Derendingen
Ein Teil der Gärten im "Elsässli" ist saniert

Ein Rundgang im Quartier zeigt, dass die Eigenheit der Gärten trotz der Sanierung geblieben ist.

Rahel Meier
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Im Jahr 2011 liess eine Bewohnerin ihren Garten untersuchen, weil Teerplatten und Teerbrocken von blossem Auge sichtbar waren.
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2016 wurde der erste Garten saniert indem der Boden komplett ausgetauscht wurde.
Der Rhabarber soll im neuen Garten wieder eingepflanzt werden.
Bodensanierung im Elsässli
Neuer Humus für den Garten.
Willi Ingold hat den Boden in seinem Naturgarten von Hand weggeschaufelt und auch erst die Hälfte saniert.
Willi Ingold hat den Boden in seinem Naturgarten von Hand weggeschaufelt und auch erst die Hälfte saniert.
Der Heimatschutz hat sich mit der finanziellen Unterstützung des Gartenleitbildes im Elsässli engagiert und seine Mitglieder zum Besuch eingeladen.
Der Heimatschutz hat sich mit der finanziellen Unterstützung des Gartenleitbildes im Elsässli engagiert und seine Mitglieder zum Besuch eingeladen.
Der Heimatschutz hat sich mit der finanziellen Unterstützung des Gartenleitbildes im Elsässli engagiert und seine Mitglieder zum Besuch eingeladen.
Die sanierten Gärten haben durchaus alle ihr eigenes Gesicht behalten.
Die sanierten Gärten haben durchaus alle ihr eigenes Gesicht behalten.
Die sanierten Gärten haben durchaus alle ihr eigenes Gesicht behalten.
Die sanierten Gärten haben durchaus alle ihr eigenes Gesicht behalten. Der Baum durfte stehen bleiben.
Die sanierten Gärten haben durchaus alle ihr eigenes Gesicht behalten. Feuerstellen sind neu erlaubt.
Die sanierten Gärten haben durchaus alle ihr eigenes Gesicht behalten.
Die sanierten Gärten haben durchaus alle ihr eigenes Gesicht behalten.

Im Jahr 2011 liess eine Bewohnerin ihren Garten untersuchen, weil Teerplatten und Teerbrocken von blossem Auge sichtbar waren.

Rahel Meier

Man erinnert sich: 2010 wurde bekannt, dass die Böden der Gärten in der ehemaligen Arbeitersiedlung Elsässli in Derendingen mit PAK (polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) belastet sind. Die Unsicherheit bei den Bewohnerinnen und Bewohnern war gross, und erst mehrere Jahre und einige Gerichtsverfahren später war klar, wie die Gärten saniert werden können. Im April 2016 wurde an der Krempelgasse 9 der Boden komplett ausgetauscht und der erste Garten umgestaltet. In der Zwischenzeit haben weitere Gartenbesitzer den gleichen Schritt gemacht.

Gärten sind charakteristisch

Das «Elsässli» steht seit 1992 unter Denkmalschutz. Es ist schweizweit eine der letzten vorhandenen Arbeitersiedlungen. Die grossen Gärten sind charakteristisch für das Quartier. Viele der Bewohner halten auch Kleintiere. Die Bepflanzung in den Gärten ist oft kontinuierlich gewachsen, es wurde meist auf Bestehendem aufgebaut. Die Angst vor einem «Einheitsbrei» nach der Sanierung war gross.

Boden muss ausgetauscht werden

Zwischen 1880 und 1912 wurde das «Elsässli», die Arbeitersiedlung der Kammgarnspinnerei Derendingen, erbaut. 1988 erwarb die Gemeinde Derendingen die Arbeitersiedlung. Im Jahre 1992 wurde das «Elsässli» mit einem Gestaltungsplan unter Denkmalschutz gestellt. Seither wurden viele der Häuser mit ihren grossen Gärten an Private verkauft. Eine der Eigentümerinnen liess im Jahr 2010 ihren Garten auf Schadstoffe untersuchen. Dabei zeigte sich, dass der Oberboden stark mit Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) verseucht ist. Im Frühjahr 2011 untersuchten die kantonalen Behörden weitere Gärten im Elsässli. Der Verdacht einer flächendeckenden PAK-Belastung bestätigte sich damit. Zusätzlich kam eine hohe Belastung mit den Schwermetallen Zink und Blei dazu. Die Belastung war so hoch, dass der Kanton Nutzungseinschränkungen verfügte.

