Deitingen

«Eine absolute Minderheit im Dorf ist für das Asylzentrum»

Urs Schläfli: «Auch ich zweifle, ob der Schachen der richtige Ort ist. Mit der Justizvollzugsanstalt hat Deitingen auf kantonaler Ebene schon gewisse Aufgaben übernommen.»

Urs Schläfli: «Auch ich zweifle, ob der Schachen der richtige Ort ist. Mit der Justizvollzugsanstalt hat Deitingen auf kantonaler Ebene schon gewisse Aufgaben übernommen.»

Der Kanton informiert am Montagabend über das geplante Asylzentrum im Deitinger Schachen. Der CVP-Nationalrat Urs Schläfli erklärt, was er vom Zentrum in seinem Dorf hält.

Als Nationalrat ist Urs Schläfli für die Asylreform und damit für die Schaffung von Bundesasylzentren. Als Deitinger ist er dagegen skeptisch, ob das Zentrum wirklich in Deitingen stehen muss. Ein Widerspruch, Herr Schläfli? Der Deitinger Landwirt erklärt im Interview, unter welchen Bedingungen er sich allenfalls mit einem Asylzentrum im Deitinger Schachen abfinden könnte.

Urs Schläfli, Sie werden als Deitinger Nationalrat sicher oft auf das geplante Asylzentrum angesprochen?

Es gibt ab und zu Nachfragen, wie ich zum Vorhaben stehe.

Und was sagen Sie den Leuten?

Wir haben ein Problem mit den Flüchtlingen. Sie kommen. Man muss also eine Lösung finden. Aber ehrlich gesagt: Niemand will sie. Und auch ich zweifle, ob der Schachen der richtige Ort ist. Mit der Justizvollzugsanstalt hat Deitingen auf kantonaler Ebene schon gewisse Aufgaben übernommen.

Sie sind also gegen ein Asylzentrum im Schachen?

Ich bin nicht grundsätzlich dagegen. Aber die Bedingungen müssen klar definiert sein. Man darf nicht vergessen: Das Land gehört zu Flumenthal, aber die Auswirkungen trägt Deitingen. Es stört mich, dass die Gemeinde deshalb rechtlich eingeschränkt ist. Da braucht es eine Lösung.

Welche Bedingungen stellen Sie?

Der Weg ins Dorf muss geregelt sein. Vielleicht sind Rayonverbote nötig, damit man die Leute nicht allzu fest wahrnimmt im Dorf. Und dann braucht es eine finanzielle Entlastung für die Gemeinde und die Befreiung von anderen Verpflichtungen.

Dann wären Sie für ein Ja?

Ein grundsätzliches Nein ist keine Lösung. Jeden Tag stehen Asylsuchende vor der Grenze. Aber es müssen verschiedene Fragen geklärt werden. So gibt es verschiedene Zahlen. Je nachdem ist von 80 oder von bis zu 400 Asylanten die Rede. Die Fakten müssen nun klar auf den Tisch gelegt werden.

Als Nationalrat tragen Sie die Asylreform mit, die gerade auch dank solcher Zentren schnellere Verfahren ermöglichen soll. Sie müssten also Hand bieten für ein Zentrum. Jetzt, wenn das Zentrum in Ihre Gemeinde kommt, sind Sie skeptisch.

Das ist die Problematik. Alle wollen eine Lösung, aber jede betroffene Gemeinde ist sehr skeptisch. Deshalb muss ganz genau abgeklärt werden, wo solche Unterkünfte am sinnvollsten sind. Dort müssen sie realisiert werden. Ich erwarte, dass Kanton und Bund noch Alternativen zum Schachen aufzeigen und dann die beste Lösung genutzt wird. Das Verteidigungsdepartement dürfte sicher mehr tun. Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht noch leerstehende Kasernen im Besitz des Bundes gibt, welche sich für solche Zentren besser eignen.

Wie schätzen Sie die Stimmung in der Deitinger Bevölkerung ein?

Es gibt diese diffusen Ängste gegenüber Asylsuchenden, die man aus den Medien kennt. Die Leute befürchten mehr Kriminalität und Drogendelikte. Ob diese Ängste berechtigt sind, weiss ich nicht. Aber man muss ihnen entgegnen. Es gibt aber auch Leute im Dorf, die sagen: Es ist richtig, dass das Asylzentrum kommt. In meiner Wahrnehmung ist dies aber eine absolute Minderheit. Vielleicht sind die Befürworter aber auch einfach leiser.

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