Rastplatz Deitingen Süd
Ein Treffpunkt mit direktem Anschluss an die weite Welt

Auf dem Rastplatz Deitingen Süd treffen Menschen aus ganz Europa aufeinander. Teil 3 unserer Serie Treffpunkte.

Lara Frey
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Stammkunden, Durchreisende, Lastwagenfahrer, Touristen – auf der Autobahnraststätte sind sie alle gleich und suchen einen Moment der Erholung.
9 Bilder
Basler LKW-Fahrer beim Zmittagessen
Lulietta Rushdiu Sommerserie Treffpunkte: Autobahn Rastplatz Deitingen
Die Kuppel ist das Wahrzeichen der Raststätte und wurde von Heinz Isler konstruiert.
Reportage auf dem Rastplatz Deitingen Süd
Diese beiden Motorradfahrer sind auf der Heimfahrt von der «Côte d'Azur»
Dejen und ist aus Eritrea ist mit seinem Bruder auf Durchreise

Stammkunden, Durchreisende, Lastwagenfahrer, Touristen – auf der Autobahnraststätte sind sie alle gleich und suchen einen Moment der Erholung.

Hanspeter Bärtschi

Eine Frau schläft zusammengerollt in ihrem Smart, eine Familie packt hastig die Reste ihres Picknicks zusammen, als sie die ersten Regentropfen spüren. Ein verlassener Fiat Panda steht mit offener Tankklappe neben dem Erdgas-Zapfhahn. Ein kleines Kind mit einer Chipstüte in der Hand, die fast halb so gross ist wie das Kind selbst, stolpert über die Wiese.

Autokennzeichen aus ganz Europa

Wirklich einladend wirkt die Raststätte Deitingen Süd an diesem verregneten Nachmittag nicht. Ein junger Mann sitzt rauchend auf einem der Picknicktische und beobachtet die Vorgänge, er scheint jedoch in Gedanken versunken zu sein. Er stellt sich vor als Dejen und ist aus Eritrea, sprechen tut er nur Französisch. Er warte auf seinen Bruder, mit dem er auf Durchreise ist, sie wollen noch einen Kaffee trinken, bevor sie weiterfahren. Ein Lastwagen nach dem anderen fährt von der Autobahn ab, um zu tanken oder zu pausieren.

Serie: Treffpunkte

Wo sind die Hotspots in der Region? Wo gehen die Menschen gerne hin und lassen sich auf Begegnungen ein? Wir haben Hotspots ausgewählt und besucht. Der dritte Teil der Serie widmet sich dem Rastplatz Deitingen Süd.

Unsere Bewertung:

Erholung: Grüne Ampel

Am Rastplatz Deitingen Süd gibt es alles, was es braucht: ein Restaurant, Tische im Freien, einen Laden mit Verpflegung und Unterhaltung und saubere Toiletten.

People: Grüne Ampel

Verschiedenste Menschen aus allen Ecken Europas treffen hier wild durcheinandergewürfelt zusammen.

Attraktivität: Orange Ampel

Wirklich einladend ist die Raststätte nicht. Wer Burger und Retro mag, kommt in Cindy’s Diner aber voll auf seine Kosten.

Polen, Polen, Aargau, Polen, Tessin, Ungarn verraten ihre Autokennzeichen. Burgergeruch dringt aus «Cindy’s Diner» und verrät, dass hier auch noch Mitte Nachmittag Hamburger gebraten werden. Weiter hinten, näher an der Autobahn, stehen drei Motorradfahrer im Kreis und unterhalten sich. Sie machen «Pipi- und Popopause» und hätten sich hier an der Raststätte zufällig getroffen. Hunderte Kilometer liegen bereits hinter ihnen; an der Côte d’Azur in Südfrankreich sind zwei der drei gestartet. Ins «Cindy’s Diner» wollen sie aber nicht. «Das ist uns zu 60er, so Route 66 Style, das ist doch nur für Youngsters», schütteln sie den Kopf.

