Pedro Gambande, Besitzer einer Abbaufirma, hat in den letzten Jahren das Metall im Attisholz Nord verschrottet und dabei Stahlkessel und Metallsilos, Rohre und Maschinen in Kleinteile verwandelt. Aber den Güterwagen mit dem gelben, tankförmigen Aufbau, der früher für Papiertransporte genutzt wurde, den wollte er nicht verschrotten. Für den hat er sich einen anderen Zweck ausgedacht und baute das Gefährt mit Kollegen vor vier Jahren in eine Bar um.

Nun steht der umgebaute Güterwagen bei der Fussgängerbrücke im Industrieareal Attisholz Nord. In grossen Lettern steht der Name La Chiquita auf dem auffälligen, gelben Behälter auf dem ehemaligen Güterwagen. Der Name erinnert an den gleichnamigen Markennamen einer Banane, bedeutet aber kleines oder niedliches Mädchen, sinngemäss Schätzchen oder Süsse. Wirtin der Tapas-Bar ist die 38-jährige Silvia Bonfane.

Die Künstlerin aus Brasilien studierte in der Schweiz Betriebswissenschaft und ist Pedro Gambandes Partnerin und Mutter zweier Kinder. In den ersten Jahren wurden nur Privatpartys organisiert. Zu heikel war die Situation mit den gleichzeitig stattfindenden Verschrottungsarbeiten. «Jetzt haben wir uns gesagt, wollen wir La Chiquita richtig öffnen», so Bonfane. Die Lage im Industrieareal an der Aare sei ein Privileg, das genutzt werden müsse.

Bar, Restaurant und Galerie

In der Lounge unter dem weit auskragenden Dach der Fabrikhalle, mit Blick auf das grüne, träge dahinfliessende Aarewasser und die nahe Baustelle von Biogen, können die Tapas und Getränke genossen werden. «Ich will nicht nur eine Bar führen. Aber wir gehen Schritt für Schritt.» Zuerst die Bar, draussen an der frischen Luft, später will Silvia Bonfane ein Restaurant in der Halle eröffnen mit einer angegliederten Kunstgalerie und viel Musik.

«Wir sind kein normales Restaurant, dafür ist der Küchenplatz zu beschränkt.» Angeboten werden Tapas, kunstvoll zusammengestellte Häppchen, die zu Wein oder Bier gereicht werden. «Wir verpflegen unsere Kunden, bieten aber nicht grosse Menüs an.» Das Zusammensitzen, miteinander Reden stehe im Vordergrund. Geöffnet ist ab zirka 11 Uhr bis 22 Uhr. «Wenn die Gäste länger bleiben, bleibe ich auch länger.» Mit einer Mitarbeiterin und dem gelegentlichen Einsatz eines Kochs bewältigt Silvia Bonfane den Betrieb.

«Anfangs hat es viel geregnet und jetzt sind die Sommerferien. Aber ich bin dennoch zufrieden mit der Frequenz. Wer kommt, kommt wieder. Das finde ich schön.» La Chiquita sei ein Projekt, dem sie viel Zeit und Energie geben will, sagt sie zuversichtlich.