Lüterkofen
Eine komplette Wiederholung von «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» diente als Zugabe

Zum vierten Mal wurde in der Kirche Lüterkofen ein Adventskonzert aufgeführt. Ein voller Erfolg, denn den Soundtrack zu «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» diente als Zugabe.

Hans Blaser
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Das Projektorchester beim Stimmen der Instrumente.

Das Projektorchester beim Stimmen der Instrumente.

Hans Blaser

Angefangen hat alles mit einigen Flötenschülerinnen und -schülern von Verena Stucki. Gemeinsam fanden sie, dass es doch toll wäre jeweils ein kleines Konzert zu veranstalten. Daraus wuchs der Wunsch, dieses vor der Weihnacht anzusetzen. Das mit einem kleinen Orchester tun zu können, wäre sogar eine Steigerung. Die Idee des Projektorchesters war geboren. Verena Stucki hatte Glück. Sie fand in Jean-Pierre Moresi den idealen Dirigenten. Bald darauf fand sich mit der Kirche Lüterkofen auch der geeignete Ort. Moresi war vom Projekt absolut überzeugt.

Auf den Leib geschrieben

Dass er das noch immer ist, wird bei seiner tollen Moderation sichtbar. Er schwärmt von den Musikstücken und scheint fast in sie hineinzuschlüpfen. Es ist geradezu Feuer zu spüren. Mit viel Herzblut sucht er jedes Jahr die passende Literatur für die aktuelle Besetzung. Diese muss nämlich jedes Jahr aufwendig zusammengesucht werden. Er arrangiert die gewählten Werke für die vorhandene Besetzung, die praktisch nie mit dem Original übereinstimmt. Dabei wird er auch durch Walter Stucki unterstützt.

Das vierte Weihnachtskonzert begann mit einem «Allegro». Geschrieben hat es Johann Christian Bach, der Mailänder oder Londoner Bach (1735 bis 1782) für Flöten und Orgelbegleitung. Moresi liess es sich nicht nehmen, die Begleitstimmen in das Orchester zu integrieren. Das achtköpfige Flötenregister erhielt damit die dezente Unterlage für seinen dominanten Auftritt. Man bekam auch eine Ahnung davon, weshalb der jüngste Sohn Johann Sebastians Einfluss auf Wolfgang Amadeus Mozart hatte, der ihn auch sehr achtete.

18-jähriger Konzertmeister

Von Anton Stamitz kennt man weder seinen Geburts- noch seinen Todestag. Er muss wohl ein guter Violinist gewesen sein. Ein Müsterchen seiner kompositorischen Fähigkeiten lieferte das Orchester mit einem «Adagio». Das Violinensolo spielte der 18-jährige Timon Borter aus Frutigen, der auch als Konzertmeister fungierte.

Mit dem «Divertimento in F Dur» von Joseph Haydn wechselte das Orchester in die Wiener Klassik. Was der damals 28-jährige Haydn für sechs Bläser schrieb, wurde von Walter Stucki auf die vorhandenen Bläser des Orchesters angepasst und auch von ihm dirigiert. Schon vom Titel her passte die «Weihnachts-Suite Nr 1» natürlich in das Weihnachtskonzert. Ihr Komponist François Joseph Gossec (1734 bis 1829) ist zwar heute weniger bekannt als einige seiner Altersgenossen. Dennoch hat er wunderschöne Musik geschrieben wie die vier Sätze dieses Werkes bewiesen.

Mit dem Soundtrack zu «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» führte das Projektorchester in die Musik der heutigen Zeit zurück. Die Musik zu diesem Märchenfilm aus dem Jahr 1973 schrieb der Tscheche Karel Svoboda (1938 bis 2007). Eine komplette Wiederholung davon diente als Zugabe.