Lommiswil
Eine Premiere wurde gleichzeitig zur Derniere – letztes Konzert unter Roger Müller

Die Brass Band Lommiswil spielte letztmals unter der Leitung von Roger Müller und erstmals in der Reformierten Kirche in Bellach.

Hans Blaser
Drucken
Teilen

Hans Blaser

Erstmals verlegte die Brass Band Lommiswil das zweite ihrer traditionell zwei Adventskonzerte in die Reformierte Kirche Bellach. Der helle und freundliche Raum erwies sich auch akustisch als ideal. So konnte sich die Band bei ihrem letzten Auftritt unter der Direktion von Roger Müller aus dieser Sicht uneingeschränkt präsentieren.

Offensichtlich zu schaffen macht ihr aber wie vielen Musikkorps auch der Mitgliederschwund. Es waren nicht ganz alle Standard-Positionen besetzt. Das tat aber dem musikalischen Erlebnis keinen Abbruch. Die sorgfältige Stückwahl liess es glattweg vergessen. Das fing schon bei «Brass Night» von Alan Fernie an. Das war Brass Band Musik und war auch ganz Alan Fernie. Da gefiel das kompakte Kollektiv vom ersten bis zum letzten Ton.

Einen Stilwechsel vollzog die Band jedoch schon mit dem zweiten Titel. Da war mit «The Ludlows» Filmmusik von James Horner aus dem Jahr 1994 angesagt. Charakteristische Melodielinien wurden anfangs vom Flügelhorn gesponnen. Sie wurden danach von einem Althorn aufgenommen und schliesslich nach und nach ins Tutti überführt. Von da wurden sie später von den beiden Euphonien vorübergehend erneut aufgegriffen. Das zeigte, wie unterschiedlich Brass Band-Besetzung eingesetzt werden kann.

Erneut ganz anders wirkte die «Suite 1600». Geschrieben hat sie der deutsche Musiker Johann Christoph Pezel. Er trug nach den damaligen Gepflogenheiten den Titel des Stadtpfeifers. Er lebte von 1639 bis 1694 und schrieb diese Suite der Zeit entsprechend für Posaunen und Zinken. Der Niederländer mit Jahrgang 1951 Jan de Haan hat diese Noten ausgegraben und 1987 für heutige Brass Band instrumentiert. Vier der eigentlich fünf Sätze präsentierte die Band. Der dritte, eher getragene begann mit einem Cornet-Solo. Ihm folgte ein schnell gespielter fulminanter Schlusssatz. Auch wechselnde Tempi, aber innerhalb des Stückes, charakterisierten «How great thou Art» arrangiert von Eric Ball.

Ein Geschenk des Dirigenten

Mit «Il est né», einem französischen Weihnachtslied, arrangiert von Kevin Norbury, schwenkte die Brass Band in den winterlich-weihnächtlichen Themenbereich. Sie suchte aber auch da eher Unbekanntes, wie ebendieses Lied, das vom Engländer Kevin Norbury für Brass Band arrangiert wurde. Dem Publikum dürfte aber «Winter Wonderland» bekannt vorgekommen sein. In Steve Sykes Arrangement glaubt man schon zu Beginn, Pferde wiehern zu hören. An

Pferde erinnern zuverlässig jedoch erst die Pferdeschellen am Schluss.
Mit einem speziellen Titel beschloss die Band das Programm. Sowohl der Titel «Betelehemu» wie der Komponistenname Babatunde Dlatunji lassen fremde Herkunft erahnen. Der Dirigent verriet, dass die Komposition in den frühen 50er Jahren in Afrika entstanden sei. Afrikanische Rhythmen waren tatsächlich klar erkennbar. Abzulesen war auch Spielfreude in den Gesichtern der Musizierenden. Arrangiert hat ihnen dieses Stück Roger Müller, der in den letzten fünf Jahren an ihrem Dirigentenpult stand, so quasi zum Abschied.

Als Zugabe spielte die Band bei Kerzenlicht einen von Roy Newsome arrangierten Choral.

Aktuelle Nachrichten