Zuchwil
Eine neue für zwei alte Brücken

Der Kanton plant den Ersatz der Emmebrücken 4/2 und 4/4. Die Mitwirkung wurde gestartet und dauert bis Ende Januar.

Urs Byland
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Die nördliche Brücke (im Bild), 1974 gebaut, wird abgerissen. Unter der Brücke mit zwei Pfeilern wird ein Teil der Werkleitungen über die Emme geführt.

Die nördliche Brücke (im Bild), 1974 gebaut, wird abgerissen. Unter der Brücke mit zwei Pfeilern wird ein Teil der Werkleitungen über die Emme geführt.

Urs Byland

Der Ersatz der letzten Emmebrücken, vor der Mündung in die Aare, wird für den Kanton zur Herkulesaufgabe. Viele Player reden mit und müssen berücksichtigt werden. So die beiden Gemeinden, die laut Gemeindepräsident Stefan Hug (Zuchwil) nicht unschuldig waren, dass das Projekt bisher Verzögerungen erfuhr.

Beide Gemeinderäte sind sich nun aber einig darin, dass die Brücken ersetzt und die Werkleitungen separat über die Emme geführt werden sollen sowie – dass ihnen keine Kosten entstehen dürfen. Einen Unterschied gibt es aber in der Haltung der Gemeinderäte zum dem neuen Werk. (Siehe Kasten)

Direkt involviert sind auch die Betreiber der Werkleitungen, die an den bestehenden Brücken angebracht sind. Der Brückenersatz erfolgt zudem in Abstimmung mit den Projekten Hochwasserschutz, Biogen-Neubau, Kebag-Neubau und Veloführung von Luterbach nach Zuchwil.

Die Hauptrolle gehörte einer Vision

Der Ersatz der beiden Emmebrücken durch eine neue Brücke und einen Werkleitungssteg war am Mitwirkungsanlass im Publikum beinahe unbestritten. Im Unterschied zum Luterbacher Gemeinderat, der den Werkleitungssteg auch als Langsamverkehrsbrücke ausgestaltet haben will, fordert der Zuchwiler Gemeinderat nur, dass dieser Ausbau allenfalls möglich sein soll. Die kantonalen Planer setzen in ihrer vorläufigen Variante aber voll auf die neue Brücke, die im Abstand von 15 Meter zum Werkleitungssteg gebaut wird. Diese soll den Langsamverkehr über die Emme führen, eben auf einem vier Meter breiten Streifen, im Gegenverkehr und mit Zufahrtsrampen. «Wir wollen keine Präjudiz schaffen», erklärte der Abteilungsleiter Kunstbauten, Simon Amsler.
Präjudiz? Natürlich für die bereits heftig diskutierte Vision einer Velobrücke beim Emmenspitz. Diese ist im neusten, vom Bund noch zu genehmigenden Agglomerationsprogramm aufgeführt. Und sie spielte am Mitwirkungsanlass die Hauptrolle. «Wenn wir eine schlechte Lösung für den Langsamverkehr gestalten, wird uns möglicherweise vorgeworfen, Argumente für die Velobrücke zu schaffen.» In der Folge kreuzten im Lindensaal Gegner (Auenwaldschützer) und Befürworter (für eine schnelle Verbindung von Wangen nach Solothurn) der Velobrücke schon mal die Klingen. Schnell wurde klar: Die Diskussion über eine Velobrücke am Emmenspitz wird emotionaler geführt werden als diejenige zum Ersatz der Emmebrücken. (uby)

Emme erhält breiteres Bett

Hierbei das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, wird nicht einfach. Einfach ist aber das vorläufige Resultat der Planer für den Ersatz der Brücken. Die direkte Verbindung zwischen Luterbach und Zuchwil soll auf neue Beine gestellt werden. Aktuell tragen die zwei Brücken namens 4/2 und 4/4 den zunehmenden Verkehr auf der Kantonsstrasse zwischen den Gemeinden. Die eine Brücke stammt aus dem Jahr 1924 und weist diverse Defizite auf, wie Simon Amsler, Abteilungsleiter Kunstbauten beim Kantonalen Amt für Tiefbau und Verkehr, und Arbeitskollege Nader Winkler am Startanlass zur Mitwirkung vor gut 20 Personen im Zuchwiler Lindensaal ausführten.

