Biberist

Einblicke – Ausblicke in das junge Kunstschaffen

Die Werke von Nadine Andrey und Stefanie Daumüller (l.) sowie Delia und Elisa Ferraro.

Die Werke von Nadine Andrey und Stefanie Daumüller (l.) sowie Delia und Elisa Ferraro.

Sieben junge Kunstschaffende gegen im Schlösschen Vorder-Bleichenberg in Biberist Einblick in ihre Arbeiten.

Nachdem vergangenes Jahr sechs etablierte Künstlerinnen einen Einblick und Ausblick in ihr Kunstschaffen gewährten, geben jetzt sieben junge Künstlerinnen mit Solothurner Bezug – oder aus der Region stammend – einen überzeugenden Einblick und Ausblick in ein erstaunlich vielfältiges künstlerisches Werk: postimpressionistische Stimmungen, surreal-poetische Zeichnungen, eigenwillige Collagen und Objekte, Fotografien im Inkjetverfahren als wandlungsfähiges Medium der subjektiven Bildbefragung, atmosphärisch dichte Audio- und Videoinstallationen eröffnen sich den Betrachtenden als ausgereifte künstlerische Intentionen, die sich im Schlösschen zu einer spannenden Geschichte zusammenfinden.

Die auf die künstlerischen Besonderheiten eingehende Ausstellung überrascht dabei mit subtil gesetzten Berührungspunkten die individuelle Bildbetrachtung. Da sind die Fotografien von Nadine Andrey und Stefanie Daumüller. Wie zufällig in der Ausstellung verteilt, setzen sie subtile Zeichen, sich auf Unerwartetes einzulassen, während sie – perfekt inszeniert in der absoluten grafischen Ästhetik – hintersinnig den tradierten Begriff Stillleben hinterfragen. Oder der kleine rot lackierte «Finger» von Lina Müller zeigt – vom wuchtigen Holzblock aus – leicht süffisant auf die von Nadine Andrey stimmungsvoll fotografierte Skelettauswahl.

Rahel Steiner lässt teilhaben an postimpressionistschen, im Freien entstandenen jahreszeitlichen Idyllen. Der Ort, ein Atelierhaus samt Garten in Luzern, der bewegte Pinselstrich, die eher gedämpften Farben fügen sich zu friedvoll-zeitlosen, vertrauten Szenen. Lina Müller entführt mit ihren akribischen Tuschezeichnungen in seltsame Geschehen, in denen sich das scheinbar Reale in seiner feinen Poesie als magisch-surreal erweist. Während sie in den Collagen und Malereien aus grafischen und freien Elementen mannigfaltige Illustrationen gestaltet. Mit den kleinen Objekten dann aus gefundenen Holzstücken, Knochen, aber auch von Hand frei gestaltet und farblich verfremdet, arrangiert sie auf dem Spiegeltisch eine relikthaft-skurrile «Planetenalp», in der freie Gestaltung, Spielerisches und Fantasie eine wesentliche Rolle spielen.

Nadine Andrey hingegen verleiht mit ihren fotografischen Momentaufnahmen dem historischen Kollegium in Fribourg eine neue atmosphärische Dimension. Im Spiel mit dem Licht, den Farben und den geschickt gewählten Ausschnitten wird der dokumentarische Ansatz filmisch und atmosphärisch gesteigert.

«SchwesterBilder» nennen Elisa und Delia Ferraro ihre fotografischen Arbeiten, mit denen sie bekannte Werke der Kunstgeschichte nachstellen und in der Spannbreite von bildgetreuer Nachstellung über die dramaturgische Verfremdung bis zur Reduktion auf einige Bildstilmittel die Wiedererkennbarkeit und individuelle Rezeption ausloten. Einerseits werden die Betrachter herausgefordert, sich auf diese eigenwilligen Bilder einzulassen, andererseits gelingen den beiden Schwestern mit dem Inkjetdruck eindrückliche malerische Momente. Elisa Ferraros «Rauten», ursprünglich räumlich inszeniert, entwickeln selbst in der fotografischen Umsetzung aus dem Mit- und Gegeneinander von Fläche und Tiefe eine irritierend suggestive, dreidimensionale Wirkung.

Wie alle anderen Arbeiten auch sind die Audio- wie Videoinstallation von Lea Fröhlicher mit Musse zu erleben. «Aufgedeckt», arrangiert in einer wohnlichen Atmosphäre, konfrontiert allein über die Gespräche aus den Lautsprechern die am Tisch sitzenden zufälligen Betrachter mit der eigenen Geschichte familiärer Tischkulturen. In «schaustellen», einer sich eigenwillig durch verschiedene Wohnsituationen mäandernden Videoinstallation, nimmt der Betrachtende fasziniert an etwas fremdem, Privatem teil und wird unverhofft – voyeuristisch gespannt – Teil dieses medialen Zurschaustellens.

Bis 21. Juni. Geöffnet: Mi + Do 16-19 Uhr, Sa + So 14-18 Uhr. Matinee mit Zmorgebuffet und Konzert (Land covered with Briar) So 7. 6., 11 Uhr.

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