Wenn die Worte «SP» und «Luterbach» fallen, dann fehlt meist auch Willi Ritschard nicht. «Willi national», der erste Arbeiter im Bundesrat, verbrachte quasi sein Leben in der Wasserämter Gemeinde. Dort fand der beliebte SP-Bundesrat auch seine letzte Ruhestätte. Doch all der Trubel um ihren bekanntesten Kopf, dessen Sohn Rolf auch Solothurner Regierungsrat war, half der SP-Ortspartei in Luterbach nicht. Obwohl die Genossen in der Gemeinde etwa bei kantonalen Wahlen gute Wahlresultate einfuhren, musste 2016 die Luterbacher SP-Ortspartei zu Grabe getragen werden.

Man könnte meinen, dass die fehlende Konkurrenz die anderen politischen Parteien gefreut hat. Doch in Luterbach war das Gegenteil der Fall. Vergangenes Jahr schalteten CVP, FDP und SVP gemeinsam im «Azeiger» ein Inserat, in dem sie die Luterbacherinnen und Luterbacher SP-Sympathisanten dazu aufriefen, doch wieder eine SP-Ortspartei zu gründen. «Es mag Sie erstaunen, wenn wir Werbung für die Konkurrenz machen. Uns geht es aber nicht um die Konkurrenz, sondern um das Dorf», schrieben die Bürgerlichen. In Zeiten, in denen Gemeinden um das politische Mitmachen ihrer Bürger kämpfen müssen, gefiel es den Bürgerlichen gar nicht, dass die bei den Kantonsratswahlen stärkste Partei im Dorf nicht mehr im Gemeinderat mitmacht. Der rührige Wiederbelebungsversuch über alle Parteigrenzen hinweg sorgte damals für schweizweite Schlagzeilen.

Und tatsächlich stehen am Freitag die Zeichen für einen Neustart gut: Am Donnerstag nämlich vermeldete das kantonale SP-Sekretariat, «dass nach langer Vorarbeit die SP Luterbach am 28. März 2018 neu gegründet wird». Parteisekretär Niklaus Wepfer schreibt «So rasch findet man nicht Menschen, die gewillt sind, eine einst starke Partei wieder aufzubauen und sich für das Allgemeinwohl von Luterbach einzusetzen. Doch jetzt, ein Jahr später, sind wir so weit und können mit neuer Crew die SP-Sektion neu gründen.» Einfach sei dies nicht gewesen, sagt SP-Sekretär Wepfer.

«Es braucht Zeit.» Zuerst hat die Kantonalpartei in alle Luterbacher Haushalte Flyer verteilen lassen. Wer sich interessierte, konnte sich melden. Dann gab es ein erstes, ein zweites, ein drittes Treffen, bis die Neugründung so weit war. Dass es sich um die Willi-Ritschard-Sektion gehandelt habe, habe keine Rolle gespielt. «Wir geben uns bei allen Sektionen Mühe», so Wepfer.

Alte und junge Politprominenz

Die Wiederbelebung der SP freut Gemeindepräsident Michael Ochsenbein (CVP). «Es ist nicht gut, wenn die 30 Prozent SP-Wähler im Gemeinderat nicht abgebildet sind», sagt der Kantonsrat. «Neben den drei bürgerlichen mag es eine weitere Partei leiden.» Gerade weil das Parteipolitische auf Gemeindeebene keine Rolle spiele, könne man sich helfen. Gewünscht sei vor allem ein aktives politisches Dorfleben.

Die Wiederbelebung soll nicht ohne eine grössere Feier geschehen. Am kommenden Mittwochabend lässt die kantonale SP deshalb nicht nur Juso-Präsidentin Tamara Funiciello nach Luterbach reisen. Ein Gastreferat halten wird auch der bald 92-jährige Helmut Hubacher, von 1975 bis 1990 Präsident der SP Schweiz. Ob die neue SP Luterbach die alten Zeiten von Willi Ritschard aufleben lassen kann, wird sich zeigen müssen. Hubacher zumindest wird dies am Mittwochabend gewiss schaffen.