Lüsslingen-Nennigkofen
Eine tolle Zeit mit vielen guten Erinnerungen geht zu Ende: Der «Dorftreffpunkt» muss schliessen

Brigitte Winz und Simone Iseli schliessen ihr «Kafi et cetera» in Lüsslingen-Nennigkofen.

Lucilia Mendes von Däniken
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Simone Iseli (links) und Brigitte Winz in ihrem «Kafi et cetera»

Simone Iseli (links) und Brigitte Winz in ihrem «Kafi et cetera»

Michel Lüthi/bilderwerft.ch

Als Brigitte Winz und Simone Iseli 2015 im Kulturhof Weyeneth in Lüsslingen-Nennigkofen das «Kafi et cetera» eröffneten, taten sie dies mit dem Ziel, dem Dorf zu einem Treffpunkt zu verhelfen. Nun, fünf Jahre später, haben die beiden Betreiberinnen beschlossen, das «Kafi et cetera» wieder zu schliessen.

Zwar sei es ihnen gelungen, vielen Dorfbewohnern zu einem Mittelpunkt zu verhelfen, aber das alleine reiche nicht. «Unser Ziel war nie, damit reich zu werden. Aber seit ein paar Monaten legen wir drauf – und so können wir leider nicht mehr weiter machen», erklären sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einem weinenden, weil es ihnen leidtue, dass sie ihre Stammkundschaft bald nicht mehr bedienen dürfen, einem lachenden, weil gute Erinnerungen bleiben. «Wir werden das Jassgrüppli vermissen, zu dem wir uns manchmal hinzusetzen mussten, wenn ihnen ein Gspänli fehlt», erzählen sie und ergänzen, dass im Zusammenhang mit der Jassgruppe ihnen dann wohl auch gleich der grösste Fehler in diesen fünf Jahren passiert sei. Ein Fehler, der mit einem Augenzwinkern zu geniessen ist: «Wir haben es verpasst, in unserem Kafi Jassregeln aufzuhängen.» So mussten sie immer mal wieder Schiedsrichter spielen.

Die Coronakrise gab den Ausschlag

Doch nicht nur die Jasser waren gern gesehene Gäste, sondern auch Sänger, Jahrgänger und spontane Velofahrer oder Spaziergänger. Und in Erinnerung bleibe sicher auch das ältere Ehepaar, welches regelmässig im Kafi die Zeitung gelesen habe. Zudem seien die Mütter der im Kulturhof angesiedelten Spielgruppenkinder immer wieder auf einen Kafihalt geblieben. «Aber die Spielgruppe musste schliessen, wegen Corona – und das leider dauerhaft.»

Ja, auch wenn sie das Thema nicht mögen, geben Winz und Iseli zu: Corona habe auch dem «Kafi et cetera» zugesetzt. Zwar seien das Virus und die damit verbundenen Massnahmen nicht alleine schuld, aber diese Situation sei jetzt wie der Tropfen zu viel gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Noch bis 18. Dezember ist das Kafi am Mittwoch- und Freitagnachmittag geöffnet – dann schliesst es die Türen für immer. Eine Austrinkete soll es nicht geben: «Wir verabschieden uns so, wie wir gekommen sind: still und leise.»

Die Besitzer sind offen für neue Ideen

Was danach mit den Räumlichkeiten passiert, steht noch in den Sternen. Ungenutzt bleiben sie aber nicht. Denn die Gaststube dient als Frühstücksraum für B&B-Gäste oder als Räumlichkeit für das Kursangebot des Kulturhofs, zudem kann sie für Anlässe gemietet werden. «Die vergangenen fünf Jahre mit dem ‹Kafi et cetera› waren schön und bereichernd. Ich möchte diese Zeit nicht missen», so die Betreiberin des Kulturhofs Doris Weyeneth. Sie sei aber offen für neue Ideen: «Wir sind Veränderungen gewohnt, diese bergen auch immer neue Chancen. Wir lassen uns überraschen und sind gespannt, was kommt.»