Attisholz Nord

Eine der grössten Galerien der Schweiz: Die Kettenreaktion zwei wartet auf Entdecker

Der Verein Beneath The Surface organisiert nach 2016 eine zweite Grossausstellung urbaner Kunst auf dem Areal Attisholz Nord.

7-1-1-1-7. Das Schloss ist geknackt. Werne Feller öffnet die Aussentüre ins Untergeschoss. Es fehlt einzig das hallende Geknirsche, das in Filmen bisweilen den Gang in eine geheimnisvolle Welt begleitet. «Hier ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Noch», sagt der abtretende Präsident des Vereins BTS (Beneath The Surface). Ab dem 16. August öffnet sich diese Türe auch für das interessierte Publikum, das dann in eine der grössten Galerien, die die Schweiz je gesehen hat, eintauchen kann.

Zum zweiten Mal hat der Verein Künstlerinnen und Künstler eingeladen, im Industrieareal der ehemaligen Cellulose kürzere oder längere Zeit zu arbeiten. Noch einmal (siehe Kasten unten) verwandeln unter dem Label «Kettenreaktion» internationale und nationale Kunstschaffende die Räume und Wände und geben damit Einblick in ihr aktuelles Schaffen. Von den alten Graffitis im Aussenbereich haben nur wenige überlebt. Viele wurden mit neuen Graffitis übermalt.

Die Vergänglichkeit der urbanen Kunst

An der prominent sichtbaren Aussenwand beim Treppenabgang zum bislang abgesperrten Bereich wurden Wortblasen und Figuren in schwarzweiss hingesprayt. So sieht es jedenfalls aus, und das ganze wirkt zufällig hingekritzelt, wie man es oft sieht an Wänden im öffentlichen Raum. «Eigentlich müsste man das Werk hinter Plexiglas ausstellen», meint aber Werne Feller mit ehrfürchtiger Stimme, handle es sich doch um ein Werk eines internationalen Künstlers, dessen Leinwände bereits in Preisen um die fünfzigtausend Franken gehandelt würden. Dann zuckt er die Schulter. «Die urbane Kunst funktioniert nun mal so.»

Ein Gang führt in eine grosse Halle. Feller nennt es «die Werkstatt». Fein säuberlich kleben an Säulen grosse Buchstaben und begrenzen damit den jeweiligen Bereich, in dem die Kunstschaffenden arbeiten können. Hier sind vor allem dir regionalen Kunstschaffenden vertreten. Grossformatige Graffitis schmücken bereits einige Wände. Vera Jenni aus Günsberg arbeitet noch an ihrem Frauenporträt. Sie ist bereits das zweite Mal dabei.

Ein Stockwerk höher bearbeitet die Kroatin Dunja Jankovic ein altes Graffiti, grenzt mit Klebband Bereiche ab, die sie einschwärzen wird, und damit das alte Original in ein neues Original verwandelt.

Rutschbahn für Kinder der Familie Fischer

80 Künstlerinnen und Künstler haben im Verlauf des Sommers die ihnen zugewiesenen Flächen und Räume bearbeitet. Im ehemaligen Portierhaus wurden vom Verein Zimmer und eine Küche als provisorische Unterkünfte als Zwischennutzung eingerichtet. Zu einer Unterkunft der besonderen Art und gleichzeitig einer Kunstperformance gelangt man über eine offene Treppe über mehrere Stockwerke in einem der riesigen Industriegebäude. In den sonst offenen Hallen ist eine Ecke mit Mauern abgetrennt. Durch die Türe betritt man eine Wohnung. Im Gegensatz zu den rohen Mauern draussen, sind hier die Wände geweisst.

Man blickt in ein Wohnzimmer. Zu einem grossen Wandloch führt ein Gestell. Auf der anderen Seite der Wand steht eine Rutschbahn. «Hier hat sich Familie Fischer mit ihren Kindern in einem Kunstprojekt eingerichtet und lotet aus, was es in Industrieräumlichkeiten zum wohnlichen Leben braucht», erklärt Feller. Eines der Kinder habe sich eine Rutschbahn gewünscht. Das andere eine Kugelbahn, die nun mit Plastikrohren am Treppengeländer angebracht ist.

Der Weg führt nach dem Rundgang zurück zur verschlossenen Türe, die die arbeitenden Künstler vor störenden Blicken schützt. Ab 16. August wird sie geöffnet sein.

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