Schon 2010 sei ein Ersatz dringendst empfohlen worden. Die zweite Brücke, 1974 Richtung Norden an die alte Brücke angebaut, könnte saniert werden. Könnte, denn: «Es macht mehr Sinn, gleich beide Brücken durch eine neue zu ersetzen», so Amsler. Nicht nur aus statischen Gründen, sondern auch weil dadurch die Emme verbreitert und die Unterkante der Brücke angehoben werden kann.

Steg und Brücke

Sinn mache eine Entkoppelung der Werkleitungen von der neuen Brücke, die auf 8 Millionen Franken veranschlagt wird. Für die Leitungen soll eigens eine schlankes Stahl-Bogen-Tragwerk 15 Meter nördlich der Brücke über die Emme gebaut werden. «Die neue Emmebrücke soll 100 Jahre den Verkehr über die Emme führen. Nach 40 Jahren wird normalerweise eine Sanierung fällig. Wenn wir jetzt die Werkleitungen separat über die Emme führen, müssen diese dann nicht umgeleitet werden. Und auch jetzt beim Bau fällt eine nochmalige Verlegung zurück unter die Brücke weg», erklärt Nader Winkler.

Dabei handle es sich nicht um «Gartenschläuche». Gross dimensionierte Dampf-, Wasser-, Strom- sowie neu eine separate Abwasserleitung sowie eine Gasleitung für Biogen werden über den Steg verlegt, dessen Kosten von 1,25 Mio. Franken durch die Leitungsbetreiber bezahlt werden.

Bereits in Bau ist die erste Etappe der Biogen-Leitungen bis zum Abwasser-Pumpwerk des Zase (Zweckverband der Abwasserregion Solothurn-Emme) östlich des Emmen-Kanals. In der zweiten Etappe wird die Leitung über die Emme zum neuen Vorbehandlungsanlage der Zase geführt. Dort wird das nährstoffreiche Biogen-Abwasser gereinigt. Aus den Nährstoffen wird Biogas gewonnen.

Neue Lösung für Veloverkehr

Die neue Brücke überquert die Emme auf nur einem Pfeiler (bisher zwei Pfeiler). Das wirkt sich im Hochwasserfall günstig aus. Das Bett der Emme kann um zirka 20 Meter verbreitert werden, und dies nicht nur ostseitig (15 Meter), wie schon im Hochwasserschutzprojekt vorgesehen, sondern auch westseitig (5 Meter). Die neue Brücke liegt etwas höher als die alten. Das Profil ist abgeschrägt, sodass sich keine Bäume verfangen können. Auf der nördlichen Seite der Fahrbahn steht dem Langsamverkehr (im Gegenverkehr) ein vier Meter breiter Streifen zur Verfügung. Der Veloverkehr soll westseitig mit einer langen Rampe zum Aareveloweg geführt werden.

Der Terminplan ist ambitioniert. Ein Bau gleichzeitig mit dem Kebag-Neubau ist unmöglich. Dieser startet 2020. Deshalb soll noch 2017 im Winter bei Niedrigwasser der Werkleitungssteg erstellt werden. 2018 würden die Leitungen umgelegt. Ab Herbst 2018 wird die Brücke 4/2 abgebrochen und eine Hälfte der neuen Brücke gebaut. Im Winter 2019/20 folgt der Abbruch der zweiten Brücke und die Fertigstellung der neuen Brücke. Der Verkehr wird immer zirkulieren können.

Die Mitwirkung können alle Interessierten nutzen. Sie läuft bis 31. Januar.
Eingaben sind an den Kanton zu richten.