Schweizweit einzigartig

Ein mobiles Ärzte-Team hilft den Pechvögeln am SlowUp wieder auf die Beine

Christoph Cina hat für den SlowUp Solothurn-Buechibärg ein Hausarzt-Notfallteam initiiert. Dieses mobile Ärzteteam ist schweizweit einzgartig. Bei anderen slowUps stehen Samariter und die Ambulanz zur Verfügung.

 Die «fliegenden Ärzte» werden sie von Monika Krämer, Mitglied des SlowUp-OKs, liebevoll genannt: Das mobile Ärzte-Team. «Fliegend» nicht, weil sie besonders oft auf die Nase fallen, sondern den Pechvögeln am SlowUp wieder auf die Beine helfen. Und das sehr schnell: Innert maximal 15 Minuten ist ein Arzt zur Stelle, wenn auf der Langsam-Route etwas passiert.

Für das mobile Team sind seit Jahren Hausärzte aus der Region im Einsatz. «Dieses Jahr sind erstmals auch Ärzte aus dem Bürgerspital dabei, mit Eva Maria Genewein sogar die leitende Ärztin der Notfallstation», erzählt Christoph Cina sichtlich stolz.

Er ist Hausarzt in Messen und hat das Arzt-Konzept für den SlowUp entwickelt. Das mobile Ärzteteam ist schweizweit einzigartig, an den anderen SlowUps stehen ausschliesslich Samariter und die Ambulanz zur Verfügung. Dass sie solche Unterstützung erhalten, schätzen die Samariter, wie Cornelia Mollet vom Samariterverein Limpachtal bestätigt: «Ich bin sehr froh um die Hausärzte und die Kommunikation funktioniert super!»

Der Samariterposten ist wie alle anderen mit allem ausgerüstet, was für die Erstversorgung nötig ist: Verbandmaterial, Desinfektionsmittel, Medikamente, aber auch ein Defibrillator und Epipens, die bei Allergieschocks angewendet werden.

Interview mit Christoph Cina, der am slowUp Solothurn-Buechibärg einen hausärztlichen Notfalldienst eingerichtet hat

Interview mit Christoph Cina

Erstaunlich wenig Unfälle

Vom offiziellen Start aus startet jede halbe Stunde ein Arzt und nimmt die Strecke von 46 Kilometern unter die Räder. Ausgerüstet sind die Engel in Gelb mit einem E-Bike, einem Handy, Medikamenten, Verbandmaterial und kleinen Untersuchungsgeräten. Damit sie sofort erkannt werden, sind sowohl Velo als auch sie selbst mit «Arzt» angeschrieben.

Unterwegs erhalten sie von der Alarmzentrale SMS, wenn dort ein Anruf eingegangen ist. Ausserdem halten sie bei den Samariterposten, der mobilen Einsatzleitung der Kantonspolizei und den Sanitätern und informieren sich über Vorfälle. An einigen Samariterposten fällt Cina eine mangelnde Signalisation auf.

Leider fehlt es den Vereinen nicht nur an Mitgliedern, sondern auch an Geld für grosse Fahnen – beides wäre nicht nur heute wichtig. Viel zu tun haben sie heute bisher glücklicherweise nicht. Die meisten Sachen sind schnell behandelbar: Schürfwunden, Allergien, Asthmaanfälle. Am Nachmittag steige das Risiko, da Müdigkeit und Alkoholkonsum zunehmen, erklären sie.

Wenn bei den hohen Temperaturen zu wenig getrunken werde, drohe ausserdem ein Kreislaufkollaps, so Cina. Wir selbst haben nicht viel Zeit für Pausen, dass wir in den «Nadelöhren» absteigen müssen, ist daher eine willkommene Gelegenheit, kurz einen Schluck zu trinken.

Doktor für Mensch und Velo

Die grosse Herausforderung am SlowUp sei die Konzentration. «In der Praxis kann ich mich ganz auf meinen Patienten konzentrieren.» Hier müsse er auf sein Velo und die Menschen um ihn herum achten, während er immer nach Unfällen Ausschau hält. So fallen Cina in Lohn-Ammannsegg kleine Menschengruppen auf, die am Rand stehen. Abzuschätzen, ob die Ursache für ihren Stopp ein Schwatz oder ein Unfall ist, ist nicht immer einfach.

Als Cina das Wort «Notfallkoffer» hört, hält er sofort an, erkundigt sich und ist binnen Sekunden beim Unfallopfer. Der Velofahrer hat sich zum Glück nur einige Schürfwunden zugezogen, als er den Randstein touchiert hat und dabei hingefallen ist. Er wurde schon von den umstehenden Velofahrern etwas versorgt und lacht bereits wieder, als Cina die Wunden desinfiziert. Als sich zeigt, dass die Kette beim Sturz herausgesprungen ist, betätigt sich Cina ohne Weiteres auch noch als Velodoktor.

Perfekt durchdachtes System

In Balm zeigt sich noch deutlicher, dass das System perfekt durchdacht ist. Hinter Essensständen und grossen Menschenmengen sind die Blaulichter des Rettungswagens erkennbar. «Ein Mädchen ist von einem anderen Velofahrer gerammt worden, auf die Bordsteinkante gefallen und hat sich das Handgelenk gebrochen.», erklärt eine der Samariterinnen. Sie selbst hätten die Erstversorgung gemacht, nun sei das Mädchen in der Obhut der Rettungssanitäter und werde von ihnen ins Spital gebracht. «Die Ambulanz ist in drei Minuten da.» Als optimaler Standort habe sich Schnottwil erwiesen, wo die Ambulanz jeweils beim Informationsstand des Bürgerspitals auf Einsätze wartet.

Dass bei so vielen Teilnehmern nur wenige Unfälle passieren, erstaunt. «Ich denke, die Leute fahren vorsichtiger, wenn so viel los ist», lautet eine Erklärung von Cina. Ausser der Schürfwunde muss er auf seiner Tour heute nichts mehr verarzten. Aber es ereignen sich einige Beinahe-Unfälle. So hört der Arzt ein erleichtertes «Danke!», als ein junger Velofahrer droht, aus Unachtsamkeit in ein Schild zu fahren und dank Cinas «Achtung!» gerade noch ausweichen kann.

Ob er nicht manchmal die Leute ermahnen möchte, wenn zu weit rechts fahren, die ganze Strasse blockieren oder zu schnell fahren? «Nein, ich bin ja nicht mit ‹Polizei› angeschrieben. Sonst würde ich das schon machen.» Heute fahren die Leute aber sowieso «sehr gesittet», findet der Arzt.

Wie Franziska Strecker von der Solothurner Spitäler AG meldet, wurden 64 Meldungen über Zwischenfälle und Unfälle von Samariterposten registriert und vier Personen – alles Kinder – mussten mit der Ambulanz ins Spital gebracht werden. 

Leserbilder zum SlowUp:

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