Cindy’s Diner: bekannt und beliebt

In der Tat ist «Cindy’s Diner» ziemlich eigentümlich: Der geplättelte Boden, die Retro-Barhocker, die Jukeboxen und sonstigen Dekorationsgegenstände aus den 50er-Jahren stechen sofort ins Auge. Im Laden neben dem Lokal werden verschiedenste Mitbringsel von Badeenten über Kaffeetassen bis hin zu Keksdosen verkauft. Typische amerikanische Esswaren stehen neben Schweizer Schokolade und Taschenmessern im Regal. Die Angestellten tragen karierte Polohemden, Schürzen und Buttons, auf denen steht «I’m your burger buddy». Deutsch sprechen die meisten nur gebrochen, aber das fällt den ausländischen Durchreisenden wahrscheinlich kaum auf.

Im Restaurant befinden sich fast ausschliesslich Männer Mitte vierzig, unter ihnen auch Adam Mohammed. Er ist aus Bern und geschäftlich unterwegs, auf der Raststätte Deitingen macht er gerne Pause, weil die Burger «gut und hoffentlich auch schnell bereit sind». Sind sie; es vergehen keine fünf Minuten, bis ein Mitarbeiter eine Glocke bimmeln lässt und der Burger vor Mohammed auf dem Tisch steht. Die Konfitürengläschen in den Regalen verraten, dass es hier auch Frühstück gibt – das Diner ist 24 Stunden täglich geöffnet.

Der Kaffee scheint das einzige Nicht-amerikanische zu sein im Lokal, er dürfte aber wohl stärker sein für die müden Autofahrer auf der Raststätte. Wer mehr Koffein braucht, um weiterfahren zu können, dem wird im Tankstellenshop geholfen: Da werden Halbliter-Redbulldosen verkauft. Ganz hinten im Lokal sitzt ein junges Pärchen, sie sind extra aus Basel hierhergekommen, weil das Essen gut ist. Und auch, um im Laden nebenan amerikanische Cornflakes zu kaufen.

Glace essende Lastwagenfahrer

Auch im Tankstellenshop ist die Kundschaft fast ausschliesslich männlich. Immer wieder kommen LKW-Fahrer rein, beinahe jeder, um eine Glace zu kaufen. Einer unter ihnen verweilt ein bisschen länger, um einen Kaffee zu trinken und etwas zu essen, und nutzt die Pause, um von sich zu erzählen: «Ich komme ursprünglich aus Basel, fahre jetzt aber gerade von Bern nach Zürich.»

Die Raststätte hier bezeichnet er als «normal», gleich wie jede andere Raststätte. Auch die zwei französischen Fahrer, die vor dem Shop rauchen, zeigen sich nicht sonderlich beeindruckt von den grossen Kuppeln, die die Raststätte überspannen. Was zähle, seien der Kaffee und die Toiletten. Allgemein herrscht Aufbruchstimmung, alle haben es eilig und niemand will viel länger als nötig hier verweilen. Nur der Fiat Panda steht immer noch verlassen da.

Nachgefragt:

Lulietta Rushdiu Sommerserie Treffpunkte: Autobahn Rastplatz Deitingen

Lulietta Rushdiu Sommerserie Treffpunkte: Autobahn Rastplatz Deitingen

Hanspeter Bärtschi

«Es muss immer alles schnell gehen»

Was arbeiten Sie hier?

Lulietta Rushdiu: Alles Mögliche: Ich betreibe den Tankstellenshop, mache die Kasse, arbeite am Bistro und bereite die Sandwiches zu, ich bediene die Leute. Und ich muss immer schnell und freundlich sein.

Wie beschreiben Sie diesen Ort?

Es ist spannend hier, wir haben jeden Tag andere Leute. Aber auch ein paar Stammkunden, die immer wieder kommen. Es fühlt sich an wie mein Zuhause hier, seit dreissig Jahren bin ich Verkäuferin. Und natürlich ist es ein sehr effizienter Laden, denn für die meisten muss es immer schnell gehen.

Was haben Sie hier Besonderes erlebt?

Wir erleben hier verschiedenste Dinge, vor allem in den Schulferien oder nach dem Auto-Salon in Genf, wenn alle auf dem Nachhauseweg sind. Einmal kam eine Frau rein, spät abends, und war sehr erstaunt, dass ich immer noch so gut drauf bin, daran erinnere ich mich noch.