Die Kirche Mariä Himmelfahrt ist ein prägendes Element von Selzach. Das Bauwerk mit dem mittelalterlichen Turm verleiht dem Dorf seit Jahrzehnten einen unverwechselbaren Charakter und die Turmuhr mit Viertelstundenschlag ist eine Rarität in der Schweiz. Diese Beschreibung der Kirche findet sich in einer Broschüre zum Restaurierungsprojekt, die die katholische Kirchgemeinde Selzach-Haag-Altreu zur Urnenabstimmung am kommenden Sonntag und für allfällige Spender gestaltet hat.

Die Kirche Mariä Himmelfahrt ist eine der wenigen im Mauerbestand noch erhaltenen spätgotischen Kirchen des Kantons. Im Innern der Kirche finden sich zahlreiche eindrucksvolle Ausstattungselemente aus dem 19. Jahrhundert. Um das bedeutungsvolle historische Bauwerk erhalten zu können, müsse es nun dringend, so die Verantwortlichen, restauriert werden. Der benötigte Bruttokredit für das Restaurierungsprojekt beläuft sich auf 2,930 Millionen Franken.

Abriss war beschlossene Sache

Baudenkmäler sind die baulichen, authentischen Zeugnisse der Geschichte und Kultur. Die Kirche Mariä Himmelfahrt ist ein solches Baudenkmal, geprägt durch die Stile der Spät- und Neugotik. Solche historische Bauten erfahren heutzutage eine hohe Wertschätzung, schreibt in einer Mitteilung das Architekturbüro Flury und Rudolf Architekten AG aus Solothurn, das mit dem Restaurierungsprojekt betraut ist. Dies sei allerdings nicht immer der Fall gewesen. In den 1960er und 1970er Jahren hätten ältere Stilepochen weder von Kunsthistorikern, der Denkmalpflege noch der Bevölkerung die entsprechende Beachtung erhalten. Etliche Bauwerke des 19. Jahrhunderts seien in dieser Zeit zerstört worden.

Auch in Selzach wurde in den 1950er Jahren ein Neubau beschlossen, dem 1961 die Gemeindeversammlung zustimmte, wie in einer Dokumentation des Kantonalen Denkmalschutzes nachzulesen ist. Die Kirche – der Turm wurde bereits 1940 unter Schutz gestellt – sollte abgerissen werden. Wegen der notwendigen Exhumierungen kam es aber zu langwierigen Verhandlungen zwischen dem Kirchenrat und dem Regierungsrat.

In der Zwischenzeit wurde von der Kantonalen Denkmalpflege, die sich vehement für die Erhaltung der bestehenden Kirche einsetzte, Gutachten in Auftrag gegeben, welche die Erhaltenswürdigkeit der Kirche untermauerten. Ausserdem setzten sich nun auch immer mehr Selzacher Bürgerinnen und Bürger für ihr ehrwürdiges Gotteshaus ein, sodass schliesslich der Abbruchbeschluss von 1961 am 20. Juni 1966 aufgehoben wurde und im gleichen Jahr die Unterschutzstellung der gesamten Kirche erfolgte.

Mehrere Vorgängerkirchen

Am Standort der heutigen Kirche gab es bereits mindestens zwei Vorgängerkirchen. Der heutige Turm stammt aus dem Jahre 1457 und die an den Turm angebaute Kirche Mariä Himmelfahrt aus dem Jahre 1514. Zu den prächtigen neugotischen Ausstattungselementen gehören der Hauptaltar, das Ewiglicht, der Leuchter sowie der Taufstein.

Die Gestaltung des Kircheninnern ist auf eine Renovation in den Jahren 1867/68 zurückzuführen. Damals erhielt die Kirche eine vollständig neue Ausstattung, zu der unter anderem drei Altäre gehörten. Ein grosser Teil dieser neugotischen Elemente wurde allerdings im Rahmen einer weiteren Renovation im Jahre 1976 wieder entfernt. So auch die beiden Seitenaltäre, die bis heute nicht restauriert wurden.

Vieles muss gemacht werden

Saniert werden muss der 1923 gebaute Glockenstuhl aus Stahl, der stark rostet. Um die Kunstverglasung der Kirchenfenster vor der Witterung zu schützen, ist eine äussere Schutzverglasung notwendig. Das Eingangspodest unter dem Vordach der Kirche muss komplett ausgebaut, teilweise ersetzt und auf neue Fundamente verlegt werden. Dabei wird das Niveau angehoben, um einen hindernisfreien Haupteingang zu erhalten. Zudem müssen die stark verschmutzten Oberflächen im Schiff und im Chor gereinigt und neu gefasst werden. Im Rahmen des Restaurierungsprojektes werden auch die beiden Seitenaltäre restauriert sowie die bestehenden neugotischen Elemente ausgebessert und konserviert.

Für das Restaurierungsprojekt sind bereits diverse Beiträge zugesichert oder in Aussicht gestellt worden. Noch fehlen aber 1,3 Millionen Franken. Auch die Einwohnergemeinde wurde um einen Beitrag angefragt. Der Gemeinderat war in der Diskussion grundsätzlich positiv gestimmt, konnte sich aber nicht auf eine Summe einigen und hat das Geschäft bis nach der Abstimmung zurückgestellt.