Feldbrunnen - Sankt Niklaus

Eine Kavalierstour, eine Heilige und ein Adelsdiplom

Die beiden Adelsdiplome Kaiser Leopolds I. von 1695 mit den Siegelkapseln.

Die beiden Adelsdiplome Kaiser Leopolds I. von 1695 mit den Siegelkapseln.

Auf Schloss Waldegg zeigt Kurator André Schluchter in einer Sonderausstellung bemerkenswerte Stücke aus der Familiengeschichte der von Besenval. Unter den Exponaten sind unter anderem Bücher und eine Büste von Peter Viktor von Besenval.

Was die Habsburger für Wien, waren in kleinerem Umfang die von Besenval für Solothurn. Ihr reiches kunst- und kulturhistorisches Erbe ist in der Ambassadorenstadt auf Schritt und Tritt noch heute nachzuverfolgen.

Natürlich besonders auch auf Schloss Waldegg, dessen Erbauer Johann Viktor von Besenval (1638–1713) war. Und doch gibt es eine Reihe von Dokumenten und Objekten, die eng mit den Familienmitgliedern der von Besenval verbunden sind, die heute aber nicht auf dem Schloss zu besichtigen sind.

Mit der Sonderausstellung «Besenvaliana» hat nun Waldegg-Kurator André Schluchter an fünf verschiedenen Stationen im Schloss einige dieser Lücken gefüllt. Im Gartensaal sind neben einer Büste von Peter Viktor von Besenval (1740–1823) verschiedenste Bücher zu sehen, die dieser sozusagen als Versöhnungsgeschenk der Stadt Solothurn schenkte, und die damit den Grundstock für die Stadtbibliothek, später Zentralbibliothek, bildete.

Grund für die Schenkung war, dass der vorwiegend in Frankreich lebende Baron massgeblich an einer Heeresreform beteiligt war, die den Hauptleuten einige Verdiensteinbussen brachte.

Davon waren auch Solothurner Familien betroffen. Die Schenkung der Bücher – aus dem Besitz seines Grossvaters Johann Viktor notabene – sollte die Gemüter beruhigen, was auch geschah.

Es sind vorwiegend Reisebücher und Sachbücher aus fernen Ländern zu sehen, die beweisen, über welche universellen Interessen der Bibliotheksgründer verfügte.

Die Geschichte der Besenval beginnt in Solothurn bekanntlich mit Martin Besenval (1599–1660), einem Einwanderer aus dem Aostatal. In Augsburg mit Silberhandel reich geworden, liess er sich 1628 in Solothurn nieder.

Durch Salzhandel und schliesslich dem Salz-Monopol, sowie der Heirat mit der Schultheissen-Tochter Katharina Schwaller, wurde er zu einem der reichsten Solothurner. In einer Vitrine sind die elsässischen Besitztümer und Liegenschaften der von «Besenval zu Brunnstatt» zu entdecken. Leider sind nur noch ganz wenig Spuren nachweisbar.

Umso bedeutender eine Leihgabe aus dem Museum Château de Penthes bei Genf. Dort befinden sich zwei Adelsbriefe, die der habsburgische Kaiser Leopold I. für die Brüder Johann Viktor (1638–1713), Peter (1647–1704) und Karl Jakob (1649–703) sowie ihren Neffen Franz Joseph (1657–1710) von Besenval ausstellte.

Im gleichen Raum ist auch eine Video-Dokumentation über die damals in Adelskreisen übliche Kavalierstour zu entdecken, die vier junge Solothurner Patrizier durchführten. Im Frühjahr 1661 brachen der junge Johann Viktor I. von Besenval und seine Freunde zu einer Art Bildungsreise durch Europa auf, die ihnen Weitsicht und Erfahrungen bringen sollte.

Die Reiseroute einer solchen in Adelskreisen üblichen Kavalierstour war mehrheitlich standardisiert und führte die jungen Männer von Paris nach London, Amsterdam, Köln, Heidelberg, Wien, Venedig, Rom bis nach Malta.

Dann ging es retour über Neapel, Rom via Frankreich nach Solothurn zurück. Man reiste mit Ross und Wagen, per Schiff, per pedes – einfach, wie es sich gerade ergab. Mit dabei war auch eine Anzahl Dienerschaft. Ein gutes Jahr waren die vier unterwegs, davon zeugt ein Reisebeschrieb, welcher einer der Mitreisenden 1666 verfasste.

Eine der herausragendsten Vertreterinnen deren von Besenval ist die bis heute unvergessene Gertrud von Sury, verheiratete von Besenval. Auch zu ihrem fast einer griechischen Tragödie ähnlichen Leben sind Objekte zusammengestellt worden.

Neben Porträts von ihr selbst, ihrem Gatten und ihren Kindern sind in einer Vitrine Schriften zu sehen, die zum Leben und Wirken der Gertrud von Sury Jahre nach ihrem Tod erschienen sind.

Schloss Waldegg: «Besenvaliana». Sonderausstellung bis 20. Dezember 2015. www.schloss-waldegg.ch

Meistgesehen

Artboard 1