Biberist
Eine Ausstellung zu gestalten bedeutet Krafttraining im Team

Eine Ausstellung im Schlösschen Vorder-Bleichenberg zu gestalten, ist nicht ohne.

Agnes Portmann-Leupi
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Zwischenverpflegung nach getaner Arbeit.

Zwischenverpflegung nach getaner Arbeit.

Agnes Portmann

Als Krafttraining im Alltag könnte die Arbeit zweifellos bezeichnet und das Fitnesscenter ohne schlechtes Gewissen links liegen gelassen werden. Wie kleine Eisberge zeigen sich vorerst die in Plastik verpackten Eisenskulpturen und Bilder des Künstlers Framus F. Witschi im Erdgeschoss des Schlösschens.

Hergebracht hat sie ein Transportgeschäft aus dem verträumten Tessinerdorf Vogorno im Verzascatal. Dort nämlich klebt das Atelier des 90-jährigen Künstlers – einem Adlerhorst gleich – am Felsen. Die 49 Bilder und 17 Eisenskulpturen vom Atelier auf die tief liegende Strasse zu transportieren, war Aufgabe des kleinen Gepäcklifts.

Hoch, tief, links, rechts

Am Montagmorgen stehen die Kunstwerke im Schlösschen nach emsiger Auspackarbeit schon bald in Reih und Glied. Einsatzbereit sind auch die sieben Hand anlegenden Personen. Fünf Räume plus Kapelle und Korridore dürfen nun vom selbst ernannten «Kreativ-Team» ausgestaltet werden. Diskutieren, studieren und ausprobieren ist angesagt. Sollen die Räume Harmonie ausstrahlen in Farben und Formen? Oder vertragen sie einen knalligen Blickfang? Soll die Kapelle ihre Mystik behalten?

In Wirklichkeit bedeutet dies, die Bilder definitiv in die Räume zu verteilen, zu platzieren oder noch eine bessere Variante zu suchen. «Etwas tiefer, etwas höher, etwas mehr links, nein doch etwas mehr rechts, nein einmitten ist doch am besten», sind allgegenwärtige Anweisungen. Der genaue Abstand pro Bild ab Boden und von der Seite wird auf einem Zettel festgehalten.

Dann kommen die Skulpturen

Denn die Folgetruppe, das «Nagelteam», muss genau wissen, was wo aufzuhängen ist. Eine Wasserwaage ist dabei out, in ist der Kreuzlinien-Laser, welcher mittels Laserstrahl die waagrechten und senkrechten Linien anzeigt. Nun folgt – obwohl ein besonderer Kraftakt – die schöne Aufgabe der Verteilung der Eisenskulpturen. Erstaunlich, welche Wirkung sie erzielen, wenn die Form der Skulptur aus dem Bild interpretiert werden kann. Nach zwei Tagen hängen und stehen die «Kinder» des Künstlers, wie Framus F. Witschi seine Werke bezeichnet, am ausgeklügeltsten Ort.

Vernissage im Schlösschen Vorder Bleichenberg: Samstag, 20. Februar, 17 Uhr, Finissage: Sonntag, 13. März.