Weil die Böden nicht als Altlast eingestuft wurden, sondern als belastete Böden nach VBBo (Verordnung über Belastungen des Bodens), müssen die Eigentümer die Sanierung selbst zahlen. Sanieren heisst konkret, den Boden im Garten bis zu einer Tiefe von 40 Zentimetern austauschen. Die belastete Erde muss speziell entsorgt werden, was hohe Kosten verursacht. Die Gemeinde Derendingen, als ehemalige Eigentümerin, hat 2017 einen Kredit von 490 000 Franken gesprochen, mit dem sie sich an den Sanierungen beteiligt. Eigentümer haben nun bis Ende 2022 Zeit, ihre Böden unter fachlicher und behördlicher Begleitung zu sanieren und dafür eine Kostenbeteiligung zu erhalten.

Aus diesem Grund wurde 2015 gemeinsam mit den kantonalen und den Gemeindebehörden ein Gartenleitbild erarbeitet. Der kantonale Denkmalschutz engagierte sich stark für dieses Werk. Aber auch der Schweizer Heimatschutz brachte sich ein. Das neue Gartenleitbild nahm den Gestaltungsplan auf, der seit Anfang der 90er-Jahre über der Siedlung liegt, und zeigt, wie dieser zeitgemäss umgesetzt werden könnte. Mit dem Gestaltungsplan wurden nicht nur die Baubereiche im Quartier definiert. Wichtig ist auch, dass die Gärten und die Vorplätze in ihrer heutigen Art erhalten bleiben. Veloabstellplätze und Carports sind nur an zugewiesenen Orten möglich. Sogar die Art der Umzäunung der Gärten ist klar definiert. Im Gegensatz zu früher werden die Gärten heute aber nicht mehr nur als Nutzgärten, sondern vor allem als zusätzlicher Wohnraum und zur Erholung genützt. Deshalb soll mit dem Leitbild den Wünschen nach einem gewissen Sichtschutz, nach Windschutz, die Möglichkeiten, eine Feuerstelle oder einen Spielplatz anzulegen, ein Garten- oder Gerätehaus aufzustellen, Rechnung getragen werden. Die heute bestehende Artenvielfalt bei der Bepflanzung soll auch nach der Sanierung der Böden erhalten und gefördert werden.

Unterstützung durch die Behörden

Hansruedi Meyer ist Präsident der IG Elsässli und lebt seit 20 Jahren im Quartier. Er selbst hat seinen Garten letztes Jahr saniert. Noch sehe es nicht ganz so aus wie gewünscht. «Es dauert seine Zeit, bis die Naturwiese sich wieder richtig entwickelt», meint er. Wirklich verändert hat sich sein Garten aber nicht. Ein Spaziergang durch das Quartier zeigt, dass die Vielfalt wie gewünscht erhalten geblieben ist. «Wer kleine Kinder hat, gestaltet seinen Garten natürlich nach der Sanierung anders als Nachbarn ohne Kinder.»

Auffallend ist einzig, dass vermehrt Sitzplätze angelegt wurden. Oft sogar mehrfach – auf verschiedenen Seiten des Hauses, sodass man sowohl den Morgenkaffee als auch den Schlummerbecher draussen geniessen kann. Meyer ist überzeugt, dass das Gartenleitbild mitgeholfen hat, dass im «Elsässli» weiterhin vielfältige Gärten und nicht nur stereotype grosse Rasenflächen zu finden sind.

Positiv überrascht ist Meyer zudem von den Behörden, sowohl beim Kanton als auch bei der Gemeinde. «Die Zusammenarbeit war sehr angenehm und die Bewohner wurden unterstützt. Auch das Abrechnen mit der Gemeinde ist problemlos verlaufen.» Nicht alle werden bis 2022 sanieren: «Für einige Bewohner ist das auch eine finanzielle Frage. Andere wollen nichts mehr machen, weil sie schon älter sind und ihr Haus in den nächsten Jahren wohl an die nächste Generation übergeben oder verkaufen werden.»