Deitingen
Eine Hymne an die Vielseitigkeit der Klarinette

Auch Solothurner Komponisten kamen beim Auftritt des Nationalen Jugendblasorchesters in Deitingen, Visp und Interlaken zu Ehren.

Hans Blaser
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Die Klarinetten-Front mit Konzertmeisterin Laura Valeria Müller (links) und Daniela Braun (Mitte), Solistin des ersten Konzertteils.

Die Klarinetten-Front mit Konzertmeisterin Laura Valeria Müller (links) und Daniela Braun (Mitte), Solistin des ersten Konzertteils.

Das Nationale Jugendblasorchester NJBO wird vom Schweizer Blasmusikverband und dem Schweizer Jugendmusikverband getragen. Es bezweckt die Förderung und Pflege der Blasorchestermusik auf hohem Niveau mit einer jährlichen Musikwoche. Dabei wird ein anspruchsvolles Konzert erarbeitet.

Das wurde diesmal an den drei Standorten Deitingen, Visp und Interlaken aufgeführt. Erstmals stand es unter der Gesamtleitung von Beat Blättler. Er wählte die Konzertliteratur. Dabei hatte er eine einzige Vorgabe zu befolgen.

Im Jahr der Klarinette – ausgerufen vom Schweizer Blasmusikverband SBV – musste eine der drei vom SBV georderten Auftragskompositionen eingebaut werden. Da drängte sich natürlich Franco Cesarinis «Concertino For Clarinet», ein Werk für Solo-Klarinette und Blasorchester auf. Die Uraufführung wurde einer der Höhpunkte.

Nach Möglichkeit werden beim Programm jeweils die Konzertorte berücksichtigt. Gleich zwei Solothurner fanden deshalb Aufnahme. Marco Nussbaumer, Spross eines «Mümliswiler Blasmusik-Clans» lebt nun im Baselland, ist jedoch noch immer auch Solothurner. Seinen wunderschönen Konzertmarsch «Ardent» widmete er 2012 seinem Vater Ueli. Der ist nicht nur Präsident des Solothurner Blasmusikverbandes, sondern auch Vorstandsmitglied des SBV.

Sichtlich gerührt genoss er das hervorragend gespielte Werk seines Sohnes. Einen Namen als Komponist hat sich mit Thomas Trachsel, ein anderer Solothurner längst geschaffen. Er selber findet angeblich sein Opus 100, die «Sinfonietta a-moll» entstanden 1997 nicht gelungen. Ihre gegenteilige Meinung brachten Blättler und das NJOB musikalisch zum Ausdruck und vermochten auch das Publikum zu überzeugen.

Solistin Daniela Braun aus Hinwil

Der zweite Konzertort, also Visp wurde mit der inoffiziellen Walliser-Kantonshymne «Marginan» von Jean Daetwyler berücksichtigt. Damit eröffnete das NJBO den ersten Konzertteil. In dessen Zentrum stand das «Concertino For Clarinet» von Franco Cesarini und die Solistin Daniela Braun aus Hinwil. Sie vermochte damit die Vielseitigkeit der Klarinette in den Vordergrund zu rücken. Damit entsprach sie den Erwartungen sowohl des SBV und vermutlich auch des Komponisten. Im ersten –wie sie selber sagt – etwas an Etüden angelehnten Teil überzeugte sie mit Virtuosität.

Getragen, aber voller Tonalität und nie klagend interpretierte sie den lyrischen Mittelteil und wurde dann zunehmend kräftiger und fülliger, aber einen Hauch kühler. Vom selben Komponisten – 2012 ein Vorgänger als Gesamtleiter – wählte Blättler dessen Opus 44 «Old Russian Romances». Auch da holte sich Cesarini seine Inspiration bei fremden Kulturen.

In drei Sätze verarbeitete er russische Volkslieder. Im zweiten liess er etwas die russische Schwermütigkeit anklingen. Dabei gefielen die wehmütigen Englischhorn-Passagen (Janina Keller) und die sanft und breit gespielten Flötentöne, von Simone Hubacher besonders.

Als eigentliches Hauptwerk spielte das NJBO «Symphonic Dances from West Side Story» von Leonard Bernstein. Der Komponist selber baute 1961 aus dem Musical eine Suite für Orchester. Die neun von Paul Lavender arrangierten Sätze brachte dem NJBO Dank und Gratulation durch Bildungsdirektor Remo Ankli ein. Bevor diese mit «Miss Saigon» das Programm abschlossen, riet er den jungen Leuten von 16 bis 22 Jahren, dabei zu bleiben und weiterhin so tolle Bilder wie eben in die Köpfe des Publikums zu zaubern.

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