Aeschi
«Einfamilienhaus im Taschenformat»: In Aeschi entstehen neue Alterswohnungen

Am Dorfeingang von Aeschi werden altersgerechte, zwischen 106 und 115 Quadratmeter grosse Wohnungen gebaut. Solche Alterswohnungen fehlen im ganzen äusseren Wasseramt.

Rahel Meier
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Visualisierung Alterswohnungen Aeschi
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Alle Wohnungen haben einen rund um das Haus herumführenden Balkon mit zwei Sitzplätzen.
Einer der Balkone ist zudem verglast.
Im Gemeinschaftsbereich wird es eine kleine Pergola geben...
Und eine Boulebahn.
Die Wohnungen sind als Viereinhalbzimmerwohnungen konzipiert.
Die neuen Eigentümer können bei der Austattung mitreden.

Visualisierung Alterswohnungen Aeschi

zvg

Noch fehlt das Feedback seitens des Kantons zum energietechnischen Nachweis. Trifft dieses ein, sollte die Bewilligung für die Überbauung im «Lörenacker» in Aeschi erteilt werden. Der Baubeginn ist für den Frühling 2018 geplant. So viel Zeit sei nötig, weil die altersgerecht konzipierten Wohnungen individuell ausgestaltet werden können. Einerseits sind gewisse Möglichkeiten bei der Einteilung der Räume möglich und ausserdem können die neuen Eigentümer bei der Einrichtung von Küche und Bädern mitreden.

Gebaut werden drei dreistöckige Häuser mit je sechs Eigentumswohnungen. «In der ersten Etappe werden zwei Häuser errichtet», erklärt Architekt Beat Müller (Müller+Partner, Langenthal). Die Wohnungen sind als Viereinhalbzimmerwohnungen konzipiert. Wer möchte, kann den Wohnbereich vergrössern und hat dann mit Verschieben von Wänden eine Dreieinhalbzimmer-Wohnung.

Häuser an Familien mit Kindern weitergeben

Franz Misteli und Urs Stüdeli wohnen beide seit Jahrzehnten mit ihrer Familie in Aeschi. Sie sind im Dorf verwurzelt und möchten auch jetzt noch, nachdem sie beide pensioniert worden sind, im Dorf bleiben. «Aber wohin sollen wir ziehen, wenn uns ein Haus mit Umschwung zu gross wird?»

Urs Stüdeli war Präsident der Baukommission und er hatte schon vor mehr als zehn Jahren die Idee, die Gewerbezone im «Lörenacker» umzuzonen. Aber erst im Jahr 2014 wurde die Idee, die er zusammen mit Franz Misteli entwickelte, konkret. Bei Gemeindepräsident Stefan Berger stiessen die beiden auf offene Ohren. Nach einer ersten Information an der Gemeindeversammlung wurde die Gewerbezone umgezont und später wurde auch dem Landverkauf zugestimmt. Der Landpreis wurde etwas höher angesetzt, als sich dies die beiden Initianten erhofften, aber in der Zwischenzeit ist das Land verschrieben und Franz Misteli, Urs Stüdeli und der Dritte im Bunde, Beat Müller (Architekt, Müller+Partner, Langenthal), haben sich für die Realisierung des Vorhabens in der MSM Aeschi GmbH zusammengeschlossen.

Dass Misteli und Stüdeli an Beat Müller geraten sind, bezeichnen die beiden Aescher als Glücksfall. «Er hat sofort verstanden, was wir möchten.» Mitte Juni wurde die Überbauung an einer Informationsveranstaltung präsentiert. «Wir hatten ein gutes Feedback und mittlerweile sind bereits etliche Reservationswünsche eingegangen.» Die Wohnungen sollten ursprünglich in erster Linie für Aescher sein. «Aber jetzt möchten wir den Perimeter öffnen. Denn auch in anderen Gemeinden im äusseren Wasseramt fehlen altersgerechte Wohnungen.» (rm)

Grosszügig geplant

In Aeschi fehlen altersgerecht ausgebaute Wohnungen und Eigentumswohnungen. «Genau das suchen aber Leute wie wir. Wir haben jahrzehntelang in einem eigenen Haus gewohnt. Dieses wird langsam zu gross und sollte eigentlich an eine junge Familie übergeben werden», erklären Franz Misteli und Urs Stüdeli (siehe Kasten).

Architekt Beat Müller kennt diese Bedürfnisse recht genau. Die Wohnungen, die er in Aeschi plant, sind alle zwischen 106 und 115 Quadratmeter gross. «Ist die Wohnung zu klein, zügelt niemand aus dem eigenen Haus weg.» Der Grundriss der Wohnungen entspreche einem Einfamilienhaus im Taschenformat, meint Müller. Damit spricht er die Aufteilung in einen sozusagen öffentlichen Wohn- und Essbereich und einen abgetrennten, eher privaten, Schlafbereich an. «Der Wohnbereich ist durchgehend gestaltet, sodass man immer den Jura im Blick hat.»

Speziell sind auch die Balkone. Weil Attikawohnungen sehr gefragt sind, habe man das Konzept so ausgearbeitet, dass alle Wohnungen einen rund um das Haus herumführenden Balkon mit zwei Sitzplätzen haben. Bis zu 66 Quadratmeter Aussenfläche ergeben sich dadurch. Einer der Balkone ist zudem verglast. Nicht als Wintergarten, aber vor allem als Schutz vor dem Wetter.
Müller macht zudem klar, dass die Wohnungen zwar altersgerecht gebaut würden, dass es aber nicht Alterswohnungen seien. «Sie können genausogut von jungen Leuten bewohnt werden.»

Mit Gemeinschaftsbereich

Die Fassaden der Häuser werden mit Stahl, Beton und Holz gestaltet. Auf dem Dach wird eine Photovoltaikanlage platziert. In der Einstellhalle finden 30 Fahrzeuge Platz. In den Kellerabteilen (wahlweise auch in der Wohnung) gibt es Waschmaschine und Tumbler für jede Partei, dazu kommen Bastelräume, die erworben werden können. Im Aussenbereich ist ein Aufenthaltsraum mit einer kleinen Küche und einer Toilette vorgesehen.

Vervollständigt wird dieser Gemeinschaftsbereich durch eine kleine Pergola und eine Boulebahn. «Ein gemeinschaftlich nützbarer Raum ist gerade für ältere Menschen wichtig», erklärt Müller. Wenn die Welt immer kleiner werde, dann seien soziale Kontakte umso wichtiger. Logisch, dass auch Einstellhalle und Aussenräume altersgerecht ausgestaltet werden.