie zarte Chorknaben singen.» Und Regisseur Rootering verteilt die Positionen in Bühne und Umfeld unter der munteren Waldgesellschaft, den Solisten und den beiden Tänzerinnen. Damit kann das Theaterspiel wirkungsvoll zur Geltung kommen. Für die ganz wichtige «Continuity» in dessen facettenreichem Verlauf sind die beiden Regieassistentinnen Sabina Reich und Ana Castano Almendral zuständig. Bei den ersten Proben wird noch in Strassenkleidung geübt. Längst aber hängen sorgsam aufgereiht wunderbar fantasievolle Gewänder, die Bühnen- und Kostümbildnerin Romaine Fauchère ausgesucht hat, für alle Rollenträger im Schloss-Nebengebäude bereit.

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