Narrenzeit
Einmal geht es mit der Dorffasnacht auf, dann wieder ab

Wie überall braucht es auch bei der Fasnacht Macher, die andere zum Helfen motivieren können.

Rahel Meier
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Und auch das ist Vergangenheit: Eine der letzten Fasnachtsparties im «Kreuz» in Gerlafingen im Jahr 2008.

Und auch das ist Vergangenheit: Eine der letzten Fasnachtsparties im «Kreuz» in Gerlafingen im Jahr 2008.

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Die Fasnacht hat sich in den letzten 20 Jahren verändert. Das bekamen insbesondere all jene zu spüren, die viele Jahre lang auf dem Land die traditionellen Maskenbälle veranstaltet haben. Einer nach dem anderen ist verschwunden. An ihre Stelle sind oft Kostümbälle getreten.

Ausserdem zieht es heute viele Jugendliche – vor allem am Fasnachtsdienstagabend – in die Stadt Solothurn. Die Fasnachtsverantwortlichen in den Dörfern passen sich an, versuchen Neues. Aber nicht immer lassen sich alle Anlässe aufrechterhalten. Und so gibt es auch heuer wieder einige Neuerungen, während Altbekanntes verschwindet.

Klein, aber fein

Es gibt auch Positives von der Fasnachtsfront zu berichten: Seit 20 Jahren gibt es ein paar Unentwegte, die jedes Jahr die Mehrzweckhalle in Bolken dekorieren und am Freitagabend einen Fasnachtsball – mit Tanzmusik – organisieren. Der Anlass hat ein treues Stammpublikum und wird nicht nur von Einheimischen besucht. Hilari, Chesslete, Böögverbrenne, das Programm der Bolkner Fasnacht hat seit Jahren Bestand und wird genützt. Ähnliches lässt sich vom Niederwiler «Nasenball» sagen. Seit Jahren gehört er bei vielen Fasnächtlern fix ins Programm, ebenso wie die Chesslete (siehe Kasten).

Viel Unterstützung für die Chesslete im Dorf

Die Niederwiler Chesslete findet auf einer traditionellen Route durchs Dorf statt. Obwohl es kein Restaurant mehr gibt, wird auch heuer eine Mehlsuppe serviert. «Therry Briggen und Martin Kasper haben sich spontan entschieden, eine Mehlsuppe zu kochen und sie uns an der Gsteiggasse, wo sie wohnen, auszuschenken.» Erich Kammer von der Chessler-Zunft Niederwil freut sich. «Obwohl wir mit Riedholz fusioniert haben und trotz der Skiferien haben wir jetzt schon viele Interessierte, die sich erkundigt haben, ob unsere Chesslete wieder stattfindet.» Tatsächlich ist der Anlass in Niederwil einer der ältesten und traditionellsten. Die Mitglieder der Chessler-Zunft, die sich vor 21 Jahren gründete, starten immer am Morgen um 3 Uhr mit Speck und Spiegelei in den Schmutzigen Donnerstag. Sie führen zudem eine grosse Rähre mit sich, die die auf Knopfdruck lärmt, hupt, musiziert und blinkt. Nach dem Rundgang in Niederwil ziehen sie durch den Unterleberberg, bis sie am Nachmittag dann jeweils in Solothurn ankommen und das Tenue von Weiss auf Rot wechseln. (rm)

Eine grosse Dorffasnacht mit Umzug und Schnitzelbankabend kennt man in Kriegstetten. Senioren, Kinder und Gemeindebehörden – alle werden eingebunden. Auch die Biberister Dorffasnacht hat seit vielen Jahren Bestand und darf heuer ihren 70. Geburtstag feiern. Spezialitäten wie das «Schnägg erwecken» werden ebenso gepflegt wie die Kinder- oder die Beizenfasnacht. Letztere könnte allerdings schon bald ins Wanken kommen, denn zwei Restaurants werden in den nächsten beiden Jahren schliessen.

In Selzach wurde in den letzten Jahren viel Neues aufgebaut. Der Street Gugge Power am späteren Samstagnachmittag ist beliebt und seit einigen Jahren gibt es wieder einen Altfasnachts-Anlass. Heuer fällt allerdings das «Sauzfass-Gaudi» aus. Weil es innerhalb der VFZ (Vereinigte Fasnachtszunft) Wechsel gab und viele neue Leute am Werk sind, mussten diese erkennen, dass es nicht möglich ist, auf Biegen und Brechen alles durchführen zu wollen.

Langendorf hat keine eigene Gugge mehr, nachdem sich die Dürrbachschränzer aufgelöst haben. Die Beizenfasnacht am Donnerstagabend wird aber trotzdem im gewohnten Rahmen durchgeführt.

Abschied der Wöschwiiber

In Lommiswil wird nur noch ein Fasnachtsanlass am Samstagabend im «Lamm» durchgeführt. Dort werden die «Wöschwiiber» ihre Abschiedsgala geben. In Derendingen entfällt der Kostümball am Samstagabend. Dafür werden die Herregäägger wiederum eine Fasnachtsbeiz führen. Auch in Feldbrunnen-St. Niklaus gibt es heuer keinen Kinderball und auch keinen Fasnachtsabend am Samstag. Die Luterbacher wiederum haben sich auf einen neuen Abend geeinigt. Neu wird die traditionelle Beizenfasnacht am Donnerstag- und am Montagabend durchgeführt.

Weshalb setzt man sich für die Dorffasnacht ein?

Daniel Affolter, Ober Kriegstetten «Ich setze mich für unsere Dorffasnacht ein, weil es nichts Schöneres gibt, als anderen Freude zu machen und dabei selbst auch Freude zu haben.»
4 Bilder
Philipp Häfliger, Präsident VFZ Selzach «Ich bin ein Fasnachtsmensch und tue gerne etwas für Selzach, weil mir die Ambiance hier gefällt.»
Marc Peyer, Bolken «Es macht einfach Spass, und es wäre schade, wenn es in Bolken keine Fasnacht mehr geben würde.»
Susanne Scheidegger, Obernärrin Biberist «Als gebürtiger Innerschweizerin liegt mir die Fasnacht im Blut, und das gebe ich gerne auch weiter.»

Daniel Affolter, Ober Kriegstetten «Ich setze mich für unsere Dorffasnacht ein, weil es nichts Schöneres gibt, als anderen Freude zu machen und dabei selbst auch Freude zu haben.»

zvg